Vorwissenschaftliche Arbeit

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Die vorwissenschaftliche Arbeit (VWA, manchmal auch VwA) ist die erste Säule der Zentralmatura in Österreich. Sie ist in gewisser Weise der Nachfolger der Fachbereichsarbeit, anders als diese ist die vorwissenschaftliche Arbeit jedoch für alle Schüler der Allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) und der Berufsbildenden höheren Schulen (BHS) verpflichtend.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Lehrperson kann bis zu drei (auf eigenen Wunsch bis maximal fünf) Schüler betreuen. Bei der Wahl des Themas muss der Schüler das Einvernehmen mit der Betreuungsperson herstellen. Die Betreuungsperson muss eine berufliche oder außerberufliche Sach- und Fachkompetenz besitzen[1].

Der Schüler muss in Kooperation mit einer ihm zugeteilten Betreuungsperson in der 7. Klasse (11. Schulstufe) ein Thema formulieren an welchem er, nach der Bestätigung durch die Direktion und die Schulbehörde erster Instanz (Landesschulinspektor)[2], arbeiten wird. Das Thema muss keinem Unterrichtsfach zugeordnet sein.

Zu Beginn ist ein so genannter ’Erwartungshorizont’ vom Schüler abzugeben (elektronische Einreichung) bei welchem das schließliche Thema, geeignete Fragestellungen, persönlicher Impuls, erste Basisliteratur sowie eine ungefähre Gliederung eingegeben werden muss. Nach der Genehmigung durch die Betreuungsperson, den Direktor und die Schulbehörde erster Instanz verfügt der Schüler über eine genehmigte Themenstellung, die auch im Falle einer Wiederholung der 7. Klasse erhalten bleibt.

Die vorwissenschaftliche Arbeit muss am Ende der ersten Woche des zweiten Semester in der 8. Klasse via Internet in die sogenannte VWA-Datenbank hochgeladen werden. Sofort nach dem Hochladen wird die Arbeit mit einer Plagiatssuchsoftware untersucht. Die betreuende Lehrperson erhält einige Tage später das Ergebnis der Untersuchung.

Etwa ein bis zwei Monate nach dem Einreichen der Arbeit muss der Schüler seine vorwissenschaftliche Arbeit vor der Reifeprüfungskommision präsentieren. Hierbei geht der Prüfungskandidat auf wichtige Eckpunkte der Arbeit ein und beweist somit seine Präsentationskompetenz. Nach der ungefähr fünf-minütigen Präsentation folgt eine Diskussion, wo der Schüler sowohl inhaltliche als auch methodische Fragen beantwortet. Die Benotung der Arbeit erfolgt im Anschluss durch die Prüfungskommission.[3]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung empfiehlt in seiner Handreichung folgenden Aufbau:[4]

  • Titelblatt
  • Abstract (Deutsch oder Englisch, unabhängig von der Sprache der Arbeit)
  • Vorwort (optional)
  • Inhaltsverzeichnis
  • Textteil: Einleitung – Hauptteil – Schluss (Fazit)
  • Literaturverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis (optional)
  • Abkürzungsverzeichnis (optional)
  • Glossar (optional)
  • Anhang (optional)
  • Begleitprotokoll und Aufzeichnungen der Lehrkraft
  • Eidesstattliche Erklärung

Weiters wären noch folgende Punkte denkbar:[5]

  • Deckblatt[6] (optional)
  • Formelverzeichnis (optional)
  • Tabellenverzeichnis (optional)
  • Personen, Orts- oder Sachverzeichnisse (optional)
  • Dankesworte (optional)

Umfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Umfang der vorwissenschaftlichen Arbeit werden vom Ministerium "höchstens zirka" 60.000 Zeichen (exkl. Verzeichnisse)[7] genannt. Die Untergrenze von 40.000 Zeichen wurde aufgehoben[8]. Sollte eine Arbeit aus bestimmten Gründen mehr als 60.000 Zeichen beinhalten, so müssen diese Gründe beim Begleitprotokoll angeführt werden. Problematisch ist der Umfang bei Arbeiten, die einen hohen experimentellen Charakter haben (Chemie, Physik), oder deren Arbeitsschwerpunkt im Konstruieren (Darstellende Geometrie) liegen.[9] Zusätzlich sollen zum Umfang der vorwissenschaftlichen Arbeit auch praktische bzw. grafische Arbeiten miteinbezogen werden.

Fragestellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vorwissenschaftliche Arbeit muss verpflichtend eine Fragestellung beinhalten. Die Fragestellung ist in § 8 Abs. 5 der Reifeprüfungsverordnung vom 30. Mai 2012 als verpflichtender Inhalt des Abstracts ausdrücklich erwähnt ("…die Fragestellung, die Problemformulierung…")[10] Am Beginn der vorwissenschaftlichen Arbeit (Einleitung) ist es somit notwendig, dass sich die Kandidaten eine Frage zum gewählten Thema stellen, auf die sie im Schlusskapitel eine Antwort geben. In älteren Dokumenten des Ministeriums wurde die Fragestellung manchmal als Forschungsfrage bezeichnet. Seit Oktober 2013 wird in den offiziellen Dokumenten nur mehr der Begriff Fragestellung verwendet.[11]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker des Entwurfs bemängeln einerseits die Bezeichnung als „vorwissenschaftlich“, da dieser Begriff in der Wissenschaftsgeschichte eine ganz andere Bedeutung hat und eben eine Vorgangsweise bezeichnet, die mit einem kognitiven Ansatz nichts zu tun hat, sondern eher einem mythisch-religiösen Denken verbunden ist;[12] andererseits wird vor dem „Copy-and-Paste“-Syndrom gewarnt, also davor, dass diese Art der Aufgabenstellung viele Schüler dazu verleiten könnte, ihre Arbeit nicht selbstständig zu verfassen.[13]

Außerdem ist es im Februar 2015 beim verpflichtenden Hochladen der vorwissenschaftlichen Arbeit auf der dafür vorgesehenen Internetseite zu gravierenden Problemen aufgrund von Überlastung des Servers gekommen.[14] Weiters kam es zu diversen Fehlern bei der Einreichung der Themen für den Jahrgang 2015/16, wobei beispielsweise bei der erneuten Einreichung einer zurückgewiesenen Themenerstellung dem Betreuer und den folgenden Instanzen wieder die veraltete, bereits zurückgewiesene Version anstatt der vom Schüler überarbeiteten angezeigt wurde, und Schüler bekamen keine Benachrichtigung, wenn ihre Themenerstellung abgelehnt wurde.

Gernot Schreyer, Präsident des Bundeselternverbandes,[15] nimmt an, dass ein Drittel aller vorwissenschaftlichen Arbeiten von Dritten, insbesondere von Eltern verfasst wurde. Diese Annahme beruht auf Umfragen von Elternvereinen aus dem Jahr 2016. Natürlich ist es oft schwer, Schülern nicht eigenständiges Verfassen der Arbeit zweifelsfrei nachzuweisen.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. §8 (1) der Verordnung über die Reifeprüfung an den allgemeinbildenden höheren Schulen. Abgerufen am 4. Juni 2016.
  2. Schulbehörde erster Instanz « VorWissenschaftliche Arbeit .Info. In: www.vorwissenschaftlichearbeit.info. Abgerufen am 4. Juni 2016.
  3. Handbuch für VWA-Betreuungspersonen vwa-betreuungsperson.at
  4. Marlies Liebscher, Edgar Mayrhofer, Jürgen Rathmayr, Elisabeth Schallenberg, Werner Schöggl, Adelheid Schreilechner, Karin Tscherne, Friederike Zillner: 1. Säule: „Vorwissenschaftliche Arbeit“: Eine Handreichung. Standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung an AHS. Schuljahr 2013/14. (Memento des Originals vom 19. August 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bmbf.gv.at (PDF; 169 kB.) Erstellt im Auftrag des österr. Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (Abt. I/3b)
  5. Aufbau und Inhalt einer vorwissenschaftlichen Arbeit
  6. Deckblatt vorwissenschaftlichearbeit.info
  7. Standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung an AHS: Säule 1: „Vorwissenschaftliche Arbeit“ (VWA) mit Präsentation und Diskussion (Memento des Originals vom 4. November 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bmbf.gv.at bmbf.gv.at
  8. Änderung in der Verordnung zur Reifeprüfung vorwissenschaftlichearbeit.info
  9. Umfang (Seitenanzahl, Zeichenanzahl) der vorwissenschaftlichen Arbeit vorwissenschaftlichearbeit.info
  10. 174. Verordnung der Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur über die Reifeprüfung in den allgemein bildenden höheren Schulen (Memento des Originals vom 13. Januar 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bmbf.gv.at
  11. Lexikoneintrag Fragestellung, www.VorWissenschaftlicheArbeit.info
  12. vgl. Der Standard, Leserforum, Mittwoch, 1. Juli 2009
  13. Die Angst vor der Copy-paste-Teilmatura. Kommentar des Wissenschaftsministers Töchterle im Standard
  14. VWA: Nächstes Problem bei der Zentralmatura. In: kurier.at. 11. Februar 2015, abgerufen am 25. Dezember 2017.
  15. Bundeselternverband. Abgerufen am 4. Juni 2018 (deutsch).
  16. Schreiben die Eltern die vorwissenschaftliche Arbeit der Maturanten? In: Die Presse. (diepresse.com [abgerufen am 4. Juni 2018]).