Zabulistan

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Karte der Ausdehnung Zabulistans während der Zunbil-Dynastie 600 bis 700 nach Christus

Zabulistan (persisch زابلستان, in etwa: Land von Žawul) ist die Bezeichnung für eine historische Region in Zentralasien im Grenzgebiet der heutigen Staaten Iran und Afghanistan.

Ausdehnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Zabulistan (oder Zavulistan) beschreibt eine Region, die zwischen den Städten Farah (Afghanistan) und Zahedan (Iran) liegt. Es umfasste in der Antike wohl ein größeres Gebiet, denn neben der Stadt Zabol im Iran trägt auch eine Provinz Afghanistans (an der Grenze zu Pakistan) am Fuße des Hindukusch den Namen Zabul. Im Laufe der Jahrhunderte fanden zahlreiche Gebietsveränderungen zwischen den Regionen statt, sodass der Begriff Zabulistan gelegentlich auch mit der westlich gelegenen Nachbarregion Sistan gleichgesetzt wurde. Auch Zabol liegt in der historischen Einflusssphäre Sistans.

Den chinesischen Fernhändlern im 6. und 7. Jahrhundert war das Reich Zabul unter dem Namen Ts'ao bekannt, eine Umschreibung der Eigenbezeichnung Ğawul oder Žawul.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sassaniden beherrschten die Region Zabulistan im 3. Jahrhundert, wovon unter anderem örtliche Nachprägungen sassanidischer Münzen zeugen.[2]

Im Rahmen der islamischen Expansion wurde Zabulistan mehrfach erobert, ging aber auch wieder verloren. Bis ins 9. Jahrhundert herrschten die Zunbils in Zabulistan sowie dem benachbarten Zamindawar (Arachosien) und widersetzten sich dem Islam; über ihre eigene Religion ist nur wenig bekannt. Der Hauptgott Žun wird als Fisch- und vermutlich Handels-Gottheit beschrieben; der König trug eine Krone in Form eines Fischkopfes und ein großes Fischskelett war vor dem Žun-Tempel ausgestellt.[1] Zu Beginn des 8. Jahrhunderts war Zunbil dem Kalifen nur kurz tributpflichtig. Es kam schließlich in den 860er Jahren zu einem Feldzug der Saffariden gegen den Zunbil, und Zabulistan wurde von Sistan eingenommen.

Der persische Geschichtsschreiber Mir Hwand berichtet, dass unter Ahmad Sandschar, dem letzten seldschukischen Fürsten, der diese Gebiete beherrschte, die Provinzen Zabulistan und Sistan von einem Vertrauten des Sultans regiert wurden. Das von ihm beschriebene Zabulistan lag fast vollständig im heutigen Afghanistan. Die Hauptstadt war Ghasna, es grenzte an Ghur, Indien, Sistan und Chorasan.[3]

Mythologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der persischen Mythologie zufolge war Zabulistan das Geburtsland des iranischen Volkshelden Rostam. Das Land taucht in verschiedenen überlieferten Sagen und Erzählungen auf.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b H. Miyakawa und A. Kollautz: Ein Dokument zum Fernhandel zwischen Byzanz und China zur Zeit Theophylakts In: Byzantinische Zeitschrift, S. 14 (Anhang). De Gruyter Januar 1984. ISSN 1868-9027.
  2. James Howard-Johnston: The Sasanian state: the evidence of coinage and military construction. In: Journal of Ancient History, De Gruyter November 2014. ISSN 2324-8114.
  3. Johann August Vullers: Mirchond’s Geschichte der Seldschuken G. F. Heyer, Gießen 1837. ISBN 978-3-11-155182-1.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]