Österreichischer Gewerkschaftsbund

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Österreichischer Gewerkschaftsbund
(ÖGB)
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Zweck: Gewerkschaft
Vorsitz: Erich Foglar
Gründungsdatum: 1945
Mitgliederzahl: 1,25 Millionen (2007)
Sitz: Wien
Website: www.OeGB.at
Der Hauptsitz des ÖGB in Wien-Leopoldstadt, Johann-Böhm-Platz 1

Der Österreichische Gewerkschaftsbund ist eine 1945 gegründete überparteiliche Interessenvertretung für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen. Er ist als Verein konstituiert und gliedert sich intern in sieben Teilgewerkschaften. Traditionell wird er von der Fraktion Sozialdemokratischer GewerkschafterInnen dominiert. Während der Diktatur des Ständestaats 1934–1938 bestand eine von der Regierung abhängige, nicht demokratisch konstituierte Organisation gleichen Namens.

Teilgewerkschaften (Fachgewerkschaften)[Bearbeiten]

Die sieben Teilgewerkschaften sind:

Siehe auch: Liste von Gewerkschaften in Österreich, zur Geschichte

Die Bezeichnung Teilgewerkschaft ist für die Gewerkschaften des ÖGBs zutreffender als die Bezeichnung Fachgewerkschaften, da die Einteilung nicht vollständig nach Wirtschaftsgruppen erfolgt, sondern weitaus komplexer funktioniert:
So haben sich die Fachgewerkschaften (also jene Gewerkschaften die für bestimmte Teile des Wirtschaftslebens zuständig sind) nur um die Arbeiter ihrer Betriebe zu kümmern, während sich die GPA um die Angestellten kümmerte.
Weiters betreuen die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes (GÖD, GdG) nicht nur Arbeitnehmer des Staates, sondern auch die aus dem staatlichem Umfeld ausgelagerten Firmen, so diese nicht ihre eigenen Gewerkschaften (wie GPF, ehem. GdE) haben.
In den heutigen Strukturierungen wird die in Österreich traditionell stark gewesene Trennung in Arbeiter- und Angestelltenschaft nicht mehr aufrechterhalten, und die (Klein-)Unternehmerschaft und andere Formen neuer Arbeitsverhältnisse sind in die gewerkschaftliche Vertretung integriert.

Der ÖGB als Unternehmer[Bearbeiten]

  • Sotour Austria
  • AVP Beteiligungs GmbH
  • Pontes Beteiligungs-AG
  • Solidaritäts-Privatstiftung
  • Arbeitsmarktservice Betriebsgesellschaft
  • Elektronische Datenverarbeitung GmbH & Co KG
  • Pichler Medienvertrieb
  • Bücherzentrum

mit 1. Juli 2007 wurden die PONTES Beteiligungs AG und die Elektronische Datenverarbeitung GmbH & Co KG zur Elektronische Datenverarbeitung GmbH zusammengefasst. Rechtlich wurde dazu die PONTES Beteiligungs-AG in eine GmbH umgewandelt und in „Elektronische Datenverarbeitung GmbH“ umbenannt. Diese übernahm das gesamte Unternehmen der bisherigen Elektronische Datenverarbeitung GmbH & Co KG im Wege der Anwachsung mit zivilrechtlicher Gesamtrechtsnachfolge.

Bis in die 1980er Jahre hinein war der ÖGB der größte private Bankier in Österreich (BAWAG).

