Zylindrische Güterwagen der EBR

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Zylindrische Güterwagen der EBR
Anzahl: mind. 266
Hersteller: North of England Wagon Company
Metropolitan Railway Carriage and Wagon Company
Baujahr(e): ab 1870
Bauart: Güterwagen der Spezialbauart
Spurweite: 1676 mm
Länge: 6400 mm
Höhe: 3657 mm
Breite: 3100 mm
Leermasse: 5,9 t
Lademasse: 10 t
Laderaum: 48,42 m³ (1710 cft)
Die Maßangaben beziehen sich auf die von North of England Wagon Co. gebauten Wagen. Für die später von Metropolitan Carriage & Wagon gebauten Wagen liegen keine gesicherten Angaben vor.

Zylindrische Güterwagen waren von 1870 bis um 1900 bei der Eastern Bengal Railway (EBR) in Britisch-Indien im Einsatz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lose Fasern, wie Jute oder Baumwolle, durften beim Transport nicht nass werden. Aufgrund der Schwierigkeit, gedeckte Güterwagen mit solcher Ladung während der starken Regenfälle in Indien wasserdicht zu halten, konstruierte Franklin Prestage von der EBR 1869 einen speziellen zylindrischen Wagen, der komplett aus Schmiedeeisen war und eher wie ein Kesselwagen aussah. Nachdem ein Musterwagen mit geringfügig kleineren Abmessungen ab 1869 erfolgreich getestet wurde, bestellte die Gesellschaft 1870 bei der North of England Wagon Company in Preston 80 solche Wagen.[1][2]

Es erfolgten mehrere Nachbestellungen und bis 1875 waren bereits 194 Wagen im Einsatz.[3] 1878 bestellte man auch bei der Metropolitan Railway Carriage and Wagon Company entsprechende Wagen.[4] Bis zum 31. Dezember 1894 wuchs der Bestand auf 266 Exemplare.[5]

Am 31. Dezember 1899 tauchen die Wagen das letzte Mal in den Bestandslisten auf. Zu diesem Zeitpunkt waren es 259 im Einsatz befindliche Exemplare.[6] Ob der Tod von Franklin Prestage 1897 mit der Entscheidung in Verbindung stand, zukünftig doch herkömmliche gedeckte Güterwagen für den Transport von Baumwolle und Jute zu verwenden, ist nicht bekannt.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wagen wurden komplett aus Schmiedeeisen gefertigt. Der zylindrische Behälter war 6400 mm lang und hatte einen Durchmesser von 3100 mm. Auf beiden Seiten waren wasserdicht abschließende Türen eingebaut. Unterhalb der Türen waren die Behälter über die gesamte Länge mit Winkeleisen verstärkt, an dem die Achslager befestigt waren. An den Enden befanden sich Querträger, an denen Puffer und Kupplung montiert waren. Ansonsten hatten die Wagen keinen eigentlichen Rahmen. Die Unterkante des Behälters war gleich mit Unterkante der Achsen.[7][8]

Diese Wagen waren sehr stabil. Bei der Entgleisung eines Zuges mit einer Geschwindigkeit von 29 km/h wurden alle 21 Güterwagen aus Holz zertrümmert. Die acht zylindrischen Wagen dagegen waren so wenig beschädigt, dass sie nach einigen kleinen Reparaturen an Ort und Stelle auf ihren eigenen Rädern zu den 65 km entfernten Werkstätten gefahren werden konnten.[9]

Im Juni 1869 ließ Prestage diese rahmenlose zylindrische Bauweise über einen Freund in London zum Patent anmelden.[10] Er entwarf 1870 noch verschiedene weitere Güterwagen in dieser Bauweise, die aber nie verwirklicht wurden.[11][2]

Wirtschaftlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wagen waren in wirtschaftlicher Hinsicht sehr rentabel, da das Eigengewicht im Verhältnis zur Nutzlast geringer als bei herkömmlichen Güterwagen war. Zwar war das Gewicht eines zylindrischen Wagens geringfügig höher, als das eines gewöhnlichen gedeckten Güterwagens aus Holz, aber dieser Gewichtsunterschied stand in keinem Verhältnis zu der höheren Tragfähigkeit der ersteren Fahrzeuge.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Prestage’s cylindrische eiserne Güterwagen. In: Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens. Band 7. Organ des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen, 1870, S. 248 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. a b Prestage’s Cylindrical Iron Goods Wagon. In: Engineering. 5. August 1870, S. 89 (englisch, archive.org).
  3. Eastern Bengal Railway – Goods Rolling Stock 1870 to 1877. In: Professional Papers on Indian Engineering (Second Series). Vol. XII, 1878, S. 199 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Cylindrical Goods Wagons, Eastern Bengal State Ry. In: The Locomotive, Railway Carriage & Wagon Review. Locomotive Publishing Company, London, 15. April 1907, S. 76 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. List of locomotive and vehicle stock on standard and metre gauge railways on the 31st December 1894. In: Administration Report on the Railways in India, 1894 to 1895 (Part I. and II.). The Government Central Printing Office, 1895, S. 280 (englisch, archive.org).
  6. List of locomotive and vehicle stock on standard and metre gauge railways on the 31st December 1899. In: Administration Report on the Railways in India, 1899 to 1900 (Part I. and II.). The Government Central Printing Office, 1. Juni 1900, S. 332 (englisch, archive.org).
  7. Cylindrical Iron Goods Wagon, Eastern Bengal Railway. In: The Engineer. 31. März 1871, S. 216 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Cylindrische eiserne Güterwagen für die bengalische Eisenbahn. In: Der Fortschritt – Illustrirte österreichisch-ungarische Eisenbahn-Zeitung. Nr. 32. Zentralorgan für Volkswirtschaft und Technik, Wien 6. August 1871, S. 258 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Minutes of Proceedings of the Institution of Civil Engineers, Band 46. 1876, S. 114 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. English Patents of Inventions, Specifications 1869, No 1708. 1869 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. Prestage’s cylindrical railway waggons for goods and minerals. In: The Mechanics’ Magazine and Journal of Science, Arts, and Manufactures. Band 95, 4. November 1871, S. 351–352 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. Cylindrical Goods Wagons. In: Engineeering. 19. April 1872, S. 267 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).