Walras-Gesetz

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Léon Walras

Das Walras-Gesetz ist der volkswirtschaftliche Lehrsatz, dass in einem allgemeinen Gleichgewichtsmodell die Summe der bewerteten Überschussnachfragen stets gleich Null ist.

Umfasst die betrachtete Volkswirtschaft n Märkte, dann impliziert ein Gleichgewicht auf n-1 Märkten, dass sich auch der n-te Markt im Gleichgewicht befindet.

Darstellung und Beweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es seien ein Güterindex und , und der Preis, die Nachfrage bzw. das Angebot auf dem i-ten Markt. Bezeichnet man die jeweilige Überschussnachfrage mit , lässt sich das Gesetz von Walras wie folgt formulieren:

Mit als Index für die Haushalte und und als Nachfrage bzw. Angebot des Haushalts h auf dem i-ten Markt lautet die Budgetbeschränkung eines Haushalts:

Durch Addition über alle Haushalte erhält man

Wegen der Definitionen und entspricht die letzte Gleichung der Eingangsbehauptung.

Intuitive Erklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn die bewertete Überschussnachfrage für jeden einzelnen Haushalt verschwindet, weil jeder Haushalt an seine Budgetbeschränkung gebunden ist, dann muss offenbar auch die Summe der Überschussnachfragen verschwinden.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Walras-Gesetz vereinfacht die Theoriebildung, weil es die Herausnahme eines der n Märkte erlaubt: Befinden sich die übrigen Märkte im Gleichgewicht, dann auch der herausgenommene.

Ergänzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der obige Beweis bezieht sich auf eine Tauschwirtschaft, kann aber ohne weiteres auf Produktionswirtschaften verallgemeinert werden. Wichtig ist, dass das Gesetz von Walras gerade kein Gleichgewicht auf den einzelnen Märkten voraussetzt, sondern auch im Ungleichgewicht gilt. Besteht auf jedem einzelnen Markt ein Gleichgewicht, was in der Realität sicher nicht vorkommt, ist die Aussage trivial, weil eine Summe von Nullen Null ergibt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Haslinger: Walras-Gesetz (Memento vom 14. August 2010 im Webarchiv archive.is) In: Wirtschaftswissenschaftliches Studium. (WiSt), 11. Jahrgang, Heft 5 (Mai 1982), S. 226. (10. Mai 2015)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • L. Walras: Elements of Pure Economics. übersetzt und hrsg. von W. Jaffé. Homewood, I11, London 1980.
  • W. Jaffé: Walras Economics as Others see it. J.E.L. 1980.
  • V. Caspari: Walras, Marshall, Keynes. Duncker & Humblot, Berlin 1989, ISBN 3-428-06639-1.
  • H. Varian: Grundzüge der Mikroökonomie. 2011.
  • M. Morishima: Walras’ Economics. Cambridge Books, 1981, ISBN 0-521-28522-4.
  • B. Felderer, S. Homburg: Makroökonomik und neue Makroökonomik. Berlin 2005, ISBN 3-540-43943-9.
  • H.-W. Wohltmann: Grundzüge der makroökonomischen Theorie: Totalanalyse geschlossener und offener Volkswirtschaften. München 2012.
  • M. Wulff: Theorien und Dogmen als Ursachen wirtschaftspolitischer Probleme. Berlin 1985.