Vincenzo Cartari

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Titelblatt von Le vere e nove imagini, 1615

Vincenzo Cartari (* 1531 ? in Reggio nell’Emilia; † 1569) ist ein italienischer Mythograph und Diplomat der Renaissance.

Cartari war Jean Seznec zufolge wohl ein Protegé der Herzöge von Ferrara. In seinem Werk Imagini colla sposizione degli dei degli antichi („Bilder mit Darstellung der Götter der Alten“) von 1556 nennt er als eine seiner Quellen Lilio Gregorio Giraldis Werk De deis gentium varia et multiplex historia, das im Jahr 1548 veröffentlicht worden war. Trotz des Erfolgs dieses Vorgängers wurde Cartaris Werk aufgrund seiner lebendigen Holzschnittdarstellungen der antiken Götter, die von einem gewissen Bolognino Zaltieri stammen sollen, ebenfalls populär. Es legt den Schwerpunkt auf die Ikonographie der Götter und erklärt ihre Kleidung, ihre Haltungen und Attribute. Giovanni Paolo Lomazzo sollte dieses Werk seinerseits verwenden. Der Antiquar und Philologe Lorenzo Pignoria fügte dem Werk in den Auflagen ab 1615 Anmerkungen und Ergänzungen hinzu und bemerkenswerterweise einen zweiten Teil mit Bildern der Götter der Indianer (Seconda Parte delle Imagini de gli Dei Indiani), eine kurze Reihe von Bildern mexikanischer und japanischer Gottheiten. Joachim von Sandrart nimmt in seiner Teutschen Academie Bezug auf Cartaris Werk, das er im Jahr 1680 in einer Übersetzung herausgibt, die überraschenderweise mit neuen Illustrationen versehen ist.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Imagini colla sposizione degli dei degli antichi, Venedig 1556, 3. Aufl. 1571 (mit Illustrationen);
    • ab 1615 mit Anmerkungen und Seconda Parte delle Imagini de gli Dei Indiani von Lorenzo Pignoria;
    • Nachdruck der Ausgabe von 1647 durch Editrice Luna, Mailand 2004;
    • Zeitgenössische Übersetzung ins Deutsche: Joachim von Sandrart, Iconologia deorum, oder Abbildung der Götter, welche von den Alten verehret worden, Nürnberg: Christian Siegmund Froberger 1680;
    • Kritische Ausgabe von G. Auzzas u. a., 1996

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jane Turner (Hrsg.): The Dictionary of Art, Index London/New York 1996, Bd. V, S. 887f.
  • John Mulryan: Translations and Adaptations of Vincenzo Cartari’s Imagini and Natale Conti’s Mythologiae: The Mythographic Tradition in the Renaissance, in: Canadian Review of Comparative Literature 1981, 272-83 [1] (PDF)
  • M. Palma: Cartari, Vincenzo. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 20 (Carducci–Carusi), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1977.
  • Anna Schreurs: Die Götterbilder des Vincenzo Cartari in der Darstellung von Joachim von Sandrart, in: Hartmut Böhme / Christoph Rapp / Wolfgang Rösler (Hrsgg.): Übersetzung und Transformation, Akten der Jahrestagung des SFB 644 »Transformation der Antike« an der Humboldt-Universität Berlin, Dezember 2005, Berlin 2007, S. 475–523 Google-Bücher
  • Jean Seznec: La survivance des dieux antiques. Essai sur le rôle de la tradition mythologique dans l’humanisme et dans l’art de la Renaissance (Studies of the Warburg Institute, 11), London: The Warburg Institute 1940; 2. Auflage Paris: Flammarion 1980, Nachdruck 1993 (deutsch: Das Fortleben der antiken Götter. Die mythologische Tradition im Humanismus und in der Kunst der Renaissance, übersetzt von H. Jatho, 1990)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vincenzo Cartari – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Giornale Nuovo, Eintrag vom 27. Dezember 2005 [2]
  • Eintrag in sandrart.net [3]