Tulum (Ort)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Tulúm)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Maya-Stadt Tulum. Die mexikanische Gemeinde wird unter Tulum (Stadt), das gleichnamige Musikinstrument unter Tulum (Instrument) beschrieben.
Tulum aus Vogelperspektive
Tulum
Tulum (Mexiko)
Tulum
Tulum

Tulum (auf Mayathan Tulu’um, „Mauer“ oder „Festung“) liegt an der so genannten Riviera Maya, einem Küstenstreifen an der Karibikküste von Mexiko im Bundesstaat Quintana Roo, rund 130 Kilometer südlich von Cancún.

Tulum gehört zu denjenigen Maya-Fundstätten die direkt am Meer liegen. Die bekanntesten Gebäude sind neben dem sogenannten „Schloss“ der „Tempel des Herabsteigenden Gottes“ auch „Haus des Halach Huinik“ genannt, der „Tempel des Windes“ und der „Freskentempel“. Die innere Stadt wird von einer zum Meer hin offenen Stadtmauer umrundet, an deren Nordwest- und Südwestecken Wachtürme stehen. Aus denkmalpflegerischen Gründen sind für Besucher nicht mehr alle Strukturen zugänglich. Ebenso wurde die Stätte zur Beobachtung des Sternenhimmels, insbesondere der Venus errichtet. Der Maya-Kalender wurde an solchen Plätzen erstellt und ständig überprüft. Kleine Fensteröffnungen zeigen noch heute die Ausrichtung und Weiterleitung von Sonnenstrahlen zur Wintersonnenwende.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Besiedelt seit ungefähr 1200, war Tulum im 13. und 14. Jahrhundert eine der größeren Städte der Halbinsel Yucatán. Territorial lag Tulum, dass in den Chilam Balam Texten Zama genannt wird, in der Maya-Jurisdiktion Ekab.

Juan Díaz, ein Mitglied der spanischen Juan de Grijalva Expedition, erwähnte als erster Europäer Tulum im Jahr 1518.[1] Er verglich die Größe der Stadt mit der von Sevilla. Vermutlich war Tulum wegen seiner günstigen Lage am Meer ein wichtiger Handels-Knotenpunkt der Maya und verfügte über ein entwickeltes Verteidigungssystem. Als religiöses Zentrum war Tulum noch bei der Ankunft der Spanier bewohnt.

Der erste moderne Besucher, der Aufzeichnungen hinterlassen hat, war John Lloyd Stephens.

Während des Kastenkrieges war Tulum ein Zentrum des Widerstands der Maya. Hier befand sich ähnlich wie in Chan Santa Cruz ab 1871 ein Sprechendes Kreuz, das von der Maya-Priesterin María Uicab, der „Königin von Tulum“, gehütet wurde.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tulum vom Meer aus
Tempel des Windes
Tempel des Windes und Strandpanorama
Tempel des Herabsteigenden Gottes bzw. Haus des Halach Huinik
Freskentempel, im Hintergrund das Castillo

Das ganze Areal der Stadt war mit niedrigen Wohnhäusern bebaut, von denen nur noch Sockelmauern zu erkennen sind. Die größeren, gemauerten Bauten tragen heute beschreibende Namen, die nicht authentisch sind.

Das „Schloss“ (spanisch Castillo) ist das höchste Gebäude von Tulum. Der Spanier Juan Díaz hielt diesen Turm 1518 für den größten, den er je gesehen hatte. Das obere Gebäude hat zwei gewölbte Räume, deren drei Eingänge durch schlangenförmige Säulen abgestützt sind. Deren nicht mehr erhaltenen Schlangenköpfe ruhten auf dem Boden. Der sonstige Fassadenfries ist relativ schlicht.

Der „Tempel des Herabsteigenden Gottes“ (spanisch Templo del Dios Descendente) erhielt einen Namen von der im Dachfries enthaltenen Figur des herabsteigenden Gottes. Diese in Tulum mehrfach (beispielsweise im Schloss) abgebildete Gottheit wurde mit dem Sonnenuntergang, dem Regen, dem Blitz und der Bienenzucht in Verbindung gebracht und hieß auf Mayathan Ah Mucen Cab (Bienengott). Andererseits wird das Gebäude auch als Residenz bzw. Wohnsitz des Herrschers (Halach Huinik) angesehen.

Der „Freskentempel“, auch „Tempel der Friese“ (spanisch Templo de las Pinturas), erhielt seinen Namen aufgrund der zahlreichen Wandmalereien von Schlangen, Fischen, Eidechsen und anderen Meerestieren, welche jeweils Gottheiten einrahmen. Vermutlich diente der Tempel der Anbetung von Gottheiten, die im Zusammenhang mit der Bodenfruchtbarkeit standen.

Der „Tempel des Windes“ (spanisch Templo del Dios del Viento) wurde auf einem natürlichen Hügel in unmittelbarer Meeresnähe errichtet. Er ist auf einer halbrunden Plattform errichtet und besitzt einen Raum. Die halbrunde Struktur lässt auf die Anbetung des Windes schließen und stellt eine für die Maya-Kultur seltene Bauweise dar. Vergleichbare architektonische Grundstrukturen finden sich weiter westlich, beispielsweise in Uxmal an der „Pyramide des Zauberers“.

Die gesamte Stadt war von einer rechtwinkelig (385 × 165 m) um sie verlaufenden, mit 6 m Fußbreite sehr massiven Mauer umschlossen, deren Höhe zwischen 3 und 5 m liegt; nur die Seite an der Küste blieb ungeschützt.

Die Stadt (wie sie im 18. Jahrhundert aussah) wurde in dem Videospiel Assassin’s Creed IV: Black Flag nachgebildet.

Das moderne Tulum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort lebt im Wesentlichen vom Tourismus, der durch die Attraktivität der Ausgrabungsstätte und der Strände angezogen wird. Bis etwa in die 1990er Jahre kamen die Touristen hauptsächlich mit Reisebussen auf Tagesausflügen aus Cancún und in Tulum selbst gab es nur wenige einfache Hotels.

Tulum besteht aus zwei Teilen. Der Weg von der Autobahn zur Stätte führt über das heutige Tulum Pueblo, eine schnell wachsende Kleinstadt mit rund 10.000 Einwohnern, gelegen auf 20° 13′ N, 87° 28′ WKoordinaten: 20° 13′ N, 87° 28′ W, entlang der Ruta 307 Cancún-Chetumal.

Der Strandabschnitt südlich der Ruinen, die sogenannte Zona Hotelera, ist seit Mitte der 1990er Jahre über mehrere Kilometer fast vollständig bebaut worden. Die den Ruinen nächstgelegen Anlagen sind die ältesten und einfachsten, rustikale Bungalows ohne Strom und Wasser. Weiter südlich steigt die Qualität der Übernachtungsmöglichkeiten, wie auch die Preise, stark an.

Die Zona Hotelera ist über eine asphaltierte Straße mit dem ca. 5 km entfernten Tulum Pueblo verbunden und mit Shuttlebussen, Taxis dem Fahrrad oder auch fußläufig zu erreichen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tulum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Maya sites in Quintana Roo: Tulúm" (history), Athena Review Vol.2, no.1, 2003, webpage: AthenaPub-Tulum.