Koran

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Die erste Sure al-Fatiha in einer Handschrift vom Kalligraphen Aziz Efendi. (Transkription und Übersetzung auf der Bildbeschreibungsseite)
Teil eines Verses aus der 48. Sure Al-Fath in einer Handschrift aus dem 8. oder 9. Jahrhundert.

Der Koran oder Qur'an [qurˈʔaːn] (arabisch ‏القرآن‎ al-qurʾān ‚die Lesung, Rezitierung, Vortrag‘) ist die Heilige Schrift des Islam, die gemäß dem Glauben der Muslime die wörtliche Offenbarung Gottes (arab. Allah) an den Propheten Mohammed enthält, vermittelt durch "Verbalinspiration" des Engel Gabriel ("Diktatverständnis" des Korans). Er ist in einer speziellen Reimprosa abgefasst, die auf Arabisch als sadschʿ (‏سجع‎ / saǧʿ) bezeichnet wird. Der Koran besteht aus 114 Suren, diese bestehen wiederum aus einer unterschiedlichen Anzahl an Versen (arabisch: āyāt).

Ein wichtiges Kennzeichen des Korans ist seine Selbstreferentialität.[1] Das bedeutet, dass der Koran sich an vielen Stellen selbst thematisiert. Auch die meisten Glaubenslehren der Muslime hinsichtlich des Korans stützen sich auf solche selbstreferentiellen Aussagen im Koran.

Inhaltsverzeichnis

Der Koran im Glauben der Muslime [Bearbeiten]

Der Koran stellt für die Muslime das Wort Gottes in arabischer Sprache dar, dem Folge zu leisten ist. Er ist die Hauptquelle des islamischen Gesetzes, der Schari'a, weitere Quelle der Schari'a ist unter anderem die Sunna des Propheten Mohammed. Der Koran trägt im Arabischen das Attribut karim (edel, würdig). Unter deutschsprachigen Muslimen ist der Begriff der Heilige Qur'an gebräuchlich.

Die Frage, ob der Koran unerschaffen oder erschaffen sei (chalq al-Koran / ‏خلق القرآن ‎ /‚Die Erschaffenheit des Korans‘), hat in der islamischen Theologie immer wieder zu heftigen Diskussionen geführt.

Der Koran als offenbarter Text [Bearbeiten]

Mohammeds Aufruf zum Prophetentum und die erste Offenbarung; Blatt aus einer Kopie des Madschma at-tawarich (Maǧmaʿ at-tawārīḫ), ca. 1425, timuridisch, aus Herat (heute im Metropolitan Museum of Art)

Dem islamischen Glauben zufolge geht der Koran auf eine himmlische Urschrift (Umm al-Kitāb, vgl. Sure 3:7; 43:4) zurück und wurde im Monat Ramadan (vgl. Sure 2:185) in der "Nacht der Bestimmung" (vgl. Sure 97 „Al-Qadr“) von Gott in die unterste Himmelssphäre herabgesandt. Von hier aus wurde er Mohammed während seines zwanzigjährigen Wirkens als Prophet jeweils dann, wenn sich die entsprechenden Offenbarungsanlässe ergaben, in Einzelteilen übermittelt.[2]

Gemäß der Überlieferung nach Mohammeds Cousin Ibn ʿAbbās und seinem Schüler Mudschāhid ibn Dschabr fand die erste Offenbarung in der Höhle im Berg Hira statt.[3] Es sind die ersten fünf Verse der Sure 96. Sie beginnt mit den Worten:

اقرأ باسم ربّك الّذي خلق‎ iqraʾ bi-smi rabbika ’llaḏī ḫalaq

„Trag vor im Namen deines Herrn, der erschaffen hat!“

Allgemein wird angenommen, dass Mohammed weder lesen noch schreiben konnte, weshalb die Muslime glauben, dass der Erzengel Gabriel ihm den Befehl gab, das zu rezitieren/vorzutragen, was vorher in sein Herz geschrieben wurde. Daher hat der Koran auch seinen Namen: „Lesung/Rezitation“.

Der islamischen Überlieferung, der Sira-Literatur und der Koranexegese (Tafsir) zufolge trat Mohammed nach der ersten Offenbarung aus der Höhle und der Erzengel Gabriel baute sich in alle Blickrichtungen vor ihm auf. Von diesem Erlebnis soll Mohammed so erschüttert gewesen sein, dass er zitternd zu seiner Frau Chadidscha heimkehrte, die ihn in eine Decke wickelte, worauf die Sure 74 offenbart wurde:

„Der du dich (mit dem Obergewand) zugedeckt hast, erhebe dich und warne (deine Landsleute vor der Strafe Gottes)! Und preise deinen Herrn …“

Der Überlieferung zufolge soll Ali ibn Abi Talib Augenzeuge der ersten Offenbarung gewesen sein. In den folgenden 22 Jahren wurde Mohammed der gesamte Koran offenbart, wobei viele Verse Bezug auf aktuelle Geschehnisse der Zeit nehmen. Andere Verse erzählen von den Propheten (Adam, Abraham, Noah, Josef, Moses, Isa ibn Maryam und weitere) und wieder andere beinhalten Vorschriften und allgemeine Glaubensgrundsätze. Dabei wendet sich der Koran an alle Menschen. Es werden auch Nichtgläubige und Angehörige anderer Religionen angesprochen.

