Wikipedia:Förderung/Wikimedia Deutschland/Digitales Engagement 2017

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Koordinierung in den Wikimedia-Projekten (im Dokument der Position später zu entfernen)[Quelltext bearbeiten]

Die Mitwirkung der Community an der WMDE-Position zum digitalen Engagement erfolgt in zwei Phasen.

Phase 1

Anmerkungen, Ideen, Ergänzungen, Studien und Fakten konnten vom 29. März bis zum 6. April 2017 nach einem Aufruf im Kurier auf dieser Seite zum Entwurf der Position beigetragen werden. Zudem wurde ein Austausch zum Positionsentwurf auf dem Community-Workshop (7.–9. April 2017) ermöglicht.

Phase 2

Das Feedback aus der ersten Phase wurde in der untenstehenden Position eingearbeitet. Zusätzlich wurde noch eine Kurzfassung erstellt. Anschließend konnte nochmal bis zum 6. Mai 2017 zur Position Feedback gegeben werden.

Nächste Schritte

Die Position wird dann seitens Wikimedia Deutschland im Mai/Juni 2017 fertiggestellt und auf dieser Seite und im WMDE-Blog veröffentlicht. Danach wird diese Position für den politischen Diskurs mit Bundestagsabgeordneten, Landtagsabgeordneten, Ministerien, Wissenschaftler/-innen und Nicht-Regierungsorganisationen sowie im Bundestagswahlkampf von allen Interessierten genutzt.

Ein Beispiel für solch ein Diskussionsformat ist die Sitzung des Unterausschuss „Bürgerschaftliches Engagement“ im Deutschen Bundestag am 18. Januar 2017 (zum Kurzprotokoll).


Kurzfassung der Position zum digitalen Engagement[Quelltext bearbeiten]

Digitales Engagement ist ein noch recht junges Phänomen, ermöglicht durch das Internet und die Digitalisierung weitreichender Bereiche unserer Gesellschaft. So engagieren sich die Freiwilligen der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte in ihrer Freizeit für freie Inhalte, schreiben Artikel oder fotografieren. Leider wissen immer noch zu wenige Menschen außerhalb der Wikimedia-Projekte, dass deren Inhalte durch digital Engagierte geschaffen werden.

Durch die Verbreitungswege des Webs, die Beteiligung vieler Menschen und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit kann Großartiges für die Gesellschaft geleistet werden – häufig auch sehr schnell auf aktuelle Entwicklungen reagiert werden. Hier sind einige Beispiele für die Bedeutung des digitalen Engagements in den Wikimedia-Projekten stellvertretend für all die anderen wichtigen digitalen Projekte:

  • über 38 Mio. freie Mediendateien auf Wikimedia Commons und über 25 Mio. Datensätze auf Wikidata
  • über 2 Mio. Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia oder auch
  • 39.000 Bilder allein 2016 im deutschsprachigen Segment des weltweit größten Fotowettbewerbes Wiki Loves Monuments.

Die Inhalte können dank der Engagierten von jeder Person weltweit bei allem, was sie tun, frei genutzt und auch beliebig bearbeitet werden.

Es ist an der Zeit, dass nun endlich in Politik und Gesellschaft das Bewusstsein für die große Bedeutung des digitalen Engagements geschaffen wird und in diesem Bereich Engagierte in ihrem Beitrag angemessen gewürdigt und unterstützt werden.

Wikimedia Deutschland e.V. stellt daher die folgenden fünf Forderungen für die Stärkung des digitalen Engagements in Deutschland auf:

  • Gleichberechtigte Anerkennung des digitalen Engagement auf Augenhöhe mit anderen Arten ehrenamtlicher Tätigkeiten.
  • Ermöglichung von Partizipation und Vielfalt im digitalen Raum zur Mitgestaltung der Gesellschaft.
  • Gewährleistung der Verfügbarkeit freier Inhalte, um offene Zugänge zu Wissen, Mediendateien und Daten zu erreichen und gemeinsames Engagement zu erleichtern.
  • Ausbau der Forschung: Für eine effektive Weiterentwicklung günstiger Rahmenbedingungen für das digitale Engagement müssen wir mehr wissen.
  • Weiterentwicklung und Aufbau staatlicher Förderprogramme zum digitalen Engagement.


