Ute Baur-Timmerbrink

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Ute Baur-Timmerbrink 2010

Ute Baur-Timmerbrink (* 15. November 1946 in Vöcklabruck, Oberösterreich) ist eine deutsche Autorin, Bloggerin und Wegweiserin für Besatzungskinder.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Jahr nach der Geburt von Ute Baur-Timmerbrink wurde ihre mit einem Wehrmachtssoldaten verheiratete deutsche Mutter im Herbst 1947 aus dem besetzten Nachkriegsösterreich ausgewiesen und übersiedelte nach Bochum in Nordrhein-Westfalen. Erst ihre Mutter mit der zeitlebens geschwisterlos bleibenden Tochter, 1948 nach Kriegsgefangenschaft der in ihrer Geburtsurkunde vermerkte falsche Vater.

„Meine Eltern haben bis zu ihrem Tod mit mir nicht über meine wahre Herkunft gesprochen.“[1]

Nach Schule und Berufsausbildung zur Arzthelferin zog Ute Baur-Timmerbrink 1967 nach Stuttgart, heiratete und bekam zwei Söhne. Seit 1996 lebt sie in zweiter Ehe mit dem Juristen und Rechtsanwalt Matthias Timmerbrink in Berlin.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Alter von 52 Jahren erfuhr Ute Baur-Timmerbrink, dass ihr Vater ein US-amerikanischer Besatzungssoldat war, und begann, nach ihm zu suchen. Der Zugang zu den staatlichen und militärischen Archiven und das Auffinden von Originaldokumenten erwiesen sich als außerordentlich zeitraubend, langwierig und kompliziert. Anders als bei vielen anderen der allein für Westdeutschland geschätzten 250.000 Besatzungskinder war die Suche erfolgreich. Ihr Vater war der 2002 im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit verstorbene James G.

„In seinem Nachruf las ich, dass er zwei Mal verheiratet war, keine Kinder hatte und ein hochgeschätzter Anwalt war. Weiter, dass er in verschiedenen Hilfsorganisationen wie zum Beispiel Amnesty International engagiert war und Dekan einer Baptistenkirche.“[2]

Seit Baur-Timmerbrink ihren Vater in den USA gefunden hat, nutzt sie die bei der Suche gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse, um andere Besatzungskinder bei der Suche nach ihren Vätern ehrenamtlich zu begleiten und mit Rat und Tat zu unterstützen. Im Rahmen der gemeinnützigen britischen Organisation GI Transatlantic Children's Enterprise (GI-TRACE)[3] hat sie bisher weit über 200 Frauen und Männern ermöglicht, ihre Väter zu finden.

Das Engagement von Ute Baur-Timmerbrink als Wegweiserin ist für die zahlreichen Besatzungskinder in Deutschland und Österreich, die bis in die heutige Zeit hinein auf der Suche nach ihren leiblichen Vätern sind, hilfreich und ermutigend.[4] Ihre einschlägige Publikation, ihre Vorträge[5] und Veranstaltungen[6] halten in Deutschland[7] und europaweit[8] die Erinnerung an die nicht allzu selten unbeachtet gelassenen Besatzungskinder wach.

Und weiterhin befruchten ihre Lebenserfahrungen und ihr Engagement zugleich die Arbeit von Soziologen, Psychologen, Erziehungswissenschaftlern und Historikern, die ihre Expertise bei dem Studium dieses Forschungsfeldes schätzen[9] und zu nutzen wissen.[10]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wir Besatzungskinder: Töchter und Söhne alliierter Soldaten erzählen. Ch. Links Verlag, Berlin 2015. ISBN 978-3861538196
  • „Das solltest du nie erfahren“. Verschwiegene Eltern. In: Barbara Stelzl-Marx, Silke Satjukow (Hrsg.): Besatzungskinder. Die Nachkommen alliierter Soldaten in Österreich und Deutschland. Böhlau, Wien 2015, S. 446–452. ISBN 978-3-205-79657-2
  • Mi djeca okupacije. Pripovijesti kcerki i sinova Saveznickih vojnika. TPO Fondacija, Sarajevo 2016. ISBN 978-9958-0386-9-3

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ute Baur-Timmerbrink: Wir Besatzungskinder: Töchter und Söhne alliierter Soldaten erzählen. Ch. Links Verlag, Berlin 2015, S. 18.
  2. Ute Baur-Timmerbrink: Wir Besatzungskinder: Töchter und Söhne alliierter Soldaten erzählen. Ch. Links Verlag, Berlin 2015, S. 23–24.
  3. GI Transatlantic Children‘s Enterprise (GI-TRACE)
  4. Christoph Stollowsky: Folgen der Besatzung. Die heimlichen Kinder der Sieger. In: Der Tagesspiegel, 22. Oktober 2017.
  5. Vortragsreihe BürgerUniversität Coesfeld
  6. Video sa promocije knjige: MI DJECA OKUPACIJE
  7. Sie wollen endlich wissen, wer ihr Vater war.
  8. Lesung Ute Baur-Timmerbrink
  9. Sabine Lee: Children Born of War in the Twentieth Century. Manchester University Press, Manchester 2017, p vii. ISBN 978-1-5261-0458-8
  10. Bundesverdienstkreuz für Ute Baur-Timmerbrink.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]