Schweizerischer Berufsverband für Angewandte Psychologie

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Schweizerischer Berufsverband für Angewandte Psychologie
(SBAP)
Sbaplogo.png
Zweck: Interessenvertretung der Angewandten Psychologie, insbes. der Fachhochschulabsolventen in Psychologie
Vorsitz: Christoph Adrian Schneider (ab 2014)
Geschäftsführer: Janine Sutter
Gründungsdatum: 1952
Mitgliederzahl: 1'000
Mitarbeiterzahl: 5
Sitz: Zürich
Website: www.sbap.ch

Der Schweizerische Berufsverband für Angewandte Psychologie (SBAP) vertritt in der Rechtsform eines Vereins die beruflichen Interessen seiner Mitglieder und die Interessen der Angewandten Psychologie. Der Verband ist Mitglied des Schweizerischen Dachverbandes der Fachhochschul-Absolventen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Initiative von Hans Biäsch wurde 1952 der Verband gegründet, den er bis 1962 präsidierte. Der SBAP hatte anfangs die Funktion einer Fachvertretung der bereits im Jahr 1927 von Carrard, Claparède und Jules Suter gegründeten Schweizerischen Stiftung für Angewandte Psychologie (SSAP)[1]. Er bezweckte den Zusammenschluss der in der Angewandten Psychologie tätigen Eignungs- und Arbeitspsychologen zur Förderung dieses Berufsstandes durch Erfahrungsaustausch, Pflege kollegialer Beziehungen und die Wahrung ihrer beruflichen und wirtschaftlichen Interessen. Hans Biäsch blieb als Ehrenpräsident dem SBAP ein Leben lang verbunden. In den Sechzigerjahren war die Organisation vorwiegend ein Verband für Absolventen des Seminars für Angewandte Psychologie Zürich, denen der Zutritt zur Schweizerischen Gesellschaft für Psychologie (SGP) wegen des fehlenden Hochschulabschlusses verwehrt blieb. 1970 übernahm Peter Müri das Präsidium. Die Qualität der Dienstleistungen seiner Mitglieder war ein wichtiges Anliegen. Mittels Weiterbildungsveranstaltungen wurden die Entwicklungen neuer Methoden und Konzepte in der Psychologie den Mitgliedern näher gebracht.

Als ältester schweizerischer Psychologie- und Psychotherapieverband wuchs der SBAP unter der Präsidentin Heidi Aeschlimann (2000–2014) von 350 auf ca. 1'000 Mitglieder an. Es entstand die Homepage und das Verbands- und Fachorgan punktum. Eine professionelle Geschäftsstelle wurde gebildet und 2008 konnte die erste politische Sekretärin, Heloisa Martino, angestellt werden. Seit 2014 ist Heinz Marty SBAP-Präsident. Heute engagiert sich der SBAP vor allem in standes- und berufspolitischen Fragen. Er bietet seinen Mitgliedern diverse Dienst- und Serviceleistungen sowie Vergünstigungen für diverse Produkte an.

Verbandsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organisation und Organe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mitgliederversammlung ist das höchste Organ und wählt Präsidium und Vorstand. Der Verband ist als geschäftsführendes Präsidium (zurzeit: Heinz Marty) mit einer politischen Sekretärin (zurzeit: Heloisa Martino) und einer Geschäftsstellenleiterin (zurzeit: Gülbin Erogul) organisiert. Sieben Vorstandsmitglieder zeichnen sich für die entsprechenden Ressorts verantwortlich. Die professionelle Geschäftsstelle ist das Dienstleistungszentrum des SBAP und für Fragen der Verbandsmitglieder sowie der Öffentlichkeit zuständig, wie Fachpersonen–Vermittlung. Aus allen Anwendungsgebieten der Angewandten Psychologie werden in der ganzen Schweiz die entsprechenden Fachpsychologen vermittelt.

Der Verband hat in einer Berufsordnung berufsethische Grundsätze festgelegt, welche die Verantwortlichkeit, die berufliche Kompetenz, Schweigepflicht und Datenschutz, Gestaltung der beruflichen Beziehungen, Mitverantwortung für die Berufsethik des SBAP und seiner Mitglieder regelt. Bei gravierenden Verstössen gegen die Berufsordnung kann der Vorstand Mitglieder ausschliessen.

Kommissionen und Arbeitsgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorstand ernennt die Mitglieder der Kommissionen. Nebst den Berufsregister-Kommissionen, die die Anträge für entsprechende SBAP-Fachtitel prüfen, sind die Strategie-Kommission sowie die punktum.-Redaktions-Kommission aktiv. Die Strategie-Kommission setzt sich mit der Zukunft des Verbandes auseinander und stellt dem Vorstand Ziele und Visionen zur Diskussion vor. Die punktum.-Redaktions-Kommission ist verantwortlich für die Publikation des Verbandsorgans.

