Ḥarām

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Ḥarām (arabisch ‏ حرام‎, DMG ḥarām) ist ein arabisches Adjektiv, das im Islam alles dasjenige bezeichnet, was nach der Scharia "verboten, unverletzlich, geheiligt" ist. In seiner Mehrdeutigkeit entspricht es im Deutschen am ehesten dem Konzept des Tabu. Das Gegenteil von ḥarām ist ḥalāl (‏حلال‎), was das nach der Scharia Erlaubte bezeichnet. Abzugrenzen ist das Adjektiv ḥarām von dem arabischen Substantiv Ḥaram, das einen heiligen Bezirk kennzeichnet.

Als Begriff für Verbotenes[Bearbeiten]

Als Begriff für "Verbotenes" begegnet der Begriff ḥarām schon im Koran. So werden in Sure 16:116 die Menschen aufgefordert, nicht mit lügnerischer Zunge zu behaupten, dass das Eine erlaubt (ḥalāl) und das Andere verboten (ḥarām) sei. Nach islamischer Auffassung begeht ein Muslim mit der Ausführung einer vom Koran oder von der Rechtslehre als ḥarām eingestuften Tat eine Sünde. In diesem Sinne ist ḥarām von dem Adjektiv mamnu' / ‏ممنوع ‎ / mamnūʿ abzugrenzen, das im weltlichen Recht Verbotenes bezeichnet.

Ḥarām ist die Letzte der fünf Kategorien menschlicher Handlungen in der islamischen Rechtswissenschaft.

Eines der wichtigen neueren arabischen Werke, in dem Ḥarām-Verbote behandelt werden, ist das 1960 zum ersten Mal veröffentlichte Buch "Das Erlaubte und das Verbotene im Islam" (al-Ḥalāl wa-l-ḥarām fī l-Islām) von Yusuf al-Qaradawi. Hier werden unter anderem das Weinverbot, das Verbot, Denkmäler zu errichten, die verschiedenen Arten verbotener Magie und verschiedene Verbote aus dem ökonomischen Bereich wie das Zinsverbot und das Verbot von Risikogeschäften ausführlich erörtert.

Als Begriff für Heiliges[Bearbeiten]

Auch im Sinne von „unverletzlich“ bzw. „heilig“ kommt der Begriff ḥarām schon im Koran vor. So wird an mehreren Stellen (zum Beispiel 2:144; 17:1) die Kaaba mit der sie umgebenden Anlage al-masdschid al-ḥarām (‏المسجد الحرام‎ / ‚die heilige Kultstätte/Moschee‘) genannt. Und für die Kaaba selbst wird an anderer Stelle (Sure 5:97) der Begriff al-bait al-ḥarām (‏ البيت الحرام‎ / ‚das heilige Haus‘) verwendet. In § 49 der Gemeindeordnung von Medina, die in ihrer erhaltenen Version auf das Jahr 627 zu datieren ist, wird auch das Tal der vorislamischen Siedlung Yathrib (islamisch: Medina) für ḥarām erklärt.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  William Robertson Smith: Lectures on the Religion of the Semites. The fundamental institutions. 3 Auflage. A. & C. Black Ltd., London 1927, S. 152–153, 446ff.
  •  Julius Wellhausen: Reste arabischen Heidenthums. 3. Auflage. de Gruyter, Berlin 1961.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. R. B. Serjeant: The Sunnah Jāmiʿa, pact with the Yathrib Jews, and the Taḥrīm of Yathrib: Analysis and translation of the documents comprised in the so-called „Constitution of Medina.“ In Bulletin of the School of Oriental and African Studies (BSOAS) 41 (1978), S. 1-42. hier: 34-35 und 38-39