Die Lehre von der Unnachahmlichkeit des Korans [Bearbeiten]

Ein wichtiger Punkt der islamischen Glaubenslehre ist das Konzept der "Unnachahmlichkeit des Korans" (iʿdschāz al-qurʾān). Sie stützt sich auf verschiedene Stellen im Koran, an denen die Ungläubigen aufgefordert werden, einzugestehen, dass sie nicht imstande sind, etwas dem Koran ebenbürtiges hervorzubringen (vgl. Sure 2:223; 11:13), bzw. an denen deutlich ausgesagt wird, dass, selbst wenn Menschen und Dschinn sich zusammentäten, sie nichts ebenbürtiges hervorbringen könnten (vgl. Sure 17:88). Der Koran gilt damit gleichzeitig als "Beglaubigungswunder" für den prophetischen Anspruch Mohammeds.[4]

Aufgrund des Iʿdschāz-Dogmas, das von den Muʿtaziliten im 9. Jahrhundert entwickelt wurde und später allgemeine Verbreitung gefunden hat,[5] gilt der Koran auch als ästhetisches Vorbild für arabische Rhetorik und Dichtung. Seine Sprache beeinflusste darüber hinaus stark die Entwicklung der arabischen Grammatik. Neben den erhaltenen Fragmenten der vorislamischen Dichter galt und gilt das koranische Arabisch als Richtschnur für die Korrektheit sprachlicher Ausdrücke.

Aufbau des Textes [Bearbeiten]

Der Koran besteht aus 114 mit Namen versehenen Suren, von denen 113 mit der Basmala (bi-smi llāhi r-rahmâni r-rahīm / ‏بسم الله الرحمن الرحيم‎ /‚Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.‘) anfangen. Diese Formel wird in Sure 27 Vers 30 wiederholt und erscheint somit 114 Mal.

Die Suren bestehen aus einer unterschiedlichen Anzahl an Versen (arabisch: Āya (Pl. Āyāt), wobei die Suren – bis auf die erste – fast durchgehend der Länge nach angeordnet sind, zum Ende hin kürzer werdend.

Name, Anzahl der Verse und Offenbarungsort – Mekka oder Medina – werden gewöhnlich im Titel der Suren gedruckt. Danach folgt (außer in Sure 9) jeweils die Eröffnungsformel Bismillahi 'r-Rahmani 'r-Rahim: „Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen“, die so genannte Basmala. Diese wird – außer bei der ersten Sure (die Eröffnungssure Al-Fatiha) – grundsätzlich nicht als Vers mitgezählt. Allerdings wird in der Ahmadiyya-Ausgabe die Eröffnungsformel als erster Vers mitgezählt, wodurch sich die Zählung der folgenden Verse jeweils um einen Vers verschiebt (z. B.: 2:30 → 2:31).

Die im Arabischen übliche Zitierweise des Korans ist „<Name der Sure>, <Versnummer>“; in der nicht-islamischen Welt ist dagegen „Koran, Sure <Surennummer>:<Versnummer>“ üblich. Diese Zitierweise ist auch in Studien in arabischer Sprache nunmehr verbreitet.

Die heutige Anordnung der Suren in der Druckausgabe von der Kairoer Universität al-Azhar von 1923 / 1924 geht der traditionellen, jedoch wissenschaftlich nicht gesicherten Auffassung nach auf die Redaktion des dritten Kalifen Uthmân ibn Affân zurück. Allerdings verzeichnet die arabisch-islamische bibliographische Literatur noch im späten 10. Jahrhundert unterschiedliche Surenanordnungen der Kodices, ein Umstand, der eine einheitliche, auf den Propheten Mohammed zurückgehende Surenabfolge für viele Kritiker als fraglich erscheinen lässt. Handschriftenfunde in der Großen Moschee von San'a deuten an, dass Korankodices aus dem ersten muslimischen Jahrhundert (7. Jahrhundert n. Chr.) bedeutende Unterschiede in der Orthographie, in den Lesarten und den Anordnungen der Suren aufweisen.

