Vintage (Stilrichtung)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Vintage-Gebrauchsgegenstände

Das Vintage (vom engl. „altmodisch“, „alt“, „klassisch“, „aus einer bestimmten Zeit“) bezeichnet bei Kleidung, Möbeln, Musikinstrumenten, Schmuck, Accessoires, Bildern, Fahrzeugen oder anderen Gebrauchsgegenständen, dass sie in der Regel gebraucht und meist schon mehrere Jahrzehnte alt wieder dem ihrer Funktion entsprechenden Gebrauch zugeführt werden. Das sind beispielsweise Kleidungsstücke von älteren Damen, die auf Flohmärkten, Second-Hand-[1] und Onlineshops[2] vermarktet werden. Bei entsprechendem historischen Hintergrund werden auf Auktionen zum Teil hohe Summen für solche Stücke bezahlt.[3]

Daraus entwickelte sich Anfang des 21. Jahrhunderts ein Vintage-Stil oder Vintage-Look genannter Modestil, der nebst Bekleidung auch viele Gebrauchsgegenstände wie Möbel, Lampen, Uhren, Musikinstrumente usw. umfasst. Dafür entwickelten sich eigene Herstellungsmethoden, die bewirken, dass neben dem historischen Design oft auch deutliche Gebrauchsspuren künstlich aufgebracht werden, welche ein Erscheinungsbild bezwecken, das so wirkt, als sei der Gegenstand zum Beispiel auf dem Flohmarkt gekauft oder vererbt worden.[4] In der Kleidermode versteht man unter Vintage auch oft ein Kleidungsstück aus einer älteren Kollektion eines Designers. Der Begriff leitet sich vermutlich von der Verwendung in der Weinkunde ab, wo Vintage den Jahrgang oder die Lese eines Weines bezeichnet.

Bei den großen Modehäusern wurden Vintage-Kollektionen wesentlich durch einen Auftritt der Filmschauspielerin Julia Roberts bei der Oscar-Verleihung 2001 in einem fast 20 Jahre alten Kleid von Valentino gefördert.[5] Seit einiger Zeit werden auch klassische Parfüms, die seit langer Zeit auf dem Markt sind, wie etwa Chanel Nº 5, als Vintage bezeichnet.

Ist im Textilhandel von Vintage-Stil die Rede, dann sind damit in der Regel neue Bekleidungsstücke gemeint, die aber für einen sogenannten "Used Look" bezeichnend sind. Das können neben verwaschener Jeans mit Rissen und Löchern auch in voller Absicht gefertigte ausfransende Rocksäume oder aufgenähte Flicken sein. Oft werden die Rocksäume nicht vernäht, damit sich die Fäden beim Tragen nach unten ziehen und so gewollt den Vintage-Look kreieren.

Im Gegensatz zu Retro betrifft Vintage das Material, die Machart und die Textur eines Produkts und weniger die weiteren, zum Beispiel historischen, Hintergründe von Bezugnahmen. So berührt der Begriff Vintage in der Musik zuerst die Instrumentenebene, dann die Verwendung von Formeln historischer Genres und Stile. Auch Reverenzen an vorhergehende Aspekte von Musik, zum Beispiel Rock-’n’-Roll- oder Psychedelic-Rock-Formeln, werden bei heutigen Produktionen als Vintage identifiziert. In der Fotografie bezeichnet man Aufnahmen im Stil der 20er bis 60er Jahre als Vintage.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Vintage – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carolin Wahnbaeck: Wo Vintage-Träume wahr werden. In: SPIEGEL ONLINE. 22. März 2019, abgerufen am 5. Januar 2020.
  2. Stefanie Maeck: Wiederentdeckte Mode – Hi Omi, kann ich deine Bluse haben? In: SPIEGEL ONLINE. 12. August 2015, abgerufen am 5. Januar 2020.
  3. Julia Maier: Vintage Mode – Fashionistas im Auktionshaus. In: ZEIT ONLINE. 16. Februar 2011, abgerufen am 5. Januar 2020.
  4. Max Fellmann / Till Krause: Echt alt! Echt? In: SZ-Magazin, aus Heft 39/2012. Süddeutsche Zeitung, 27. September 2015, abgerufen am 5. Januar 2020.
  5. Holm Friebe, Kathrin Passig: Das Prinzip Vintage. Kolumne Das nächste große Ding, in: Berliner Zeitung, 27. April 2006, Feuilleton, Seite 29