Position zum digitalen Engagement[Quelltext bearbeiten]

Präambel

Die Freiwilligen der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte engagieren sich in ihrer Freizeit für freie Inhalte. Leider wissen immer noch zu wenige Menschen außerhalb der Wikimedia-Projekte, dass deren Inhalte eben durch Freiwillige geschaffen werden. Dies sollte geändert werden und nun endlich in Politik und Gesellschaft das Bewusstsein für die hohe Bedeutung des digitalen Engagements geschaffen werden.

Digitales Engagement respektive digitales Ehrenamt ist ein noch recht junges Phänomen, ermöglicht durch das Internet und die Digitalisierung weitreichender Bereiche unserer Gesellschaft. Digitales Engagement wird in der die Zivilgesellschaft immer wichtiger, damit die Menschen sowohl zu digitalen Entwicklungen, als auch zur analogen Welt positiv beitragen kann. Wikipedia ist ein bekanntes Beispiel, wie dies aussehen kann. Durch digital Engagierte stehen enzyklopädische Informationen umfassend, immer und überall über das Web allen frei zur Verfügung und können jederzeit aktualisiert werden. Dies gelingt durch das Zusammenwirken von Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen, Wissensschätzen, regionalen Herkünften und Kompetenzen.

Durch die Verbreitungswege des Webs, die Beteiligung vieler Menschen und neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit kann Großartiges für die Gesellschaft geleistet werden – häufig auch sehr schnell auf aktuelle Entwicklungen reagiert werden.

Das kollaborative digitale Zusammenwirken von Freiwilligen kann die Erschaffung von vorher Unglaublichem ermöglichen, zum Beispiel:

Die Inhalte können dank der Engagierten von jeder Person weltweit bei allem, was sie tun, frei genutzt und auch beliebig bearbeitet werden. Dies kann alles nur gelingen, da sich unzählige Menschen weltweit täglich dafür einsetzen. Dies sind die digital Engagierten.

Es ist an der Zeit, dass nun endlich in Politik und Gesellschaft das Bewusstsein für die große Bedeutung des digitalen Engagements geschaffen wird und in diesem Bereich Engagierte in ihrem Beitrag angemessen gewürdigt und unterstützt werden.

Wikimedia Deutschland e.V. stellt daher die folgenden fünf Forderungen für die Stärkung des digitalen Engagements in Deutschland auf.

I. Wertschätzung und Anerkennung von digital Engagierten fördern[Quelltext bearbeiten]

Viele Aktive der freien Wissensprojekte wünschen sich mehr Wertschätzung und Anerkennung für ihr zivilgesellschaftliches Engagement.

Heutzutage fehlt in Deutschland immer noch ein Bewusstsein und Wissen über das von digital Engagierten Geleistete. Hier können auch Politiker sowie staatliche Institutionen noch einen größeren Beitrag leisten. Es ist nicht aufwendig, vorbildliche Projekte und Initiativen hervorzuheben. Preisverleihungen, Auszeichnungen und öffentliche Veranstaltungen bieten wichtige Foren, um die Bedeutung des digitalen Engagements weiter im gesellschaftliche Bewusstsein zu verankern (siehe Erasmuspreis des niederländischen Königs oder Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker). Auch in Behörden fehlt häufig das Bewusstsein, digitales Engagement gleichberechtigt zu anderen Formen bürgerschaftlicher Arbeit anzuerkennen und die Wertschätzung für dieses Engagement zum Ausdruck zu bringen.

Für die Wertschätzung und Anerkennung der digital Engagierten bleibt noch viel zu tun. Wir fordern als einen wichtigen Schritt die gleichberechtigte Anerkennung des digitalen Engagements auf Augenhöhe mit anderen Arten ehrenamtlicher Tätigkeiten.

