Lütschine

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Lütschine
Karte von 1905 aus dem Geographischen Lexikon der Schweiz

Karte von 1905 aus dem Geographischen Lexikon der Schweiz

Daten
Gewässerkennzahl CH: 500 (vereinigte Lütschine), Schwarze Lütschine 501, Weisse Lütschine 502
Lage Kanton Bern, Schweiz
Flusssystem Rhein
Abfluss über Aare → Rhein → Nordsee
Beginn am Zusammenfluss von Schwarzer Lütschine und Weisser Lütschine bei Zweilütschinen
46° 38′ 2″ N, 7° 53′ 54″ O
Quellhöhe ca. 650 m ü. M.
Mündung in den BrienzerseeKoordinaten: 46° 41′ 27″ N, 7° 53′ 53″ O; CH1903: 635143 / 171180
46° 41′ 27″ N, 7° 53′ 53″ O
Mündungshöhe 564 m ü. M.
Höhenunterschied ca. 86 m
Länge 8,6 km
(mit Schwarzer Lütschine 26,3 km)
Einzugsgebiet 380 km²[1]
Abfluss am Pegel Gsteig[2]
AEo: 379 km²
NNQ (1934)
MQ 1924–2008
Mq 1924–2008
HHQ (2005)
1,35 m³/s
18,8 m³/s
49,6 l/(s km²)
254 m³/s
Weisse Lütschine im Lauterbrunnental bei Stechelberg

Weisse Lütschine im Lauterbrunnental bei Stechelberg

Die Lütschine ist ein Fluss im Berner Oberland in der Schweiz.

Der Name Lütschine stammt vom keltischen Namen leucos, leuca, was „weiss“ oder „hell, glänzend“ bedeutet. Damit ist der Name „Weisse Lütschine“, den verwirrenderweise zwei Flüsse im System der Lütschinen tragen, wortgeschichtlich betrachtet ein Pleonasmus.

Verläufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lütschine unterhalb Zweilütschinen

Die beiden grossen Quellflüsse, die 17,7 Kilometer lange Schwarze Lütschine aus Grindelwald und die Weisse Lütschine (17 km) aus dem Lauterbrunnental vereinigen sich bei Zweilütschinen. Von dort fliesst die noch 8,6 Kilometer lange vereinigte Lütschine durch das enge Lütschinental nach Wilderswil und über das Bödeli weiter nach Bönigen, wo sie in den Brienzersee mündet.

Die Weisse Lütschine bildet mit ihrem Oberlauf, der Tschingel-Litschina den Ablauf des Tschingelfirn. Sie hat mehrere Seitenbäche, die in hohen Wasserfällen über die steilen Felswände ins Lauterbrunnental stürzen, darunter der Staubbachfall, die Trümmelbachfälle und der Schmadribachfall. Der Mürrenbachfall gilt mit 417 Meter Fallhöhe als höchster Wasserfall der Schweiz.[3][4]

Die Schwarze Lütschine entwässert den Oberen Grindelwaldgletscher und den Unteren Grindelwaldgletscher. Der 2,7 Kilometer kurze Abfluss des letzteren heisst wiederum Weisse Lütschine (Gewässerlaufnummer 5709) und mündet im Talboden unterhalb von Grindelwald in die Schwarze Lütschine. Oberhalb dieses Zusammenflusses klassifiziert das Schweizer Bundesamt für Umwelt die Schwarze Lütschine als Bach, die kurze Weisse Lütschine hingegen als Fluss.

Die Lütschineneindämmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aus den Tälern Grindelwald und Lauterbrunnen kommende Lütschine ist ein geschiebe- und schwebstoffreicher Gebirgsfluss, der früher bei extremen Hochwassern immer wieder ausbrach und das ganze Bödeli mit den daraufliegenden Dörfern und der Propstei Interlaken überschwemmte. Es ist anzunehmen, dass die Lütschine schon zur Zeit, als sich die Augustiner-Chorherren um 1130 im Bödeli ansiedelten, in den Brienzersee floss und nicht, wie oft behauptet wird, von diesen dorthin umgeleitet wurde. Man hat lediglich einen ihrer Mündungsarme, der entlang des Änderbergs Richtung Bönigen verlief, mit einem linksufrigen Längsdamm verbaut. Die Klosterleute von Interlaken spielten dabei eine wichtige Rolle. Über Jahrhunderte hinweg setzten Generationen der betroffenen Bevölkerung viel Zeit und Geld dafür ein, um das ungestüme Bergwasser in seine Schranken zu weisen.

Ein kleiner Teil des Wassers wurde im Mittelalter auch zur vielseitigen Nutzung abgezweigt. Der schmale Kanal Spülibächli leitete Lütschinenwasser zum Kloster Interlaken, wo es diverse Mühlen antrieb und zu Reinigungszwecken eingesetzt wurde.

1831 brach die Lütschine kurz nach der Einmündung des Saxetenbachs bei Wilderswil aus und ergoss sich durch dieses Dorf über das Bödeli nach Matten und Interlaken. Die Folge war eine rund ein Meter starke Übersarung, deren Spuren an einigen alten Häusern heute noch zu sehen sind. Ein zeitgenössischer Bericht vermerkte dazu: „… der Saxetenbach vereint (mit der Lütschine) den Damm durchbrochen, über alles Feld herabgekommen, die Einwohner von Matten zum Teil zum Auswandern gebracht“

Letztmals brach die Lütschine 2005 aus und überschwemmte den unteren Dorfteil von Wilderswil sowie grosse Teile des Bödeli. Das Wasser floss, nachdem der Autobahneinschnitt gefüllt war, durch Matten und bis nach Interlaken in die Aare.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Herausgeber): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 1: Aa – Emmengruppe. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1902, S. 343–347, Stichwort Brienzersee  (Scan der Lexikon-Seite).
  2. Hydrologisches Jahrbuch der Schweiz 2008, S. 214
  3. Florian Spichtig, Christian Schwick: Mürrenbachfall. In: Waterfall.ch. Abgerufen am 26. Juni 2012.
  4. Julia Slater: Wasserfälle: Welcher ist der Höchste im ganzen Land? In: swissinfo.ch. 1. März 2010, abgerufen am 26. Mai 2012.
  5. Blickrichtung flussaufwärts trotz abwärts gerichteter Sichtachse

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]