Väteraufbruch für Kinder

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Väteraufbruch für Kinder e.V. (kurz: Väteraufbruch oder VafK) ist ein deutscher Verein, der teils als Selbsthilfegruppe, teils als politischer Verein und Interessenvertretung im Bereich der Väter- und Männerrechtsbewegung[1][2][3] die Rechte von Männern stärken will und den Wert des Vaters betont.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein wurde 1988 gegründet.[4][5][6] Er zählt mit etwa 50 im Bundesgebiet verteilten Gruppen und Kontaktstellen zu den größten Väterinitiativen in Deutschland.[6] Nach eigenen Angaben hat der Verein über 3000 Mitglieder, davon zehn Prozent Frauen, die sich in rund 90 regionalen Gruppen engagieren.[7] Er ist als gemeinnützig anerkannt, sein Sitz ist Frankfurt am Main.

Tätigkeit und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Bundesebene beschäftigt sich der Verein hauptsächlich mit Öffentlichkeitsarbeit in Form von Petitionen, offenen Briefen, Kontaktaufnahme zu den Medien, Teilnahme an Talkshows und Fernsehdokumentationen und Verhandlungen mit Parteien und Verbänden. Der Verein ist Mitglied im Bundesforum Männer.[8] Auf Landesebene gibt es Zusammenschlüsse, um die Politik der Bundesländer besser zu beeinflussen. Darüber hinaus hält der Verein seine Versammlungen ab, betreut seine Homepage und vernetzt die verschiedenen Diskussionsgruppen über das Internet.[6]

Familienrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der VafK sieht Männer als Opfer von Trennung und Scheidung und vertritt die Ansicht, dass die bestehende Rechtspraxis der Gerichte Frauen und Mütter bevorzuge und Männer und Väter diskriminiere. Nach Darstellung des Vereins müssen die Rechte von Männern und Vätern gegenüber Frauen und Müttern sowie gegen einen angeblich Frauen privilegierenden Staat durchgesetzt werden.[9]

Der VafK setzt sich nach eigenen Angaben für eine gemeinsame Betreuung von Kindern nach einer Trennung oder Scheidung ein. Er fordert die vollständige Umsetzung einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in nationales Recht, nach welcher unverheiratete Eltern beide automatisch das gemeinsame Sorgerecht von Geburt an bekommen.[10][11] Gefordert werden ferner die Abschaffung oder radikale Beschränkung des Erwachsenenunterhalts sowie eine Einschränkung des Kindesunterhalts in Abhängigkeit vom Umfang der vom Vater geleisteten Betreuung.[9] Der VafK engagiert sich nach eigenen Angaben für Kinder, die von ihren Vätern getrennt leben, weil ihre Mütter den Umgang zu den Vätern verweigerten. Dementsprechend enthält die Internetseite des Vereins viele Informationen zum „Parental Alienation Syndrome“ (PAS). Informationsmaterial zu Richard A. Gardner, der das Syndrom erstmals postuliert hat, und seinen deutschsprachigen Vertretern stellt der Verein auch auf seiner Internetseite zur Verfügung. Ein regionaler Verband des VafK organisierte 2002 einen internationalen Kongress zum PAS.[1][12]

Der VafK sieht im Fall Görgülü die ganze Problematik des derzeit bestehenden Umgangsrechts für Väter, die von ihren Kindern getrennt leben müssen, exemplarisch verdeutlicht und hat deshalb diesen Fall öffentlich gemacht.[13][14][15]