Der ÖGB als Stiftungseigner[Bearbeiten]

  • Desana-Stiftung, über die der ÖGB direkt bis zu 37 % am zusammengebrochenen US-Brokerhaus Refco beteiligt war (siehe auch BAWAG-Affäre).
  • Die drei Stiftungen "Bagani", "Waterbridge" und "Gutenstein" in Liechtenstein, die die Verbindlichkeiten in Höhe von 670 Mio. Euro von acht liechtensteinischen Stiftungen der Bawag übernahmen.[1]

Fraktionen[Bearbeiten]

Die Führung des ÖGB ist nach Fraktionen organisiert. Die Fraktionen haben enge Bindungen zu den jeweiligen politischen Parteien. Die Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) ist die stärkste Fraktion und besetzt die meisten Spitzenpositionen. Ihr derzeitiger Vorsitzender ist Wolfgang Katzian von der GPA-djp. Die FSG hat ein enges Verhältnis zur SPÖ. Zweitstärkste Fraktionen ist die Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) die der ÖVP nahesteht und die Gewerkschaft öffentlicher Dienst dominiert, die Unabhängigen GewerkschafterInnen im ÖGB (UG), die Fraktion Parteifreier Gewerkschafter, die Freiheitlichen Arbeitnehmer (FA) und die Fraktion Gewerkschaftlicher Linksblock (GLB).

Organisation[Bearbeiten]

Teile Präsident, wirtschaftl. Macht scheinen seit 2008 nicht mehr aktuell zu sein. Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/2008

Zusätzlich zu den Teilgewerkschaften und den Fraktionen ist der ÖGB auch in Abteilungen organisiert, so zum Beispiel die Jugendabteilung (ÖGJ), die mehr oder weniger in jeder Gewerkschaft vorhanden ist.

Darüber hinaus existiert wiederum die Aufteilung in Landesorganisationen, die sich auch in den meisten Gewerkschaften fortsetzt.

Bis zum 27. März 2006 war Fritz Verzetnitsch Präsident, welcher aber nach dem Bekanntwerden des sogenannten „BAWAG-Skandals“ von sämtlichen gewerkschaftlichen und politischen Funktionen zurücktrat - und am 2. Mai vom ÖGB entlassen wurde. Als seinen interimistischen Nachfolger bis zum nächsten Bundeskongress 2007 hat Verzetnitsch den bisherigen Vizepräsidenten Rudolf Hundstorfer beauftragt, der bei diesem Kongress auch offiziell bestätigt wurde und nun neuer Präsident des ÖGB ist.

Die innere Demokratie des Vereines ÖGB ist nicht ausgeprägt. Die Mitglieder in den Betrieben und Dienststellen haben kein direktes Wahlrecht, weil die Ergebnisse der jeweils letzten Betriebsrats- beziehungsweise Personalvertretungswahlen eins zu eins auch auf die gewerkschaftlichen Gremien umgelegt werden. In letzter Konsequenz bestimmen daher auch Nichtmitglieder über die Zusammensetzung der gewerkschaftlichen Gremien. Der Aufbau des ÖGB ist zudem stark zentralistisch. Dies führte in der Vergangenheit auch dazu, dass sich ein scheidender Präsident seinen Nachfolger aussuchen konnte (Benya "bestimmte" Verzetnitsch). Die Wahl war dann ein bloßer Formalakt.

Der ÖGB ist Mitglied der Sozialpartnerschaft und hat mit seiner hohen Mitgliederzahl großen Einfluss auf die Wirtschafts- und Sozialpolitik. Er besitzt beträchtliche wirtschaftliche Macht (die BAWAG mit Anteilen an Druckereien sowie Reisebüro Ruefa, das aber 2005 vollständig vom Österreichischen Verkehrsbüro gekauft wurde).

Der ÖGB hat laut eigenen Angaben (2006) ca. 1,3 Mio. Mitglieder, erleidet aber seit vielen Jahren beträchtlichen Mitgliederschwund, der zuletzt durch den BAWAG-Skandal noch verstärkt wurde. Die Zentrale befindet sich in Wien (Johann Böhm Platz 1; 1020). Der ÖGB ist mit Anfang des Jahres 2010 zusammen mit den Fachgewerkschaften ProGe, Bau-Holz, vida, Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten und dem Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung (VÖGB), dem ÖGB-Verlag und dem Reiseunternehmen Sotour Austria. in diese neue Zentrale gezogen.