II. Ermöglichung von Partizipation und Vielfalt im digitalen Raum zur Gestaltung der Gesellschaft[Quelltext bearbeiten]

Leider haben auch heute noch nicht alle Menschen die gleichen Möglichkeiten, an der rasanten Entwicklung der Digitalisierung teilzuhaben. Alter, Geschlecht, soziale Herkunft und Wohnort sind bestimmende Faktoren dafür, in welchem Maße sich Menschen im digitalen Raum engagieren. So ist beispielsweise die Generation 65+ immer noch etwas abgehängt, wie u. a. der D21-Digital-Index belegt. Aber auch die langsamen Internetverbindungen vor allem im ländlichen Raum sind ein Hemmnis für die digitale Gestaltung unserer Gesellschaft. Und für Menschen mit niedrigem Einkommen sind die Kosten für eine schnelle Internetverbindung oft nicht finanzierbar.

Hier besteht Handlungsbedarf. Denn die Vielfalt Deutschlands muss auch im Netz repräsentiert sein. Eine große Chance für die Steigerung der Diversität im digitalen Engagement liegt in der Zusammenarbeit der klassischen Nicht-Regierungsorganisationen, der netzaffinen Organisationen sowie der Do-It-Yourself- und Maker-Bewegung. Gemeinsam können Allmende-Projekte (Wikipedia als ein Beispiel dafür) entwickelt, gepflegt und für gesellschaftliche Lösungen genutzt werden.

In Nicht-Regierungsorganisationen und Politik ist aber teilweise erst ein Mentalitätswechsel notwendig, um Skepsis gegenüber dem Digitalen abzubauen und das digitale Engagement als wichtigen Beitrag zur Gestaltung der Gesellschaft zu begreifen und zu fördern.

Wikimedia Deutschland e. V. hat bisher sehr gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Kulturinstitutionen zur Nutzbarmachung von Kulturgütern über digitale Medien gemacht (siehe beispielsweise GLAM-Aktivitäten). In ähnlicher Art und Weise können neue Kooperationen zwischen netzfaffinen Organisationen mit Partnern aus den Feldern wie soziale Inklusion, Entwicklungszusammenarbeit und Umweltschutz mit Unterstützung staatlicher Förderprogramme, privater Stiftungen und Crowdfunding ausgebaut werden.

Darüber hinaus sind Qualifizierungsmaßnahmen für den Erwerb digitaler Kompetenzen in Nicht-Regierungsorganisationen und für einzelne Zielgruppen (Jugendliche, Frauen, Senior/innen etc.) wichtig. Für die Zukunft bietet auch das Lernen von Koproduktion auf digitalen Plattformen und die Anwendung freier Lizenzen in Schule und Ausbildung einen wirksamen Beitrag zur digitalen Inklusion.

III. Gewährleistung der Verfügbarkeit freier Inhalte, um offene Zugänge zu Wissen, Mediendateien und Daten zu erreichen und gemeinsames Engagement zu erleichtern[Quelltext bearbeiten]

Die digital Engagierten stellen Wissen frei zur Verfügung. Dahinter steht die Philosophie, dass alle Zugang zu diesem Wissen haben soll, es weiterverbreiten und auch weiternutzen können. Dies wird über freie Lizenzen sichergestellt. Die freien Lizenzen (Creative Commons Attribution - Share-Alike-Lizenz) dienen dabei als gemeinschaftliche Arbeitsgrundlage: Das heißt, dass alle die Inhalte der Wikipedia nutzen, verbreiten und verändern dürfen, solange Wikipedia verlinkt oder genannt wird und veränderte Fassungen der Inhalte bzw. diese enthaltende Remixes wiederum nur unter der oben genannten Lizenz veröffentlicht werden.

Dies kann aber nur dann funktionieren, wenn auch freie Inhalte zur Verarbeitung bereitgestellt werden, z. B. Fotos als Illustrationen für enzyklopädische Artikel, Denkmallisten oder Inhalte aus wissenschaftlichen Datenbanken.

