Pöbel

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„Pöbel“ ist ein altes abschätziges, polemisches Schmähwort, mit dem andere Menschen diskreditiert werden sollten, die sich der herrschenden Kultur nicht einfügten. Der elitäre Unterton kommt heute in dem Verb „pöbeln“ zum Ausdruck und soll den Ausschluss vom demokratischen Diskurs begründen.

Herkunft und Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verteidigung Mathys gegen die Angriffe des Pöbels von Mannheim am 8. April 1848

Der Begriff Pöbel (mhd. povel, bovel) wurde im Mittelalter aus dem Altfranzösischen (poble) entlehnt. Er bezeichnete Diener oder auch einfache Leute. Dieses altfranzösische Wort geht etymologisch ebenso wie das damals koexistierende peupleVolk“ auf das lateinische Wort populus „Volk“ zurück. Mit dem Wort „Pöbel“ wird gewöhnlich ein Mangel an Kultur, Kultiviertheit, Intelligenz, Stil, Feingefühl oder „Sinn für Höheres“ unterstellt.

Daran schließt sich das Verb „(an)pöbeln“ an, worunter man allgemein ein ausgeprägt vulgäresAnmachen“ mit beleidigender Wirkung versteht.

Die Ochlokratie wird auch mit Pöbelherrschaft übersetzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Schrift „Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern“ (1525) hat Martin Luther der Gewalt gegen den „Pöbel“ eine göttliche Rechtfertigung gegeben: „Der Esel will Schläge haben und der Pöbel will mit Gewalt regiert sein. Das wusste Gott wohl, drum gab er der Obrigkeit nicht einen Fuchsschwanz, sondern ein Schwert in die Hand.“ Noch im 19. Jahrhundert galt das Wort „Pöbel“ für die „Schicht unterhalb der ständischen Ehre“, so der Sozialhistoriker Werner Conze.[1]

In seinen Vorlesungen über die Grundlinien der Philosophie des Rechts (1820) von Georg Wilhelm Friedrich Hegel kommt der „Pöbel“ im Abschnitt über die Polizei (Die bürgerliche Gesellschaft, § 244/245) vor. In der Geschichte der Demokratie war der Hinweis auf den „Pöbel“ eine Rechtfertigung für den Ausschluss vom Wahlrecht. Der preußische Reformer Freiherr vom Stein warnte im Jahre 1831 vor dem Provinziallandtag Westfalens vor der Gefahr, „die aus dem Wachstum der Zahl und der Ansprüche der untersten Klassen der bürgerlichen Gesellschaft entsteht. Diese Klasse besteht in den Städten aus dem heimatlosen, eigentumslosen Pöbel, auf dem Lande aus der Masse der kleinen Kötter, Brinksitzer, Neubauer, Einlieger, Heuerlinge; sie nährt und hegt in sich den Neid und die Habsucht“.

Der Unternehmer Friedrich Harkort erklärte 1844 in seiner Schrift „Bemerkungen über die Hindernisse der Zivilisation und Emanzipation der untern Klassen“, es gehe um die „Rettung der Proletarier aus der Schmach und Not des Pöbeltums“. Dagegen hat Karl Marx in der Beschäftigung mit Hegels Rechtsphilosophie den Begriff des Proletariats entwickelt, dem er eine historische Rolle bei der Verwirklichung der Philosophie zuschrieb. Empirisch wurde in der Arbeiterbewegung mit dem Begriff „Proletariat“ der arbeitsame, bildungs- und organisationsfähige Teil der Menschen von dem Rest des „Pöbels“ unterschieden, für den Marx das Wort Lumpenproletariat prägte.

Verwandte Begriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sidonia Blättler: Der Pöbel, die Frauen etc. Die Massen in der politischen Philosophie des 19. Jahrhunderts. Akademie, Berlin 1995, ISBN 978-3-05-002892-7.
  • Renate Reschke: „Pöbel-Mischmasch“ oder vom notwendigen Niedergang aller Kultur. in: Zwischen Angstmetapher und Terminus. Theorien der Massenkultur seit Nietzsche. Hrsg. von Norbert Krenzlin. Akademie, Berlin 1992, ISBN 978-3-05-002065-5, S. 14–42.
  • Frank Ruda: Hegels Pöbel. Eine Untersuchung der „Grundlinien der Philosophie des Rechts“. Konstanz University Press, Paderborn 2011, ISBN 978-3-86253-010-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Pöbel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Pöbel – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werner Conze, Vom „Pöbel“ zum „Proletariat“. Sozialgeschichtliche Voraussetzungen für den Sozialismus in Deutschland in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (4/1956)