Trester (Pressrückstände)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Trester von Äpfeln

Trester ['trɛstɐ] sind die vorwiegend festen Rückstände, die nach dem Auspressen des Saftes von Obst, Gemüse oder Pflanzenbestandteilen, wie Äpfeln, Weintrauben, Karotten oder Tomaten übrig bleiben. Die Rückstände beim Mahlen und Pressen von Kaffeebohnen für Espresso und Kaffee, oder bei der Olivenölherstellung werden ebenfalls als Trester bezeichnet.

Beim Weinbau werden die Pressrückstände nach Landesgegend auch als Tröber oder Lauer bezeichnet. An der Mosel heisst es Bälisch, Träsch oder Trasch in der Schweiz.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Trester der meisten Früchte, die beim Entsaften anfallen, werden als Futtermittel,[1] teilweise auch als Dünger verwendet. Insbesondere im Weinbau werden die Trester auch zu Bränden verarbeitet, die bekanntesten dürften der italienische Grappa,[2] der französische Marc und der griechische Tsipouro bzw. Raki oder in Kreta Tsikoudia sein. In der Antike wurde aus dem Trester auch ein billiger Wein, die Lora, gekeltert.

Die Traubenkerne des Tresters werden gelegentlich wieder zur Traubenkernölerzeugung verwendet. Aus dem beim Pressen von Oliven anfallenden Ölkuchen kann durch weiteres Pressen und anschließendes Verkohlen Grillkohle gewonnen werden.[3]

Zitrus-, Rüben- und Apfeltrester werden teilweise zur Gewinnung von Pektin genutzt, das unter anderem als rein pflanzliches Ersatzmittel von Gelatine dient.[4]

Des Weiteren sind Trester energetisch wertvoll und eignen sich für die Energiegewinnung mittels Biogasanlagen[5] oder als Trester-Pellets, die als Brennstoff dienen können (siehe auch Lohkäse).

Apfeltrester, teilweise mit bis zu 10 % Hafer vermischt, wird in den Wintermonaten zur Wildfütterung und zum Ankirren von Schalenwild verwendet.

Aus Traubentrester wird ein Tresteressig hergestellt. Durch sein herbes, kerniges Aroma eignet er sich für Salate oder würzige Gerichte.[6]

Aus gegorenem Traubentrester wird in Österreich ein als Treber, Trebern oder Trebener bezeichneter Tresterbrand (Spirituose) hergestellt.

Am Bielersee in der Schweiz wird traditionell alljährlich eine als Treberwurst benannte Spezialität gegessen. Dies ist eine Brühwurst, die während der Destillation von ausgepressten, nachgegorenen Weintrauben zu Marc (Tresterschnaps), in einer Pfanne im Brennkessel auf dem Trester schwimmend erwärmt wird.

Trester von Weintrauben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausgepresste Trauben

Bei Weintrauben fallen aus 100 l Maische etwa 25 kg Trester an. Der (feuchte) Trester setzt sich zusammen aus etwa drei Vierteln Schalen und einem Viertel Kernen.

1 m³ Trester enthalten ca. 150 kg organische Substanz, 3,5 kg Stickstoff, 1 kg Phosphat, 5,5 kg Kalium und 0,4 kg Magnesium.[7]

Toxikologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traubentrester sind in der Regel für Mensch und Tier ungiftig. Bei einigen Hunden kommt es jedoch bei Aufnahme von Trester zu einer Weintraubenvergiftung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Trester – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frankenförder Forschungsgesellschaft mbH, Einsatz von Obsttrestern für die Fütterung von Schweinen. Abgerufen am 6. August 2018
  2. Grappa.com, Das Rohmaterial: der Trester. Abgerufen am 6. August 2018
  3. Grillkohle aus Olivenkernen. Artikel auf manufactum.de, abgerufen am 16. September 2017
  4. Netzwissen Pektin - Gelier- und Bindemittel nicht nur für Marmelade. Abgerufen am 6. August 2018
  5. Heizungsfinder.de, Treber, Trester & Co: Biogas aus Abfallprodukten. Abgerufen am 6. August 2018
  6. Ernesto Pauli's Kochlexikon, Trester-Essig. Abgerufen am 6. August 2018
  7. Karl Bauer u. a.: Weinbau. 8. aktualisierte Auflage. Österreichischer Agrarverlag, Wien 2008, ISBN 978-3-7040-2284-4.