Unterrichtsgespräch

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Ein Unterrichtsgespräch ist eine Lehrform, in der eine Schulklasse im Gespräch ein Problem oder eine gestellte Aufgabe versucht zu lösen. Die Lehrkraft übernimmt in einem Unterrichtsgespräch eher dirigierende Aufgaben in der Kommunikation. Sie regt Beiträge an und lenkt das Gespräch.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterschieden werden in genaueren Analysen ohne scharfe Trennung:

  • die Debatte, das Streitgespräch, die Diskussion: relativ freie Erörterung eines Problems unter Beachtung von Kommunikationsregeln,
  • das freie Unterrichtsgespräch (auch Schülergespräch): Lehrer hält sich weitgehend nach dem Anfangsimpuls zurück und vertraut auf die Fortführung durch die Schüler selbst, die sich einander zuwenden,
  • das gelenkte Unterrichtsgespräch (Lehrgespräch): Lehrer gibt Inhalt und Ziel vor und regt Schüler zu passenden Antworten an,
  • das fragend-entwickelnde Unterrichtsgespräch: Lehrer entwickelt mit Geschick das Problem aus Sicht und teilweise in der Sprache der Schüler unter Nutzung ihres Vorwissens,
  • das sokratische Gespräch (mäeutisches Gespräch): Lehrer stellt die Fragen so, dass die Schüler von selbst auf die Lösung kommen, die aber vom Lehrer genau vorhergesehen wird, sowie
  • das Prüfungsgespräch: Gespräch zur Leistungskontrolle, teilweise als Katechese.

Schüler sollen zu längeren Beiträgen ermutigt werden, auch wenn diese noch nicht die vollständige Lösung des gestellten Problems beinhalten oder auf falschen Annahmen beruhen. Durch das Gespräch kann der Lehrer sich ein Bild von der Klasse machen, ein Feedback über ihr Wissen erhalten und zur Übung übergehen.

Eine negative Leistung ist das „Lehrerecho“, bei dem der Lehrer den Schülerbeitrag unverändert wiederholt, teilweise auch um über seine Lautstärke allgemeine Verständlichkeit herzustellen.

Die Schulung einer Gesprächskultur kann als Förderung der Demokratieerziehung gesehen werden, weil der mündige Bürger zu Beiträgen in der politischen Debatte fähig sein sollte.

Häufig wird kritisiert, dass das „gelenkte Unterrichtsgespräch“ die häufigste Form des Schulunterrichts sei, obwohl es die Schüler nicht zum selbständigen Arbeiten und Denken freistellt.

Der Reformpädagoge Willy Potthoff wies auf die Probleme hin, die sich aus der Divergenz zwischen dem gemeinsamen Gedankengang der Schulklasse und den individuellen Lernprozessen der einzelnen Schüler beim Unterrichtsgespräch ergeben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stefan Bittner: Das Unterrichtsgespräch. Formen und Verfahren des dialogischen Lehrens und Lernens. 2006. ISBN 3781514706
  • Hilbert Meyer: Unterrichtsmethoden II: Praxisband. Cornelsen, Berlin 1987 (viele Auflagen)
  • Willy Potthoff: Das Unterrichtsgespräch als Lernform. In: Unterricht heute, 21. Jahrgang Heft 6 (Juni 1970), S. 259–264

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]