Der Vorstand delegiert die Vertretungen in folgenden Arbeitsgruppen. Die Arbeitsgruppe Internet befasst sich mit dem Webauftritt des SBAP während die Arbeitsgruppe Presse den Kontakt zu den Medien pflegt und sich in der Öffentlichkeitsarbeit engagiert.

Der Verband ist aktiv in diversen externen Arbeitsgruppen vertreten, unter anderem in:

  • Fachgruppe «Mental Health» von Public Health Schweiz
  • Arbeitsgruppe Kongress der CH-Psy-Verbände
  • «Runder Tisch»: der Psychotherapie- und Psychiatrieverbände FSP, ASP, GedaP, SGDP, SGKJPP, SGPP und SBAP
  • Eidgenössische Psychologieberufekommission PsyKo

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedingungen für die Mitgliedschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder können werden:

  • Studierende eines Hochschulstudiums in Psychologie
  • Personen, die ein Hochschulstudium in Psychologie (Hauptfach) abgeschlossen haben
  • Personen anderer Berufsgattungen, die im Bereich der Angewandten Psychologie tätig sind (Gastmitglied) oder
  • andere natürliche oder juristische Personen

Alle Mitglieder verpflichten sich zur Einhaltung der Berufsordnung, die der Verhaltensorientierung und der ethischen Konsensbildung innerhalb des SBAP dient. Die Einhaltung der Richtlinien zur Fortbildung sind integraler Bestandteil der Mitgliedschaft. Der Verband überprüft die jährlichen Fortbildungsprotokolle.

Aufgaben und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgaben gemäss Vereinsstatuten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäss den Vereinsstatuten bezweckt der Verband heute, die beruflichen Interessen seiner Mitglieder zu vertreten. Auszug aus den Statuten:[2] «Er nimmt insbesondere folgende Aufgaben wahr:

  • Er setzt sich für eine hohe Qualität in der psychologischen Aus- und Weiterbildung und in der Ausübung psychologischer Berufe ein, er kann namentlich Fachtitel verleihen, welche an bestimmte Anforderungen geknüpft sind;
  • Er setzt sich für die Anerkennung der Angewandten Psychologie in Politik und Gesellschaft ein; er kann auf diesem Gebiet wissenschaftliche Forschungen unterstützen und Preise verleihen;
  • Er fördert die beruflichen Kenntnisse seiner Mitglieder, namentlich indem er deren Fortbildung und den Informations- und Erfahrungsaustausch unterstützt und Kontakte mit Hochschulen und Fachorganisationen im In- und Ausland pflegt.»

Berufspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband betreibt aktiv Berufspolitik. Er ist in nationalen und kantonalen Gremien vertreten und setzt sich für die Belange der Angewandten Psychologie ein. Zum Beispiel war der SBAP Mitglied der beiden eidgenössischen Kommissionen, die das Psychologieberufe-Gesetz (PsyG) vorbereiteten, das 2011 vom Schweizer Parlament praktisch einstimmig gutgeheissen wurde und am 1. Januar 2013 in Kraft tritt. Der SBAP engagiert sich für die Gleichwertigkeit des dualen Bildungsweges.

Fachtitel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband verleiht zehn gesetzlich geschützte Fachtitel, unter anderem in Psychotherapie, Berufs- und Laufbahnberatung, Kinder- und Jugendpsychologie, in Schriftpsychologie und in Notfallpsychologie. Alle Fachpsychologen weisen ein Grundstudium in Psychologie auf Masterniveau aus und haben sich spezialisiert, das heißt sich den SBAP–Richtlinien entsprechend weitergebildet. Alle Fachpsychologen verpflichten sich zu Fortbildung, die dem Erhalt der beruflichen Qualifizierung dient, und der Einhaltung der Berufsordnung der SBAP. Die Fachtitel sind als Qualitätslabel den Kriterien wirtschaftlich, zweckmässig und wirksam verpflichtet.

Aktivitäten / Öffentlichkeitsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

punktum.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viermal jährlich erscheint die Fach- und Verbandszeitschrift punktum. mit aktuellen Beiträgen zu Themen der angewandten Psychologie. Diese erscheint in einer Auflage von 1'400 Exemplaren und in der virtuellen Fachbibliothek Psychologie.

Forum 13[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Forum 13 bietet der Verband zweimal jährlich seinen Mitgliedern mit Referaten Einblicke in die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Angewandten Psychologie. Einmal jährlich findet eine Betriebsbesichtigung statt, die aus arbeits- und organisationspsychologischer Perspektive interessant ist.

SBAP–Ethik–Forum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem SBAP-Ethik-Forum, das ab 2011 zweimal jährlich stattfindet, will der Verband Ethik zum Thema im Verband machen. Die öffentliche und gemeinsame Reflexion der professionellen Praxis, die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Fragen nach Werten und professionellen Haltungen, das engagierte Abwägen von Argumenten und Erkenntnissen fördern eine gemeinsame Gesprächskultur innerhalb des Verbandes und können damit mittelbar zur Qualitätssicherung beitragen. Die Mitglieder werden eingeladen, sich an diesem normativen Diskurs innerhalb des Verbandes aktiv zu beteiligen und an den Foren mit eigenen Fragestellungen oder als Gesprächspartner teilzunehmen. Aktuell leitet der Philosoph und Ethiker Peter A. Schmid die Ethik-Foren.

