Traber (Artistenfamilie)

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Familie Traber ist eine Artistenfamilie, die seit dem Jahr 1799 ununterbrochen Hochseilartistik präsentiert. Ursprünglich handelte es sich um eine Künstlerfamilie aus der badisch-elsässischen Gegend.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Traber fährt mit seinem Smart auf 53 Meter Höhe

Die Familie Traber wurde 1406 urkundlich erwähnt. Die älteste noch erhaltene Urkunde, ausgestellt vom Landgrafen des Elsass, datiert jedoch auf das Jahr 1512. Darin wurde der Familie das Auftreten und Umherziehen im Lande genehmigt. Die Geschichte der Familie Traber ist seit vielen Generationen auch mit der der Artistenfamilie Stey verknüpft.

Heute ist die Familie Traber in Vogtsburg im Kaiserstuhl und in Breisach am Rhein in Baden ansässig. Die Brüder Johann Traber und Falko Traber traten früher mit ihrem Vater Johann auf.[1] Mittlerweile haben Falko und Johann eigene Shows, da sie verschiedene Visionen zur Präsentation ihrer Arbeit verwirklichen wollten. Im Bundesland Brandenburg lebte auch eine Traber-Familie.[1] Zu ihnen gehören Peggy und der von ihr inzwischen geschiedene Mann Karl Traber sowie Johann Traber, Cousin von Johann Traber senior, der 1927 in Kötzschenbroda geboren wurde. Schon der Großvater leitete eine Artistengruppe. Johann Traber zeigte schon mit acht Jahren erste Kunststücke auf dem Seil und beeindruckte 1943 das Publikum der Funkausstellung in Berlin. 1953 siedelte er nach Breisach um. 1961 fuhr Johann Traber auf dem Hochseil vom Eckartsberg zum Münster und war auch bekannt für seine Fahrradpyramide und die Sieben-Mann-Pyramide. Mit 45 Jahren stürzte er ins Netz und verletzte sich schwer. Nachdem kurz darauf auch seine Ehefrau verunglückte, gab Traber seine Artistenkarriere auf und unterstützte seitdem seinen jüngeren Cousin und dessen Familie. „Er ist immer mitgereist und hat die Shows moderiert, er war ein Ratgeber und väterlicher Freund“ sagt der 66-jährige Johann Traber senior anlässlich des Todes seines 93-jährigen Cousins am 8. März 2020. Er wurde in Breisach beigesetzt.[2]

1979 hatte die damalige Traber-Show einen Auftritt in dem James-Bond-Film Moonraker – Streng geheim.

Falko Traber, Johann Traber, Johann Traber jun. und die Töchter Anna und Katharina halten mehrere Guinness-Rekorde.

Leistungen und Rekorde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Falko Traber hält den Längenweltrekord mit 640 Metern, bei dem sein Hochseilkollege Lutz Schreyer tödlich verunglückte. Johann Traber hält den Rekord als schnellster Artist, seit er 1998 am Freiburger Schloßberg mit einer Honda CBR 1100 XX eine Geschwindigkeit von 96 km/h auf dem Seil erreichte. Er hält auch den Höhenweltrekord, den er bei einem Balanceakt 1999 auf der Zugspitze aufstellte. Im 1. Oktober 2006 stellte Falko Traber erneut einen Weltrekord auf, indem er in einer Höhe von 412 Metern über Grund 30 Meter Strecke auf dem mittleren, etwas tiefer liegenden Zugseil der 3S-Seilbahn in Kitzbühel – ohne Sicherung, mit Balancierstange – balancierte.[3] 2007 lief Falko Traber in Rio de Janeiro über die zum Zuckerhut führende Seilbahn.[4]

Unfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Dankbarkeit, dass Johann Traber jr. den Unfall 2006 in Hamburg überlebte, wurde in Breisach die St. Georgs-Kapelle errichtet[5]
  • 16. Mai 1996: Lutz Schreyer begleitete den Weltrekord von Falko Traber mit der Kamera. Er folgte ihm beim Zurückgehen der Strecke mit einer Kamera. Das wiederholt schräg nach unten verspannte Hochseil bewegte sich und Schreyer stürzte tödlich ab. Falko konnte sich nicht umdrehen und musste weitergehen. Schreyer starb drei Tage später.[1][6]
  • August 2004: Karl Traber (Peggys Vater) verlor bei einem Motorradstunt auf dem Seil das Gleichgewicht. Er konnte sich zwar fangen, die körperlichen Folgen des Unfalls zwangen ihn aber bald darauf, seine Karriere zu beenden.
  • 21. Mai 2006: Der 22-jährige Johann Traber stürzte in Hamburg, als der Mast knickte, auf dem er stand. Dabei wurde er schwer verletzt. Nach dem Unfall wollte er wieder zurück aufs Seil, beendete aber dann seine Artistenkarriere. Heute arbeitet er bei den Auftritten noch mit, doch nur im Bodenteam.[7][8]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Traber: Absturz ins Leben. Glanz und Schicksal einer Artistenfamilie. Herder, Freiburg 2007, ISBN 3-451-29714-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Traber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Presse-Artikel

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Torsten Hampel: Tanz mit dem Tod In: Der Tagesspiegel vom 4. Februar 2001
  2. BZ-Redaktion: Trauer um bekannten Hochseilartisten. Badische Zeitung, 12. März 2020, abgerufen am 30. August 2020.
  3. Falko Traber mit Weltrekord über Alpen in 412m Höhe RTL youtube.com, Video 4:24 min, Eventerleben, 9. April 2008, abgerufen 5. Februar 2017.
  4. Rio de Janeiro - der Lauf zum Zuckerhut - Falko Traber youtube.com, Video 0:13 min, Eventerleben, 9. April 2008, abgerufen 5. Februar 2017.
  5. Breisach: Die Traber-Kapelle hat jetzt auch ein Kreuz - badische-zeitung.de. Abgerufen am 13. Juni 2013.
  6. Falko Traber Discovery Channel youtube.com, Eventerleben, Video 8:14, 11. April 2008, abgerufen 5. Februar 2017.
  7. Martina Farmbauer: Zurück in die Höhe. In: sueddeutsche.de, 21. November 2007.
  8. Verunglückter Hochseilartist. Das zweite Leben des Johann Traber. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Stern TV. 27. August 2014, archiviert vom Original; abgerufen am 15. August 2020.