Usman dan Fodio

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Usman dan Fodio bzw. ʿUthmān ibn Fūdī (arabisch عثمان بن فودي, DMG ʿUṯmān ibn Fūdī) (* 1754 in Maratta, Nigeria; † 1817 in Sokoto) war ein militärischer und religiöser Anführer der Qadiriyya-Tariqa aus dem Volk der Fulbe und Begründer des Kalifats von Sokoto. Er ist in Westafrika allgemein als der Shehu bekannt, ein Titel, der von dem arabischen Begriff Scheich abgeleitet ist.

Usman dan Fodio stammte aus dem Torodi-Clan der Fulani und war ein direkter Nachkomme von Mūsā Dschukulla, der im 16. Jahrhundert die Torodi aus dem Gebiet des Futa Toro im Senegal westwärts in das Gebiet von Birni-N’Konni geführt hatte.[1] Nachdem er zwei Jahre bei seinem Onkel ʿUthmān Bindūrī studiert hatte, schloss er sich dem sudanischen Gelehrten Dschibrīl ibn ʿUmar an.[2] Im Jahre 1188 d.H. (1774/5 n. Chr.) begann er "die Menschen zur Religion zu rufen".[3] 1786 folgte ein weiterer Besuch zusammen mit seinem zwölf Jahre jüngeren Bruder Abdullahi dan Fodio bei Scheich Dschibrīl ibn ʿUmar in Kude.

Im Jahre 1794 hatte Usman eine Vision, bei der ihm der Prophet Mohammed und der Heilige ʿAbd al-Qādir al-Dschīlānī erschienen und das „Schwert der Wahrheit“ verliehen. Zunächst trat er als religiöser Reformer auf, der die volkstümlichen Vorstellungen aus dem islamischen Glauben seines Volkes tilgen wollte. 1804 rief er einen Dschihad aus, als dessen Anführer er im gleichen Jahr ein Heer der Haussa schlug. In den folgenden Jahren eroberte Usman die meisten der Haussa-Staaten und schuf ein Fulbe-Reich in Nordnigeria, das auch unter dem Namen Sokoto-Kalifat bekannt wurde. Als Herrschaftssitz wählte er die Stadt Kano. Als Teil seines Dschihad beauftragte er 1806 seinen Schüler Modibo Adama mit Eroberungen; Adama gründete das Emirat Adamaua und blieb gegenüber Usman als Oberherrscher loyal. 1808 und 1810 erlitt Usman Niederlagen gegen die Reiche Bornu und Kanem.

Nach Usmans Tod wurde sein Reich in zwei Hälften aufgeteilt. Nomineller Herrscher über beide Teile wurde sein Sohn Mohammed Bello. Seine Tochter Nana Asma’u war eine bedeutende Dichterin und Vorkämpferin der Frauenbildung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • ʿAbdallāh ibn Muḥammad: Tazyīn al-waraqāt. Edited with a translation and introductory study by M. Hiskett. Ibadan University Press, Hertford, 1963.
  • F. H. El-Masri: "The Life of Shehu Usuman dan Fodio before the Jihād" in Journal of the Historical Society of Nigeria 2 (1963) 435-448. Hier S. 437-439.
  • Leonhard Harding: Jihad und Aufbruch in eine neue Zeit. Uthman dan Fodio und die Zeitenwende am Anfang des 19. Jahrhunderts. In: Sven Sellmer, Horst Brinkhaus (Hrsg.): Zeitenwenden. Historische Brüche in asiatischen und afrikanischen Gesellschaften. EB-Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-930826-64-X (Asien und Afrika. Band 4), S. 15–37.
  • Mervyn Hiskett: The Sword of Truth. The Life and Times of the Shehu Usuman dan Fodio. Oxford University Press, New York u.a. 1973, ISBN 0-19501-647-5.
  • Omar Kane: Othman Dan Fodio. Fondateur de l'empire de Sokoto. ABC, Paris u.a. 1976, ISBN 2-85809-047-5.
  • D.M. Last Art. "ʿUthmān b. Fūdī" in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. X, S. 949b-951a.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Hiskett in seiner Einleitung zu ʿAbdallāh ibn Muḥammad: Tazyīn al-waraqāt. 1963. S. 5.
  2. Vgl. El-Masri: "The Life of Shehu Usuman dan Fodio before the Jihād". 1963, S. 437.
  3. Vgl. ʿAbdallāh ibn Muḥammad: Tazyīn al-waraqāt. 1963. S. 85.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]