Vaterschaftstests[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der VafK nahm Stellung zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 13. Februar 2007, welches heimliche Vaterschaftstests für verfassungswidrig erklärte und zum Gesetz zur Klärung der Vaterschaft unabhängig vom Anfechtungsverfahren.[16] Der Verein wolle trotz des Urteils für „selbstbestimmte“ Vaterschaftstests eintreten, weil diese „vorerst nicht unter Strafe gestellt“ seien.[17] Der Verein argumentierte, dass die Kenntnis der eigenen Abstammung eine hohe psychologische und existenzielle Bedeutung für das Kind habe und bewertete es als „schwere Bürde“, den Vater nicht zu kennen, die medizinischen Beeinträchtigungen beim Kind verursache. Außerdem sei das Kind statistisch eher in Gefahr, von einem Partner der Mutter, der nicht der leibliche Vater des Kindes ist, getötet zu werden, als vom leiblichen Vater.[18][19] Der Verein nannte die beiden Ausnahmesituationen Tötung und Organtransplantation als Begründung für das postulierte Interesse des Kindes an der Abstammung. Darüber hinaus könne es zwar gute Beziehungen zwischen nicht leiblichen Ersatzvätern und den Kindern geben, im Kindeswohl sei (der BGH bestätigt dies) laut dem VafK jedoch stets das Interesse, die rechtliche Beziehung zum tatsächlichen Vater zu behalten bzw., wenn diese noch nicht eingetreten ist, herzustellen.[16] Die Mutter befinde sich laut dem VafK in einem potentiellen Interessenkonflikt, da sie ihre eigenen Interessen mit dem Kindeswohl verwechseln könne. Dies könne auf Väter genauso zutreffen. Hinsichtlich des moralischen Status von Frauen geht der Verein davon aus, dass die unverheiratete schwangere Frau, die „zwischen mehreren ihr gleich nah oder gleich ferne stehenden Männern wählen kann“, sich den als Vater aussuche, der ihren Vorstellungen von Elternschaft entspreche. Das Recht eines Elternteiles auf Wahrung seiner Intimsphäre sei laut VafK gegenüber dem Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung zu vernachlässigen.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jörg Fichtner: Unter falscher Flagge. Die ganz neue Väterlichkeit durch Mutterdenunziation. In: Andrea Geier, Ursula Kocher (Hrsg.): Wider die Frau: zu Geschichte und Funktion misogyner Rede. Böhlau, Köln 2008, ISBN 978-3-412-15304-5, S. 223.
  2. Jörg Rupp: Der frühe Maskulismus im Internet. In: Andreas Kemper (Hrsg.): Die Maskulisten. Unrast Verlag, Münster 2012, ISBN 978-3-89771-523-3, S. 18–27.
  3. Sabina Schutter: „Richtige“ Kinder. Von heimlichen und folgenlosen Vaterschaftstests. Springer VS, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-92867-8, S. 24.
  4. Eva Marie von Münch: Starre Fronten: Väter wollen Rechte, aber keine Pflichten. In: Zeit Online vom 18. November 1988.
  5. Dag Schölper: Zivilgesellschaftliche Männerpolitik in Deutschland. In: Markus Theunert (Hrsg.): Männerpolitik. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2012, S. 368. doi:10.1007/978-3-531-19041-9 15.
  6. a b c Anja Wolde: Väterinitiativen: ein neues soziales Phänomen. In: Väter im Aufbruch? Deutungsmuster von Väterlichkeit und Männlichkeit im Kontext von Väterinitiativen. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, ISBN 978-3-531-90638-6, S. 53–66. doi:10.1007/978-3-531-90638-6 3
  7. Verein „Väteraufbruch für Kinder“: „Ein Kind braucht beide Eltern gleichermaßen“, Nordkurier am 17. August 2012
  8. website des Bundesforums Männer (abgerufen am 23. Mai 2014)
  9. a b Kirsten Scheiwe, Maria Wersig: Cash Und Care – Kindesunterhaltsrecht Und Geschlechter(un)gleichheit. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-89971-838-6, S. 103.
  10. Christina Bylow: Familienstand: Alleinerziehend: Plädoyer für eine starke Lebensform. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2011, ISBN 978-3-579-06751-3, S. 95.
  11. Tina Groll: Auch für “Männer sind Beruf und Kinder schwer vereinbar”. Zeit Online, 25. März 2010, abgerufen im 30. Mai 2010.
  12. Barbara Schwarz: Die Verteilung der elterlichen Sorge aus erziehungswissenschaftlicher und juristischer Sicht. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-92691-9, S. 238 f.
  13. Der Fall Görgülü in der Mitteldeutschen Zeitung
  14. taz
  15. Spiegel online
  16. a b Sabina Schutter: Das Kind als Faustpfand. In: „Richtige“ Kinder: Von heimlichen und folgenlosen Vaterschaftstests. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-92867-8, S. 119–132. doi:10.1007/978-3-531-92867-8 8
  17. Abstammungstest: Väter-Verein lässt sich nicht beirren. In: Der Focus, 17. Februar 2007.
  18. a b Sabina Schutter: Mütter zwischen Fürsorge und Fremdgehen. In: „Richtige“ Kinder: Von heimlichen und folgenlosen Vaterschaftstests. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-92867-8, S. 133–139. doi:10.1007/978-3-531-92867-8 9
  19. Promotionskolleg Kinder und Kindheiten im Spannungsfeld gesellschaftlicher Modernisierung (Hrsg.): Kindheitsbilder und die Akteure generationaler Arrangements. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-17691-8, S. 67.