Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

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Universitäts- und Landesbibliothek Tirol Medienkompetent seit 1745

Gründung 22. Mai 1745
Bestand 4 Millionen Bände
Bibliothekstyp Universitäts- und Landesbibliothek
Ort Innsbruck
Besucheradresse Innrain 50, 6020 Innsbruck
ISIL AT-UBI-HB
Leitung Eva Ramminger
Website https://www.uibk.ac.at/ulb/

Die Universitäts- und Landesbibliothek für Tirol (ULB Tirol) ist das Informationszentrum an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Die öffentlich zugängliche Landesbibliothek ist die größte wissenschaftliche Bibliothek in Westösterreich.
Es werden gedruckte und elektronische Medien über ein Suchsysteme angeboten und die Nutzer beraten u. a. bei der Suche und Beschaffung von Literatur und Information. Es stehen über 1400 Lese- und Lernplätze zur Verfügung.

Bestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bestand der ULB Tirol umfasst ca. 4 Millionen Bände, u. a. alte Handschriften und Drucke, Monografien, Zeitschriften und Zeitungen sowie E-Journals, E-Zeitungen und E-Books.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ULB Tirol hat sieben Standorte im Innsbrucker Stadtgebiet sowie ein externes Magazin:

  • Hauptbibliothek (Campus Innrain)
  • Fakultätsbibliothek für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften / SoWi-Bibliothek (Campus Universitätsstraße)
  • Fachbibliothek Theologie (Campus Universitätsstraße)
  • Bibliothekszentrum West (Campus Technik)
  • Bibliothek Haus der Musik Innsbruck (Universitätsstraße 1)
  • Fachbibliothek Atrium (Zentrum für Alte Kulturen)
  • Fachbibliothek Recht (Campus Innrain)

Historische Bestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die handschriftlichen und gedruckten Bestände vor 1800, darunter beispielsweise 1067 Handschriften und 2122 Inkunabeln, werden in einem eigenen Bereich betreut. Die älteste Handschrift ist das Innicher Evangeliar von um 900, die Oswalds von Wolkenstein Liederhandschrift B (1432). 2005 wurde ein Pergamentcodex von um 1300 entdeckt, der rund 200 Abschriften von Briefen und Mandaten des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II., seines Sohnes Konrad IV. und anderer Persönlichkeiten des 13. Jahrhunderts enthält.[1]

Literarisches Gedächtnis – Sondersammelgebiet Tirolensien

Als Landesbibliothek und Pflichtexemplarstelle für tirolische Publikationen sammelt die ULB Literatur aus und über Tirol, die sogenannten Tirolensien. Der geographische Rahmen umfasst Tirol in seinen Grenzen vor 1918, mit Südtirol und dem Trentino. In Kooperation mit dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Universität Innsbruck wird seit Anfang 2020 dem umfangreichen schriftstellerischen Wirken im Lesesaal der Hauptbibliothek/Neubau gezeigt auf einem Wand-Lexikon unter dem Motto „100 Jahre Tiroler Literatur“ mit 750 Autoren aus Tirol.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Mai 1745 wurde die Universitätsbibliothek Innsbruck durch einen Erlass von Maria Theresia gegründet. Als „Bibliotheca publica“ versorgte sie nicht nur Universitätsangehörige mit Literatur, sondern war bereits damals öffentlich zugänglich. Anton Roschmann (1694–1760), der erste Bibliothekar, hatte jahrelang um die neue Bibliothek gerungen. Die Universität Innsbruck, bereits 1669 durch Kaiser Leopold I. gegründet, war zuvor schwach mit Büchern ausgestattet gewesen. Daher setzte sich Roschmann dafür ein, dass einer neuen Bibliothek die Bestände des Schloss Ambras und der Innsbrucker Hofburg überschrieben werden sollten. Die feierliche Eröffnung der Bibliothek fand schließlich am 2. Juli 1745 statt. Die systematische Aufstellung und Katalogisierung fand zwischen 1784 und 1789 unter dem Direktor Johann Baptist Primisser statt.

1924 übersiedelte die Bibliothek von der Universitätsstraße in den Neubau am Innrain, in dem bis heute die Hauptbibliothek untergebracht ist und der von 1964 bis 1967 baulich erweitert wurde. Durch die Gründung der Baufakultätsbibliothek 1969 begann eine Dezentralisierung. Weitere Fach- und Fakultätsbibliotheken folgten. Durch das „Universitätsorganisationsgesetzes 1975“ wurde festgelegt, dass sämtliche an der Universität vorhandene Literatur den Gesamtbestand der Universitätsbibliothek bildet und dass Fach- und Fakultätsbibliotheken Abteilungen der Universitätsbibliothek sind. Im Zuge der Neuaufstellungen der Universitäts- und Landesbibliothek und des Neubaus eines Lesesaals wurde ein Großteil der Fach- und Fakultätsbibliotheken in den Bestand der Universitätsbibliothek integriert und weitgehend von Präsenzbibliotheken in Magazinbestände umgestellt, was gerade bei den betroffenen Wissenschaftlern zum Teil auf harsche Kritik stieß.

