Winkelspinnen

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Winkelspinnen
Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica)

Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica)

Systematik
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Überfamilie: Agelenoidea
Familie: Trichterspinnen (Agelenidae)
Gattung: Winkelspinnen
Wissenschaftlicher Name
Tegenaria
Latreille, 1804
Eine Westliche Schwarze Witwe (hier ein Weibchen, links ein Männchen) hat eine Winkelspinne erbeutet.

Winkelspinnen (Tegenaria) sind eine Gattung aus der Familie der Trichterspinnen (Agelenidae). In Europa sind mindestens 62 Arten heimisch.[1] Die bekanntesten Vertreter der Gattung sind die auch in Häusern, Schuppen, Stallungen oder Scheunen lebenden Mauerwinkelspinnen (Tegenaria parietina) und Waldwinkelspinnen (Tegenaria silvestris). Weltweit umfasst die Gattung aktuell 115 Arten.[2] (Stand: April 2016) Die Große Winkelspinne war die „Spinne des Jahres 2008“.[3]

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Arten dieser Gattung sind nachtaktiv, meist sehr schnell, hellbraun bis rötlich-braun oder dunkelbraun gefärbt, mit meist beborsteten, teilweise auch fein behaarten, langen Beinen. Charakteristisches Bestimmungsmerkmal innerhalb dieser Gattung ist das Brustmal (auf dem Sternum).

Gefährlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arten der Gattung Tegenaria sind harmlos. In den USA sollen Bisse der Feldwinkelspinne (Eratigena agrestis, früher Tegenaria agrestis) nekrotisierende äußerst schmerzhafte und schlecht heilende Wunden bewirkt haben. Die Beweislage ist eher fragwürdig[4]. Man geht davon aus, dass einige solcher Wunden nicht von Spinnen verursacht wurden. Die verbleibenden Bisse gehen auf Arten der Gattung Loxosceles zurück, insbesondere Loxosceles reclusa. Eine mögliche nekrotisierende Wirkung ihres Giftes kann als gesichert gelten.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Morphologisch kann man bei den Winkelspinnen zwei Gruppen unterscheiden. Die Männchen der einen Gruppe tragen auf ihren Pedipalpen je einen kurzen, dicken Embolus, dazu gehört die Typusart der Gattung, die Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica). Die Männchen der anderen Gruppe besitzen einen langen, fadenförmigen Embolus. Ein solcher Embolus ist charakteristisch für die Gattung Malthonica, weshalb 2005 einige Arten der Gattung Tegenaria in diese Gattung transferiert wurden.[5] Alle mitteleuropäischen Arten dieser Gattung wurden aber 2010 zurück nach Tegenaria transferiert und sind heute wieder in dieser Gattung enthalten[6].

Die folgenden Arten sind für Mitteleuropa nachgewiesen:[1]

Der World Spider Catalog listet für die Winkelspinnen aktuell 115 Arten.[2] (Stand: April 2016)

Transferierte Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gattung Histopona zugerechnet, wird die in Wäldern und unter Baumwurzeln vorkommende Waldtrichterspinne (Histopona torpida, früher: Tegenaria torpida).

2013 wurden einige Arten, die bisher zur Gattung Tegenaria gerechnet worden waren, in die neue Gattung Eratigena ausgegliedert[7], darunter die mitteleuropäischen[1] Arten:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Winkelspinnen (Tegenaria) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Tegenaria bei Fauna Europaea
  • Tegenaria. Online-Bestimmungsschlüssel der Gattungen Tegenaria und Eratigena bei araneae - Spiders of Europe, abgerufen am 3. Dezember 2015
  • Tegenaria. Winkelspinnen im Wiki des Spinnen-Forums, Arten und Verbreitung, abgerufen am 3. Dezember 2015

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Theo Blick, Robert Bosmans, Jan Buchar, Peter Gajdoš, Ambros Hänggi, Peter Van Helsdingen, Vlastimil Ružicka, Wojciech Starega & Konrad Thaler: Checkliste der Spinnen Mitteleuropas. Checklist of the spiders of Central Europe. (Arachnida: Araneae). Version 1. Dezember 2004
  2. a b Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog Version 17.0 – Tegenaria. Abgerufen am 6. April 2015
  3. Arachnologische Gesellschaft e. V.: Die Spinne des Jahres 2008 ist Tegenaria atrica
  4. James H. Diaz: The Global Epidemiology, Syndromic Classification, Management, and Prevention of Spider Bites „Nevertheless, T. agrestis has never been conclusively identified as the cause of necrotic araneism in the Pacific northwest of the United States because the CDC report was based on retrospective telephone reports of suspected bites without expert identification of biting spiders.“
  5. Elchin S. Guseinov, Yri M. Marusik, Seppo Koponen (2005): Spiders (Arachnida, Aranei) of Azerbajan. 5. The faunistic review of the funnel-web spiders (Agelenidae) with the description of a new genus and species. Arthropoda Selecta 14 (2): 153-177.
  6. Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog Version 17.0 – Agelenidae. Abgerufen am 6. April 2015
  7. A. Bolzern, D. Burckhardt, A. Hänggi (2013): Phylogeny and taxonomy of European funnel-web spiders of the Tegenaria−Malthonica complex (Araneae: Agelenidae) based upon morphological and molecular data. Zoological Journal of the Linnean Society 168: 723–848. doi:10.1111/zoj.12040