Verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie

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Die Verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie (engl. Behavioral Finance) ist ein Untergebiet der Verhaltensökonomik und somit ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften. Sie beschäftigt sich mit der Psychologie der Kapitalanleger und versucht aufzuzeigen, wie Anlageentscheidungen am Finanz- und Kapitalmarkt tatsächlich zustande kommen. Die Verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie geht davon aus, dass Menschen irrational handeln und deshalb häufig fehlerhafte Entscheidungen treffen. Diese These widerspricht der in vielen wirtschaftswissenschaftlichen Büchern postulierten Annahme des Homo oeconomicus, nach welcher Anleger stets rational und effizient (Markteffizienzhypothese) handeln.[1][2]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie viele andere Erkenntnisse aus der Finanzbranche hat auch die Verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie ihre Ursprünge in den USA. Das noch junge Forschungsgebiet wurde Mitte der 80er Jahre entdeckt und erfreut sich seitdem immer größerer Beliebtheit. Seit einigen Jahren findet die Theorie auch in Europa immer mehr Anhänger. Zudem nutzen immer mehr Fonds die Erkenntnisse der Verhaltensorientierten Finanzmarkttheorie für ihre Anlagestrategien.[1]

Richard Thaler

Neben weiteren Beiträgern wurde die Verhaltensorientierte Finanzmarkttheorie maßgeblich von drei Experten geprägt.

Die Psychologen Daniel Kahneman und Amos Tversky gelten als Väter der Verhaltensorientierten Finanzmarkttheorie. Seit ihrer ersten Zusammenarbeit in den späten 60er Jahren hat das Forschungsduo über 200 Beiträge zum Thema veröffentlicht. Dabei haben Kahneman und Tversky ihre Forschung hauptsächlich auf die Erkenntnisse der kognitiven Verzerrung und der Heuristik ausgelegt, welche Menschen zu irrationalem Verhalten verleiten. Im Jahr 2002 erhielt Daniel Kahneman den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften für seine Beiträge zur Studie von "rationality in economics".[3]

Während Daniel Kahneman und Amos Tversky das Psychologie-theoretische Fundament lieferten, erarbeitete Richard Thaler darauf aufbauend die eigentliche Verhaltensorientierten Finanzmarkttheorie. Ausgehend von oft irrationalen Verhaltensmustern der Menschen legte Thaler Schwächen in konventionellen, auf den Annahmen des Homo oeconomicus basierenden Wirtschaftstheorien offen. Kahnemans und Tverskys Erkenntnisse aus der Psychologie und Thalers Wirtschaftsverständnis bilden die Grundlage für das Verständnis vieler Kapitalmarktanomalien. 2017 erhielt Richard Thaler, der „Brückenbauer zwischen Ökonomie und Psychologie“ den Nobelpreis für seine Beiträge zur Verhaltensorientierten Finanzmarkttheorie.[3][4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH: Behavioral Finance: Definition. 7. März 2001, abgerufen am 4. November 2017.
  2. boerse.ARD.de: Definition: Behavioral Finance | Börsenwissen | boerse.ARD.de. Abgerufen am 4. November 2017.
  3. a b Behavioral Finance: Background. In: Investopedia. 4. Februar 2007 (investopedia.com [abgerufen am 4. November 2017]).
  4. tagesschau.de: Wirtschaftsnobelpreis: Thaler, der Mann für "praktische Lebenshilfe". Abgerufen am 4. November 2017 (deutsch).