Unabhängigkeitstag (Bulgarien)

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Zar Ferdinand I. mit Mitgliedern der Regierung bei der Unabhängigkeitserklärung

Am 22. September wird in Bulgarien der 1908 am selben Tag ausgerufenen Unabhängigkeit gedacht.[1] Der Tag wurde am 10. September 1998 durch einen Entschluss des bulgarischen Parlaments erneut, wie vor der Machtergreifung der Kommunisten 1946, zum Feiertag erklärt.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit den Entscheidungen des Berliner Kongresses von 1878 wurde nach mehr als 500 Jahren ein bulgarischer Staat errichtet. Dieser Staat sollte ein Fürstentum sein, das eine Teilunabhängigkeit genoss und Vasall des Osmanischen Reichs war. Die Unabhängigkeit für das Fürstentum begrenzte sich auf die administrativen Bereiche, in politischen und militärischen behielten die Sultane am Bosporus nominell die Macht. So musste im Kriegsfall Bulgarien dem Osmanischen Reich Truppen zur Verfügung stellen.

Weiter wurde in Berlin beschlossen in Nordthrakien eine osmanische Provinz unter dem Namen Ostrumelien zu errichten. Größere Gebiete mit bulgarischer Bevölkerung blieben jedoch auch nach den Entscheidungen von Berlin weiter unter der direkten Obrigkeit des osmanischen Sultans. Nach der 1886 erfolgreichen Teilvereinigung mit Ostrumelien und dem darauf folgenden serbisch-bulgarischen Krieg wurde die politische Unabhängigkeit als oberstes politisches Ziel verfolgt. Hinzu kamen wirtschaftspolitische Gründe und die zollfreie oder zollpräferenzierte Einfuhr von westeuropäischen Indrustriegütern über das Osmanische Reich. Da das Fürstentum Bulgarien keine Zollhoheit besaß, jedoch nominell Teil des Osmanischen Reiches war konnten diese Güter ungehindert auf dem bulgarischen Markt gelangen und hemmten somit die Entwicklung der bulgarischen Wirtschaft.

Unabhängigkeitserklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

30 Jahre nach dem Russisch-türkischen Krieg von 1877 bis 1878 erklärte der bulgarische Fürst Ferdinand I. am 22. Septemberjul./ 5. Oktober 1908greg. in der mittelalterlichen bulgarischen Hauptstadt Weliko Tarnowo durch ein Manifest das Fürstentum Bulgarien für unabhängig. Dabei wurde er zum Zar gekrönt und das Kaiserreich ausgerufen. Die Unabhängigkeit wurde mit der Unterstützung Österreich-Ungarns erklärt, welche zum selben Zeitpunkt Bosnien annektierte (→ Bosnienkrise).

Die Unabhängigkeitserklärung stellt einen Bruch mit den im Berliner Kongress von den Großmächten festgelegten Entscheidungen dar. Die Unabhängigkeitserklärung und die Ausrufung des neuen bulgarischen Zarenreichs wurden mit der Unterstützung Russlands nach langen Verhandlungen von weiteren Großmächten und vom Osmanischen Reich am 9. April 1909 anerkannt. Damit erreichte Bulgarien als einziges Balkanland seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich auf friedlichem Weg.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl Strupp: Unabhängigkeitserklärung Bulgariens. Proklamation des Fǖrsten Ferdinand vom 22 September/5 Oktober 1908. In: Urkunden zur Geschichte des Völkerrechts, Band II. Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1911.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]