Universidad Nacional de Colombia

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Universidad Nacional de Colombia
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Motto la: Inter-Aulas-Academiæ-Quære-Verum
es: Busca la Verdad en las Aulas de la Academia
de: Finde die Wahrheit in den Klassenzimmern der Akademie
Gründung 22. September 1867
Ort Bogotá
Rektor Ignacio Mantilla Prada
Studenten 43.341 (2006)
Mitarbeiter 2916
Website www.unal.edu.co

Die Universidad Nacional de Colombia (deutsch: Nationale Universität von Kolumbien) ist die erste öffentliche und staatliche Universität Kolumbiens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hochschule wurde am 22. September 1867 mit sechs Studiengängen gegründet. Zwischen 1903 und 1940 wurden weitere 20 Studiengänge hinzugefügt. Im Dezember 1935 wurde per Gesetz die Gründung einer Universitätsstadt in Bogotá festgelegt, in der die verteilt untergebrachten Fakultäten zusammengeführt werden sollten. Für den damaligen kolumbianischen Präsidenten diente die Universidad Nacional Autónoma de México als Vorbild für den zukünftigen Universitätscampus in Bogota. Bei der Realisierung des Projekts spielten zwei deutsche Emigranten eine wichtige Rolle: der Architekt Leopold Rother und der Berliner Schulreformer Fritz Karsen.[1]

Fritz Karsen verfasste für das neue Universitätsprojekt

„„die Lehrpläne und schlug unter anderem die Schaffung von spezialisierten Klassenräumen vor. Statt der traditionellen Fakultäten sollten Abteilungen geplant werden, wodurch der wiederholte Bau von Laboren und Spezialklassenräumen vermieden werden konnte. Wie im Platoonsystem sind es die Studenten, die sich ständig zu den verschiedenen Abteilungen begeben,nicht die Lehrer. Um seine pädagogischen Reformen zu erklären, entwarf Karsen ein kreisförmiges Schema mit der Studienfachstruktur. Dieses kreisförmige Schema von Karsen war die Vorstufe zum kreisförmig gebildeten Campusschema und der Ursprung der nachfolgenden Vorschläge von Leopold Rother. Diesbezüglich schreibt Hans Rother folgendes: ‚Es war auch der Erzieher Fritz Karsen, der vorschlug, dass der zentrale Bereich kreisförmig sei, mit den Gebäuden rund um einen Park oder zentralen Platz angeordnet und von einer Hauptstraße für den Fahrzeugverkehr umgeben. Diese Idee wurde von Leopold Rother verwirklicht: eine ovale oder elliptische Anordnung, die heutzutage allen Einwohnern von Bogota bekannt ist. Rother legte auch fünf Grundbereiche für die Universität fest: Humanwissenschaften (Jura), Medizinwissenschaften, Chemie, Ingenieurwissenschaften und angewandte Kunst-und Wissenschaften (Architektur, Schöne Künste, Musik)‘.“[2]

Fritz Karsen knüpfte mit seinen Vorstellungen an das Projekt Dammwegschule an, das er in Berlin zusammen mit Bruno Taut geplant hatte, das aber Ende der 1920er Jahre nicht mehr realisiert werden konnte. Und so ist es auch kein Wunder, dass in den Planungen für den Universitätscampus noch in einem umfassenderen Sinn auf Bruno Taut zurückgegriffen wurde.