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Geschichte[Bearbeiten]

Schon vor der formellen Errichtung des Ständestaates (1934–1938) wurde am 2. Februar 1934 von der Diktaturregierung Dollfuß ein Österreichischer Gewerkschaftsbund gegründet, nachdem unter anderem die sozialdemokratisch orientierten freien Gewerkschaften verboten worden waren. Sein nicht demokratisch bestimmter Präsident war der Christlichsoziale Johann Staud. Die Organisation war als „Feigenblatt“ der Diktatur gegenüber der Arbeiterschaft zu betrachten, entfaltete keine nennenswerte Wirksamkeit und wurde vom 1945 gegründeten ÖGB nicht als Vorläufer anerkannt.

Der ÖGB wurde unmittelbar nach Ende der Schlacht um Wien am 15. April 1945 in Wien von Lois Weinberger (ÖVP, erster Vizepräsident), Gottlieb Fiala (KPÖ) und Johann Böhm (SPÖ, erster Obmann) gegründet. Sozialdemokratische, kommunistische und christliche Gewerkschafter gründeten eine im Unterschied zur Ersten Republik einheitliche, nicht parteigebundene Gewerkschaftsorganisation mit dem Namen Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB).

1947 wurden das neue Betriebsrätegesetz und das Kollektivvertragsgesetz beschlossen und dem ÖGB die Kollektivvertragsfähigkeit zuerkannt. 1947 überschritt die Mitgliederzahl des ÖGB die Millionengrenze.

Im Zuge des ersten ÖGB-Bundeskongresses 1948 wurden 16 Fachgewerkschaften gegründet. Die Anzahl der heute Teilgewerkschaften genannten Organisationseinheiten hat sich durch Zusammenschlüsse bis 2011 auf sieben reduziert.

Präsidenten des ÖGB (siehe unten) bekleideten auch hohe Staatsämter: Johann Böhm war Zweiter Präsident des Nationalrats, Anton Benya Präsident des Nationalrats. Andere wurden nach ihrer ÖGB-Präsidentschaft zu Bundesministern bestellt: Franz Olah zum Innenminister, Rudolf Hundstorfer zum Sozialminister. Zwei Präsidenten schieden im Unfrieden aus hohen Ämtern: Olah wurde 1964 als Innenminister abberufen und aus der SPÖ ausgeschlossen, Fritz Verzetnitsch musste 2006 als ÖGB-Präsident zurücktreten, da er ohne Wissen des ÖGB-Präsidiums für den ÖGB hohe Haftungen für die ins Trudeln geratene „Gewerkschaftsbank“ BAWAG P.S.K. übernommen hatte.

Präsidenten des ÖGB[Bearbeiten]

Erich Foglar Rudolf Hundstorfer Friedrich Verzetnitsch Anton Benya Franz Olah Johann Böhm (SPÖ)

Literatur[Bearbeiten]

  • Robert Lorenz: Der ÖGB. Zur Geschichte und Zukunft österreichischer Gewerkschaften. Nomos, Baden-Baden 2012, ISBN 978-3-8329-7758-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.diepresse.com[3]
  2. ÖGB-Mitgliederstatistik seit 1945[4]
  3. ÖGB-Mitgliederstatistik 1945 - 1999[5]
  4. ÖGB-Leistungsbilanz 2000[6]
  5. ÖGB-Leistungsbilanz 2001[7]
  6. ÖGB-Jahresbericht 2003[8]
  7. ÖGB-Jahresbericht 2005[9]
  8. Pressekonferenz nach dem ÖGB-Bundesvorstand Wien, am 18. Mai 2009[10]
  9. ÖGB-Mitgliederstatistik 2007 - 2009[11]
  10. ÖGB-Mitgliederstatistik 2010[12]
  11. ÖGB-Mitgliederstatistik 2011[13]

Weblinks[Bearbeiten]