Seit einer Kooperationsvereinbarung zwischen Tirol und der Leopold-Franzens-Universität von 2007 führt die Landesbibliothek den Namen ULB.
Tirolweit gibt es ca. 200 öffentliche Büchereien mit jährlich rund 91.200 Nutzenden und 1200 ehrenamtlichen Mitarbeitenden.[2] Sie werden fachlich von der ULB Tirol betreut. Es wird die Tiroler Fachzeitschrift Lesezeichen herausgegeben.

Direktorinnen und Direktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1745–1760: Anton Roschmann
  • 1760–1779: Johann Baptist Gasser
  • 1779–1783: Karl Schwarzl
  • 1784–1789: Johann Baptist Primisser
  • 1789–1806: Martin Johann Wikosch
  • 1806–1822: Johann Anton Bertholdi
  • 1822–1828: Johann Albertini
  • 1828–1832: Johann Friese
  • 1832–1857: Martin Scherer
  • 1858–1859: Ignaz Vinzenz Zingerle
  • 1859–1866: Eduard Kögeler
  • 1868–1874: Friedrich Leithe
  • 1874–1881: Adalbert Jeitteles
  • 1882–1903: Ludwig Hörmann von Hörbach
  • 1903–1911: Anton Hittmair
  • 1911–1922: Ludwig Sprung
  • 1923–1933: Heinrich Pogatscher
  • 1933–1950: Rudolf Flatscher
  • 1951–1966: Josef Hofinger
  • 1967–1990: Oswald Stranzinger
  • 1991–1998: Walter Neuhauser
  • 1999–2014: Martin Wieser
  • 2014–2015: Elisabeth Frasnelli
  • seit 2016: Eva Ramminger

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Hittmair: Geschichte der k. k. Universitätsbibliothek Innsbruck. In: Zeitschrift des Ferdinandeums. NF 54 (1910), S. 1–164.
  • Josef Hofinger: Der Erweiterungsbau der Universitätsbibliothek Innsbruck 1964–1967. In: Biblos 19 (1970), S. 180–183.
  • Dietmar Schuler: Die Universitätsbibliothek Innsbruck und ihr Personal im Jahrzehnt vor 1914. Innsbruck, 1988.
  • Walter Neuhauser / Eva Ramminger / Sieglinde Sepp (Hrsg.): Vom Codex zum Computer. 250 Jahre Universitätsbibliothek Innsbruck. Innsbruck 1995.
  • Heinz Hauffe: Chronik der Universitätsbibliothek Innsbruck 1991–1998. In: Heinz Hauffe / Eva Ramminger / Maria Seißl / Sieglinde Sepp (Hrsg.): Kulturerbe und Bibliotheksmanagement. Festschrift für Walter Neuhauser zum 65. Geburtstag. Innsbruck 1998 (Biblos-Schriften 170), S. 23–36.
  • Ursula Partoll: „Ex dono P. Georgij Kern, Collegij Societatis Jesu Oenipontani 1616“. Die Bücherschenkung von Pater Georg Kern SJ an das Innsbrucker Jesuitenkolleg in der Universitätsbibliothek Innsbruck. In: Tiroler Heimatblätter 74. 1999.
  • Mairhofer, Daniela / Neuhauser, Walter / Rossini, Michaela / Schretter, Claudia: Schreiber, Schriften, Miniaturen. Mittelalterliche Buchschätze aus Tirol. Tyrolia, Innsbruck 2006. (Tiroler Kulturgüter) ISBN 3-7022-2719-9
  • Projekt: ULB – Universitäts- und Landesbibliothek Tirol, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck: Architektur, Kunst & Bau. Universitäts- und Landesbibliothek Tirol, Innsbruck Bundesimmobiliengesellschaft, Wien; Wien 2009
  • Niedermair, Klaus; Schuler Dietmar (Hrsg.): Die Bibliothek in der Zukunft. Innsbruck: innsbruck university press, 2015
  • Christian Kössler: Die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol – Fundus der Kostbarkeiten in Literaturen. In: Kulturberichte aus Tirol und Südtirol, Innsbruck 2016, S. 132–133.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Universitäts- und Landesbibliothek Tirol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Monika Schneider: Bestand & Ausstattung. Abgerufen am 3. März 2017.
  2. Büchereilandkarte. Abgerufen am 3. März 2017.

Koordinaten: 47° 15′ 49″ N, 11° 23′ 8″ O