Wackes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wackes (Hochalemannisch: Waggis) ist eine in der Nordwestschweiz sowie in Baden, der Pfalz und im Saarland früher geläufigere und meist abwertend verwendete umgangssprachliche Bezeichnung für die Bewohner des Elsass (französische Départements Haut-Rhin und Bas-Rhin). Im Saarland, das nicht direkt an das Elsass angrenzt, ist der Ausdruck für Deutschlothringer gebräuchlich.[1]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort bezeichnete in der elsässischen Mundart zunächst Landfahrer und Arbeitslose,[2] als Schimpfwort etwa „Bummler“ oder „Strolch“.[3] Schriftsprachliche Belege setzen im Jahr 1870 mit den Kriegsberichten zum Deutsch-Französischen Krieg ein. In einem Beleg aus dem Jahr 1870 wird „die Wackes“ mit dem Straßburger Pöbel gleichgesetzt.[4] Das Wort scheint durch die Soldatensprache weiter verbreitet worden zu sein.

Ende 1913 kam es im Zusammenhang mit der abwertenden Verwendung des Wortes durch einen im Elsass stationierten preußischen Offizier zur Zabern-Affäre. Der Staatsrechtler und Publizist Gerhard Anschütz, der die Zaberner Vorgänge als Zeitgenosse kritisch kommentierte, erklärte seinen Lesern, „Wackes“ sei, „vom Altdeutschen zum Elsässer gesagt, etwa so viel wie der ‚Saupreuß‘ im Munde des Süddeutschen“.[5]

Heutzutage wird die Bezeichnung Wackes in der Regel kaum noch als schwere Beleidigung der Elsässer und Lothringer aufgefasst, sondern je nach Situation „neckend bis abschätzig“ gebraucht.[6]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Herkunft des Ausdruckes gibt es unterschiedliche Angaben. Im Pfälzischen, Lothringischen und Elsässischen Wörterbuch wird das Wort zu lateinisch vagus (Landfahrer) gestellt.[6] Der Lothringer Nicolas Freistroffer berichtet 1933, dass man in seiner Heimat das deutsche ‚Sauwackes‘ mit französisch ‚sauvages‘ (Wilde) zu erklären suchte.[7]

Aus dem ursprünglichen Begriff bildete sich die Basler Fasnachtsfigur Waggis.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz August Stocker: Zur Etymologie des Wortes ‚Waggis‘. In: Vom Jura zum Schwarzwald, Bd. 6, S. 75 f., Möhlin 1889.
  • Ernest Altenbach: Wackes. E satyrische Definition vum Wort ‚Wackes‘. Gedicht in sechs Vaersle uf Milhueser-Ditsch, Mülhausen 1918.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erstmals schriftlich belegt ist das Wort gemäß dem Baseldeutsch-Wörterbuch von Rudolf Suter (Basel, 1984) im Jahre 1870.
  2. Revue d'Alsace, Band 36, Straßburg 1885, S. 561
  3. Der Historiker Erwin Schenk nannte 1927 „Strolch“, „Bummler“ oder „Taugenichts“ als Grundbedeutung (Der Fall Zabern. (Beiträge zur Geschichte der nachbismarckischen Zeit und des Weltkrieges, hrsg. von Fritz Kern). Stuttgart 1927, S. 8).
  4. Alexis Held: Der Antheil der bayerischen Armee an dem Nationalkriege gegen Frankreich im Jahre 1870, München 1870, S. 306
  5. Gerhard Anschütz: Zabern, Deutsche Juristen-Zeitung, Jahrgang 18 (1913), 1457.
  6. a b Pfälzisches Wörterbuch: Wackes, Wortbedeutung und Etymologie. Wörterbuch der deutsch-lothringischen Mundarten: Wackes, Wortbedeutung und Etymologie. Wörterbuch der elsässischen Mundarten: Wackes, Wortbedeutung und Etymologie.
  7. Nicolas Freistroffer: Frontberichte eines Lothringers, 1914-18, Metz 1933, S. 191. Zitiert nach Matti Münch: Verdun: Mythos und Alltag einer Schlacht, Dissertation, München 2006, S. 206, ISBN 3-89975-578-2