Tupinambás de Olivença

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Die Tupinambás de Olivença sind eine indigene Gemeinde, die südlich von Ilhéus im Distrikt Olivença im Süden des brasilianischen Bundesstaats Bahia leben.

Das Selbstbestimmungsrecht der Tupinambás de Olivença wird immer wieder von Politikern und Privatleuten in Frage gestellt. Die Tupinambás de Olivença werden regelmäßig mit bürokratischen und rechtlichen Angriffen konfrontiert. 2014 zählten zu der Ethnie 4669[1] Personen.

Die Tupi besiedelten bei der Ankunft der Portugiesen in Brasilien den Großteil der Atlantikküste. Die Tupinambás de Olivença beziehen sich mit ihrem Namen sozial, kulturell und historisch auf ebendiese ursprüngliche Besiedlung der Region vor der Kolonialisierung. Heute sprechen alle Einwohner der Gemeinden Portugiesisch.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs der Druck auf die indigene Bevölkerung rund um Olivença aufgrund des Kakaobooms, der viele Investoren in die Region zog. Dies führte dazu, dass die Menschen sich immer weiter in den Wald zurückziehen mussten und kaum noch Zugang zu Wasser und Land hatten.

Auf Grundlage der neuen Verfassung von 1988 bemühten sich die Indigenen um eine rechtliche Anerkennung. Seit 2001 sind sie von der Indigenenbehörde FUNAI als Ethnie anerkannt und die erste Phase des Demarkierungsprozesses wurde 2009 abgeschlossen.[2]

Um ihre Rechte durchzusetzen, führten die Indigenen mehrere retomadas durch. Als retomadas werden Landbesetzungen bezeichnet, bei denen Indigene sich ihr angestammtes Land zurücknehmen, indem sie es besetzen. Dies führte zu zahlreichen Auseinandersetzungen mit den Großgrundbesitzern, die das Land für sich beanspruchen. Mehrmals wurde die Gemeinde von der Bundespolizei besetzt. Der Anführer Cacique Babau und zwei weitere Brüder wurde 2010 von der Bundespolizei über mehrere Monate inhaftiert, bis ein Richter die Anklagen als unbegründet abwies und die Angeklagten in ein Schutzprogramm für Menschenrechtsverteidiger eingliederte.[3]

Mitglieder der Gemeinde sehen sich weiterhin mit offenen Drohungen konfrontiert und sind dadurch ständig in ihrem Alltag eingeschränkt. Insbesondere der Diskurs der seit Januar 2019 bestehenden Regierung unter Präsident Jair Bolsonaro setzt die Indigenen weiter unter Druck, weil er Gewalt gegen Indigene legitimiert.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Quadro Geral dos Povos Instituto Socioambiental. Abgerufen am 2. März 2019.
  2. Tupinambás de Olivença Instituto Socioambiental (ISA). Abgerufen am 2. März 2019.
  3. Justiça revoga prisão de índios Tupinambás da Serra do Padeiro Secom - Secretaria de Comunicação Social, Governo do Estado da Bahia. Abgerufen am 2. März 2019.
  4. Povo Tupinambá de Olivença reafirma resistência às medidas do governo Bolsonaro Cimi – Conselho Indigenista Missionário. Abgerufen am 2. März 2019.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Susana de Matos Viegas & Jorge Luiz de Paula: Relatório Final Circunstanciado de Identificação da Terra Indígena Tupinambá de Olivença. Fundação Nacional do Índio, Brasília, 2009.