Auch Informationen öffentlicher Stellen und staatliche Inhalte, z. B. Statistiken oder Bildarchive, sind dabei essentiell; und viele dieser Daten und Medieninhalte müssen erst noch unter eine freie Lizenz gestellt werden. Ein gutes Beispiel ist die Europäische Weltraumorganisation, die angekündigt hat, ihre Inhalte künftig unter einer Creative-Commons-Lizenz zu veröffentlichen.

Für die Zukunft ist es daher wichtig, dass staatliche Inhalte von der Gesellschaft frei genutzt werden können. Grundsätzlich sollte für alle Nehmer und Nehmerinnen staatlicher Fördermittel festgelegt sein, dass all ihre Ergebnisse frei verfügbar und frei verwendbar bereitgestellt werden (open-by-default). Es ist nicht nachzuvollziehen, dass mit Steuermitteln produzierte Inhalte nur Einzelnen zugutekommen sollen, der Allgemeinheit aber nicht.

IV. Ausbau der Forschung: Für eine effektive Weiterentwicklung günstiger Rahmenbedingungen für das digitale Engagement müssen wir mehr wissen[Quelltext bearbeiten]

Über digitales Engagement gibt es nur wenig Forschung, so bespielsweise eine Studie von Fraunhofer Fokus (2014) zum „Digitalen bürgerschaftlichen Engagement“. Zugleich stellen wir fest, dass in größeren Forschungsberichten zum Engagement das Digitale noch nicht ausreichend berücksichtigt ist. Beispielsweise gibt es mit dem Zweiten Engagementbericht und dem Freiwilligensurvey 2014 umfassende Studien im Auftrag der Bundesregierung, die bisher nicht weiter auf digitales Engagement eingehen.

Wir müssen wissen, was das digitale Engagement charakterisiert und welche Rahmenbedingungen es begünstigen. Denn erst dann lässt sich das heutige digitale Engagement in seiner Ausprägung verstehen und eine Weiterentwicklung effektiv fördern. Einige offene Fragen verdeutlichen das Forschungsdefizit:

  • Wie können analoges und digitales Engagement zusammengebracht werden, um bessere Wirkungen zu entfalten?
  • Welche Motivation, Merkmale und Verhaltensweisen zeichnen digital Engagierte aus?
  • Ist digitales Engagement eine Chance oder Herausforderung für strukturschwache Räume?
  • Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, um digitales Engagement auf Bundes- und Länderebene zu stärken?

Aufbauend auf den bisherigen Erkenntnissen und Studien ist wissenschaftliche Evidenz sehr hilfreich, um die richtigen Hebel in Gang zu bringen und mehr Bewusstsein für die Anliegen der digital Engagierten zu erreichen. Die stärkere Berücksichtigung der Digitalisierung unserer Gesellschaft im Freiwilligen Survey und des bürgerschaftlichen Engagements im D21-Digital-Index ist ebenso empfehlenswert. Es ist darüber hinausgehend an der Zeit, komplexere Grundlagenuntersuchungen im Zusammenspiel verschiedener Disziplinen zum digitalen Engagement zu beauftragen, um hier Licht in das noch unerschlossene Forschungsfeld zu bringen.

V. Weiterentwicklung und Aufbau staatlicher Förderprogramme zum digitalen Engagement[Quelltext bearbeiten]

Bisher werden wenig öffentliche Finanzmittel für digitales Engagement bereitgestellt. Mit relativ geringen Summen ist es möglich, in diesem gesellschaftlich relevanten Politikfeld in den nächsten Jahren viel zu erreichen.

Mit nationalen Initiativen könnte die Bundesregierung maßgeblich zur Vernetzung relevanter Akteure und Sensibilisierung der Gesellschaft für die Thematik beitragen. Auch Freiwilligendienste können hier ein wichtiges Instrument sein, um gezielt digitales Engagement in Nichtregierungsorganisationen zu fördern (siehe z. B. das DRK-Pilotvorhaben).

Auf regionaler Ebene versprechen Praxisprojekte Anschubpotenziale, beispielsweise durch die Ausrichtung auf digitales Engagement auf dem Land und in der Stadt.