Yvonneck

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Yvonneck (* vermutlich am 26. Februar 1874 in Nantes; † 16. April 1929 in Paris) war ein französischer Chansonsänger und Filmschauspieler. Sein bürgerlicher Name war Arthur Jullion, auch die Varianten Arthur Victor Jullien, Arthur Jullian und Arthur Julian kommen vor.[1]

Leben[Bearbeiten]

Der Offizierssohn besuchte eine Kavallerieschule und war dann Soldat beim 25. Dragonerregiment in Tours. Sein Dienst soll ihn nach Madagaskar, China und Abessinien geführt haben. Später verließ er die Armee und studierte am Konservatorium in Nantes, wo er einen ersten Preis für „Gesang und Oper“ erhielt.[2] Anfang des 20. Jahrhunderts begann er, in bretonischem Kostüm in den Café-concerts von Paris aufzutreten. Sein Repertoire umfasste vor allem Lieder des Chansonniers Théodore Botrel, aber auch von Léon Durocher und anderen. Als bretonischer Barde hatte er großen Erfolg. 1906 widmete L’Album Musical ihm eine ganze Ausgabe: Chansons de la mer (Chansons vom Meer), mit einem Vorwort von Léon Durocher.[3] Er sang unter anderem auch L’Étendard de la Pitié, eine von Émile Wesly komponierte und von Durocher getextete Hymne auf das Rote Kreuz.

Yvonneck nahm jedoch auch zumindest zwei Chansons auf Schallplatte auf, die die royalistische und antisemitische Action française und ihre Jugendorganisation Camelots du roi als Propaganda nutzten, nämlich La Gueuse („Die Bettlerin“, ein herabsetzender Ausdruck für die Dritte Französische Republik) und La France bouge („Frankreich bewegt sich“, ein „Kampfgesang der Camelots du roi“). Die Aufnahme für die APGA stand unter dem Motto „APGA pour l’Action française“.[4]

Im Ersten Weltkrieg wurde Yvonneck zunächst zur Artillerie eingezogen.[5] Er gab Konzerte für die Soldaten, später vor allem für die amerikanischen Truppen. Nach dem Krieg fand er als Schauspieler Zugang zu der sich eben entwickelnden Filmindustrie und spielte in einer Reihe renommierter Filme mit. Sein Debüt war 1924 La Galérie des Monstres von Jaque Catelain, seine bekannteste Rolle war 1928 der Nonacourt in Un chapeau de paille d’Italie (deutscher Titel: Der Florentiner Hut) von René Clair.

Anfang 1929 zog sich Yvonneck eine Verletzung oder Krankheit zu (die Nachrufe gehen auseinander, es ist von einer Lähmung der Beine, aber auch von einem Beinbruch die Rede). Er befürchtete, keine Filmrollen mehr zu erhalten und seiner Familie zur Last zu fallen; zudem soll das Leiden sehr schmerzhaft gewesen sein. Dies war wohl der Grund, warum er sich am 16. April 1929 vom Balkon seiner Wohnung im fünften Stock stürzte.

Wissensstand[Bearbeiten]

Über Yvonneck ist wenig bekannt. Jean-Louis Debauve hat für seine kurze Darstellung zwei Quellen ausgewertet: die Revue Paris qui chante vom 25. Juni 1905, die unter anderem sechs Fotos von Yvonneck in bretonischem Kostüm enthält, sowie einen Artikel in der Pariser Illustrierten Comœdia vom 23. Oktober 1924, den Maurice Himmel verfasst hat.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean-Louis Debauve: Le Chanteur Yvonneck. In: Les Cahiers de l'Iroise. Nr. 140, 1988, ISSN 0007-9898, S. 229

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Todesdatum lässt sich anhand der Nachrufe in Le Petit Parisien und Le Matin genau bestimmen. Geburtsdatum hier nach www.lesgensducinema.com (Deeplink), für die dortige Angabe gibt es allerdings bislang keinerlei Bestätigung. Den bürgerlichen Namen Jullion geben beide Zeitungsnachrufe übereinstimmend an, ebenso der Artikel Ce que sont devenues les vedettes du caf’ conc’ in Le Petit Parisien vom 30. November 1914, online. Vgl. ferner die Anmeldung einer Société à responsabilité limité (GmbH) für ein Palais de la Coiffure (Friseurpalast) in den Archives commerciales de la France vom 15. November 1935, S. 4543, online; eine der vier Beteiligten, unter der letzten Adresse Yvonnecks in Paris geführt, wird hier als Witwe von Arthur Jullion ausgewiesen. Jean-Louis Debauves kurze Darstellung (siehe Literatur) macht zu Geburtsdatum, Todesdatum und bürgerlichem Namen keine Angaben.
  2. Debauve schreibt von einem „premier prix de chant et d’opéra“.
  3. Siehe den Eintrag im Katalog der Französischen Nationalbibliothek.
  4. Vgl. Gérard Roig, Marc Monneraye: Le numérotage des phonogrammes Pathé - 1ère partie. In: Sonorités. Nr. 7, Juin 1983, S. 33-37, online, in der Seitenzählung des elektronischen Dokuments S. 17; siehe auch: Raoul Blottière: Yvonneck: „La gueuse“ (1909), l’histgeobox, Nr. 251, 13. November 2011, online, dort mit einer Aufnahme und einer Transkription des Chansons.
  5. Vgl. Ce que sont devenues les vedettes du caf’ conc’. In: Le Petit Parisien vom 30. November 1914, online.