„Wie schon vorher erwähnt, war es Karsen, der eine Kreisform mit einem Freiraum in der Mitte vorschlug, und er stimmt somit mit Rother überein. Rother, mit seinen theoretischen Kenntnissen des Expressionismus und des modernen Städtebaus, entwickelte dieses Konzept weiter. Sowohl Karsen als auch Rother waren mit diesen Bewegungen vertraut. Karsen, der in Berlin mit Bruno Taut gearbeitet hatte, kannte selbstverständlich die Hufeisensiedlung, welche von Taut nach den Regeln der Gartenstadt entworfen wurde. Taut hatte ebenfalls 1912 den Auftrag bekommen, den Bebauungsplan der Gartenstadt Falkenberg auszuarbeiten. Das Konzept der Hufeisensiedlung, mit einem großräumigen Park in der Mitte, kann man gut mit der ursprünglichen Planung von Karsen für die Universitätsstadt vergleichen. Auch Rother hatte bereits Vorschläge für moderne Wohnsiedlungen gemacht, wie zum Beispiel beim Wettbewerb für den Entwurf einer Polizeiunterkunft in Essen im Jahr1929. Bei zwei der Variationen, die Rother für diesen Wettbewerb vorschlug, erstellte er ein Wohnsiedlungsschema in Form eines Hufeisens mit einem zentralen Freiraum, sehr ähnlich dem ein paar Jahre zuvor gebauten Projekt von Taut. In seinen Vorlesungen hebt Rother auch Wohnsiedlungsprojekte hervor, die die Dynamik des Expressionismus haben. Ein Beispiel hierfür ist die Berufs- und Fachschule in Berlin Charlottenburg von Hans Poelzig aus dem Jahre 1927, welche ein Vorbild für seine Schulstadt in Santa Marta war. Mit seinen Kenntnissen über die europäische Avantgarde und seinem Interesse am Expressionismus ist es nicht verwunderlich, dass Rother Karsens Idee eines kreisförmigen Vorentwurfes für den Campus in Bogota aufgriff und sie entwickelte.[3]

Die Realisierung der gemeinsamen Planungen oblag dann allerdings alleine Leopold Rother, da Fritz Karsen 1938 aus gesundheitlichen Gründen Kolumbien verließ und mit seiner Familie in die USA übersiedelte.

1967 wurden die ersten Master-Studiengänge angeboten; 1986 vergab die Universität ihre ersten Doktorgrade. Hauptsitz der Universidad Nacional de Colombia ist Bogotá; die Universität hat außerdem Einrichtungen in Medellín, Palmira, Manizales, Arauca, Leticia und San Andrés und Providencia. Der Campus der Universität in Bogotá wurde vom deutschen Architekten Leopold Rother entworfen. 11 Fakultäten gewährleisten den Lehrbetrieb des Zentralcampus. Hinzu kommen 7 interfakultative Einrichtungen und 7 Museen.

Seit 2012 steht die University City of Bogotá auf einer vorläufigen Liste zur Aufnahme als UNESCO-Welterbe.[4]

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Universität hat ihren Hauptsitz in Bogotá und weitere Campusareale in Medellín, Manizales, Leticia, Palmira, Tumaco, San Andrés und Arauca. Das Studienangebot umfasst Betriebswirtschaft, Anthropologie, Architektur, Geisteswissenschaften, Biowissenschaften, Politikwissenschaft, Physik, Industriedesign, Philologie (Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch), Rechnungswesen, Statistik, Mathematik, Literaturwissenschaft, Rechtswissenschaft, Grafikdesign, Filmkunst, Pharmazie, Philosophie, Psychologie, Geschichte, Geologie, Medizin, Ingenieurwissenschaften (Mechatronik, Elektronik, Chemie); Tiermedizin und Sozialarbeit.

Buchreihe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Universität publiziert in ihrem Verlag Unibiblos eine wichtige Buchreihe mit Beiträgen ihrer Mitglieder zu kulturellen und akademischen Themen. In den letzten 10 Jahren kamen 1500 Titel hinzu.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Universidad Nacional de Colombia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. In seiner im Internet zugänglichen Dissertation über Leopold Rother hat Ernesto Vendries Bray die Gründungsgeschichte des Universitätscampus (S. 181-204) und die Entstehung der ersten Institutsgebäude (S.205-258) ausführlich beschrieben.
  2. Ernesto Vendries Bray, Leopold Rother und die moderne Bewegung in Kolumbien, S. 188-189. Bei dem hier zitierten Hans Rother handelt es sich um den Sohn von Leopold Rother.
  3. Ernesto Vendries Bray, Leopold Rother und die moderne Bewegung in Kolumbien, S. 191
  4. University City of Bogotá