Kongresse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband war Mitorganisator des 4. Kongresses der Schweizer Psy-Verbände, welcher am 18. Juni 2011 in Bern zum Thema PsychotherapeutIn 2025 veranstaltet wurde.

Wissenschaftliche Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband hat von 2003 bis 2006 eine wissenschaftliche Studie erstellt zur Evaluation der Wirksamkeit von ambulanten Psychotherapien im Einzelsetting. Untersucht wurden 31 Psychotherapeut und 150 Patienten mit einer ICD-10-relevanten Diagnose. Die umfassende Analyse hat eine generelle Wirksamkeit mit mittleren bis hohen Effektstärken für ein breites Spektrum psychischer Erkrankungen ergeben.[3]

Der Verband hat Jürgen Kriz mit einem Gutachten über den Begriff der Wissenschaftlichkeit in der Psychotherapie beauftragt. Dieses Gutachten wurde als Sonderdruck punktum. im Mai 2003 vom SBAP herausgegeben.

Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vermittlung von Fachpersonen an Firmen und Private
  • Assistenzprojekt für erwerbslose Psychologen
  • Webseite für Mitglieder
  • Beratung zu Karriereplanung und Weiterbildungswahl
  • Weiterbildungs- und Fortbildungsangebote (z. B. in Notfallpsychologie, Neuropsychologie des Kindes- und Jugendalters und Sandspieltherapie)
  • Mentoring
  • Stelleninserate
  • Verbandszeitschrift punktum.
  • Berufspolitische Informationen
  • Serviceleistungen
  • Umwandlung eines IAP/HAP-Diploms in einen Fachhochschultitel
  • Mitglieder erhalten Dienstleistungen und Vergünstigungen des Dachverbandes FH Schweiz.

Für die Öffentlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Notfallpsychologische Hilfe (Vermittlung von Notfallpsychologen)
  • Fachpersonenvermittlung durch die Geschäftsstelle SBAP
  • Zeitschrift punktum.
  • Insertion in der Zeitschrift punktum.
  • SBAP-Qualitätslabel: Die SBAP-Fachtitel sind gesetzlich geschützt und ein Qualitätslabel für Fachpsychologen

Nationale und internationale Vernetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

SBAP-Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • FH Schweiz, Schweizerischer Dachverband der Fachhochschul-Absolventen.
  • AHPGS, Akkreditierungsagentur für Studiengänge im Bereich Gesundheit und Soziales, die im European Quality Assurance Register (EQAR) gelistet ist.
  • Public Health Schweiz: Nationale Dachorganisation für öffentliche Gesundheit: Der SBAP engagiert sich in der Fachgruppe «Mental Health».
  • Aktionsbündnis psychische Gesundheit Schweiz: Der Verband unterstützt das Aktionsbündnis Psychische Gesundheit Schweiz, das sich für die Sicherung und Verbesserung der psychischen Gesundheit in der schweizerischen Bevölkerung einsetzt.
  • SGPO, Schweizerische Gesellschaft für Psycho-Onkologie

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stiftung CareLink: Organisation zur psychologische Betreuung nach belastenden Ereignissen
  • fritz & fränzi, das Elternmagazin: Der SBAP pflegt eine Inhaltspartnerschaft. Er berät Leser in einer eigenen Kolumne (Herausgeber: Stiftung elternsein)
  • «Runder Tisch»: Fachaustausch zwischen den Psychotherapie- und Psychiatrieverbänden FSP, ASP, GedaP, SGDP, SGKJPP, SGPP und SBAP.
  • Kongress der Schweizer Psy-Verbände: Zweijährlich stattfindender Psychotherapiekongress
  • Begleitgruppe Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV)-Änderung

Preis in Angewandter Psychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2002 verleiht der Verband alle zwei Jahre den mit 10'000 Franken dotierten SBAP-Preis in Angewandter Psychologie für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Angewandten Psychologie im In- und Ausland. Bisherige Preisträger: Remo H. Largo (2002); Marianne Regard (2004); Evelin Lindner (2006); Peter Schneider (2008); Kinderschutzgruppe des Kinderspitals Zürich (2010); Harald Welzer (2012).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vogel, H. (1959). Angewandte Psychologie in der Schweiz. Herausgegeben anläßlich des dreißig-jährigen Bestehens der “Schweizerischen Stiftung für Angewandte Psychologie“. Bern und Stuttgart (Verlag Hans Huber) 1959
  2. Vereinsstatuten 2014 (PDF; 123 kB)
  3. H. S. Grünwald et al.: Ergebnisqualität methodenübergreifender ambulanter Psychotherapie: Eine Wirksamkeitsstudie in der deutschsprachigen Schweiz. Psychother Psych Med. 2008, 58, S. 387-394.