Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche

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Die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche (ukrainisch Українська автокефальна православна церква) ist eine autokephale orthodoxe Kirche in der Ukraine. Zu ihr zählen sich etwa 1,4 % der Bevölkerung (2016). Ihr Sitz ist in Kiew. Die Kirche wird von anderen orthodoxen Kirchen nicht als kanonisch anerkannt.

Die Kirche ist nicht verbunden mit der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche in der Diaspora in Westeuropa, Australien und Amerika. Seit 1920 gab es verschiedene Kirchen gleichen Namens.

Erste Autokephalie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Ausrufung des ersten unabhängigen ukrainischen Staates am 25. Januar 1918, der Ukrainischen Volksrepublik, versuchten ukrainische Geistliche, die staatliche Unabhängigkeit mit der Gründung einer autokephalen orthodoxen Kirche zu untermauern. Ein Beschluss der Russisch-Orthodoxen Kirche vom September 1918 billigte die Anerkennung einer autonomen ukrainischen Kirche. Aufgrund der chaotischen Verhältnisse verliefen die ersten Bemühungen erfolglos. Die im Bürgerkrieg siegreichen Bolschewiki wollten jedoch die Russisch-Orthodoxe Kirche schwächen und standen dem Gedanken einer ukrainischen Nationalkirche zunächst wohlwollend gegenüber. Die erste autokephale ukrainische Kirche wurde im Mai 1920 in Kiew gegründet und wählte im Oktober 1921 Wassyl Lypkiwskyj zu ihrem ersten Metropoliten. Da ihm die erforderliche Anerkennung durch einen Patriarchen fehlte, wurde er von Priestern und Laien durch "Handauflegen" geweiht, was mit dem orthodoxen Kirchenrecht nicht vereinbar war. Die erste UAOK wurde deshalb von den anderen orthodoxen Kirchen nicht anerkannt. Trotzdem konnte sie Mitte der 1920er Jahre in der Ukraine nach eigenen Angaben 3-6 Millionen Gläubige sammeln, die in 1000 Pfarreien mit 1500 Priestern und 30 Bischöfen organisiert waren. Nachdem der stellvertretende Patriarchatsverweser Sergej (ab 1943 Patriarch der Russisch Orthodoxen Kirche) 1927 eine Deklaration gegenüber dem Sowjetstaat abgegeben hatte, in dem die Russisch-Orthodoxe Kirche die Trennung von Kirche und Staat akzeptierte, verloren die Bolschewiki ihr Interesse an der ukrainischen Autokephalie. Bischof Lypkiwskyj wurde noch im selben Jahr zum Rücktritt gezwungen und verbannt, die Kirche verlor ihre Autokephalie im Jahr 1930. In den folgenden Jahren wurden über 1000 ihrer Geistlichen verbannt. 1937 hörte sie zu bestehen auf.

Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche im Generalgouvernement 1941–1944[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg wurde im Generalgouvernement zum zweiten Mal eine autokephale ukrainische Kirche gegründet. Ausgangspunkt war diesmal die Polnische Orthodoxe Kirche, der 1924 der Autokephaliestatus vom Patriarchen von Konstantinopel verliehen wurde. Ihr Metropolit Dionisij Valedinsky weihte 1940 den Linguisten und Rektor der ersten ukrainischen Universität Kamjanez-Podilskyj, Iwan Ohijenko (Ilarion), zum Bischof von Cholm und Podlachien und 1944 zum Metropoliten. Damit bestand eine kirchenrechtlich einwandfreie Autokephale Orthodoxe Kirche im Generalgouvernement (AOKGG). Aus ihr wurde eine neue Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche geformt. Die Wahl Illarions zum Metropoliten von Kiew am 25. November 1941 erkannten die Deutschen jedoch nicht an.

Vor dem Vormarsch der Roten Armee floh die Hierarchie der Kirche 1944 ausnahmslos nach Westen, in der Ukrainischen SSR blieb sie verboten.

Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche im Ausland 1946–1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie reorganisierte sich jedoch in der Emigration, zunächst in Deutschland, dann in den USA und Kanada. 1946 gab es in Deutschland 80 Gemeinden. In den 1950er Jahren sind viele Ukrainer nach USA, Kanada, Australien, Südamerika und andere Länder Westeuropas ausgewandert. In diesen Ländern wurden Ukrainische Orthodoxe Kirchengemeinden gegründet.

Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche in der Ukraine (seit 1990)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 wurde die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche offiziell auch in der Ukraine wieder gegründet und vereinigte sich mit den ausländischen Eparchien. Oberhaupt wurde Patriarch Mstyslav (Skrypnyk) aus den USA.

1992 schloss sie sich der neuen Ukrainisch-Orthodoxen Kirche - Kiewer Patriarchat an, auch diese gemeinsame Kirche wurde von Patriarch Mstyslav formal geleitet. 1993 trennten sich beide Kirchen nach dem Tod von Patriarch Mstyslav wieder, neuer Patriarch wurde Dymytrij Jarema.

1995 lösten sich die Eparchien in den USA, Westeuropa und Australien von der ukrainischen Kirche und bildeten eigene Kirchen. Sie unterstellten sich dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel und gehörten damit zu einer kanonischen Kirche.

1997 gründeten Bischöfe einiger russischer Diözesen eine unabhängige Russische Wahre Orthodoxe Kirche.

Seit 2015 hat die Kirche keinen leitenden Metropoliten mehr.

Strukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist in 14 Eparchien mit 1185 Gemeinden organisiert.[1] Zu ihr zählen sich etwa 0,8 % der Bevölkerung.[2]

Die Kirche wird von einem Patriarchalischen Konzil geführt, das aus dem Metropoliten und je 2 Bischöfen, Prälaten und Laien besteht. Zentrale Kathedrale ist die St.-Andreas-Kirche in Kiew. Sie hat 12 Klöster.

Kirchenrechtliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche wird von anderen orthodoxen Kirchen nicht anerkannt.

Seit 2015 bemüht sie sich in Gesprächen mit der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat) und der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (Kiewer Patriarchat) um einen Zusammenschluss der Kirchen. Bisher ohne konkrete Ergebnisse.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angaben der Abteilung für Religions- und Nationalitätenangelegenheiten der Ukraine vom 1. Januar 2014 (ukrainisch)
  2. Релігійна самоідентичність і молитва в Україні Repräsentative Befragung des Instituts für Soziologie der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften, ohne Oblaste Donezk, Luhansk und Krim (ukrainisch), 2010 waren es noch etwa 1,1% der Bevölkerung