Die Anordnung der Suren folgt keinem inhaltlichen Muster; vielmehr sind die Suren, mit Ausnahme der ersten Sure Al-Fatiha, grob der Länge nach geordnet (beginnend mit der längsten). Beispielsweise ist die kürzeste Sure die 107. mit nur drei Versen und 41 Buchstaben. Auch viele andere Suren weichen von der Anordnung nach der Länge ab, welches von den Muslimen als Zeichen dafür gesehen wird, dass die Anordnung nicht willkürlich geschah. Die Muslime sind überzeugt, dass die Anordnung der Suren vom Propheten Muhammad so überliefert wurde. Im Gebet ist es deshalb unerwünscht eine spätere vor einer früheren Sure zu rezitieren. Im Gegensatz zu dem Alten Testament und dem Neuen Testament der Bibel, welche größtenteils aus chronologischen Geschichtsbüchern bestehen, gibt es eine solche Ordnung weder innerhalb der Suren noch in ihrer Anordnung, obwohl die chronologische Folge der Suren bekannt ist.[6][7] Oft sind die Suren nach einem bestimmten Wort aus der Sure benannt, ohne jedoch den Hauptinhalt im Titel zu beschreiben, auch inhaltlich sind viele Suren als unzusammenhängend zu betrachten – die Sure An-Nisa (die Frauen) beispielsweise enthält zwar einen wichtigen Teil der Koranstellen mit Bezug auf Frauen, spricht aber ansonsten auch über das Erbrecht sowie über generelle Glaubensinhalte. Ebenso die zweite Sure (Al-Baqara – Die Kuh) welche zwar eine Geschichte mit einer Kuh als Schlachtopfer beinhaltet, jedoch einen Großteil der gesetzlichen Regeln und der Glaubensinhalte vermittelt.

Uneins ist man in der Durchnummerierung der Verse. Deshalb werden in den oft kunstvoll ornamentierten Koranbüchern die Verszahlen mit einer Umrandung von dem Offenbarungstext ausgeschlossen. Auch andere Seitenzahlen bleiben außerhalb des Offenbarungstextes, der klar ersichtlich abgegrenzt wird. Auch ist man sich nicht einig, ob die Basmala sich nur wiederholt oder jedes Mal ein neuer Vers ist. In den meisten Exemplaren wird das erste Vorkommen dieses Verses gezählt, die anderen nicht mehr. Die Ahmadiyya-Nummerierung zählt jede Basmala mit und kommt so auf 6.326 Verse. Andere zählen 6.214 Verse.

Geschichte [Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte des Korantextes

Von der Lesung zum Buch [Bearbeiten]

Der Koran entstand in einem Zeitraum von etwas mehr als zwei Jahrzehnten. Nach dem Ort der Offenbarung wird zwischen mekkanischen und medinensischen Suren unterschieden. Die mekkanischen Suren werden noch einmal in früh-, mittel- und spätmekkanische Suren unterteilt.

Der Prozess der Buchwerdung des Korans lässt sich anhand der frühen Entwicklung des arabischen Begriffs qurʾān, der dem deutschen Wort "Koran" zugrundeliegt, nachverfolgen. Er kommt etwa 70 Mal im Koran selbst vor. Seine ursprüngliche Bedeutung ist "Vortrag, Lesung, Rezitation". In diesem Sinne erscheint er zum Beispiel in zwei Passagen[8] aus mittelmekkanischer Zeit, in denen sich Gott an Mohammed wendet:

„Und übereile Dich nicht mit dem Vortrag (qurʾān), bevor nicht seine Eingebung vollendet ist“

Sure 20:114

„Verrichte das Gebet vom Niedergang der Sonne an bis zum Einbruch der Nachtfinsternis, und die Rezitation (qurʾān) der Morgendämmerung. Bei ihr soll man zugegen sein.“

Sure 75:16-18

In der islamischen Lehrtradition wird das Wort dementsprechend als Verbalsubstantiv zu dem arabischen Verb qaraʾa (‏قرأ‎ /‚vortragen, lesen‘) erklärt. Moderne westliche Gelehrte hingegen haben die Vermutung geäußert, dass es sich um eine Entlehnung von dem syrischen Wort qeryânâ handelt, das in der christlichen Liturgie eine Perikopenlesung bezeichnet. Tatsache ist, dass das Wort in vorkoranischer Zeit im Arabischen nicht bezeugt ist.[9]

In einigen Versen, die ebenfalls aus mittelmekkanischer Zeit stammen, bezeichnet der Begriff qurʾān bereits einen vorgetragenen Text. So wird es in Sure 72:1f dem Propheten mitgeteilt, dass eine Gruppe von Dschinn gelauscht und anschließend gesagt habe: "Siehe, wir haben einen wunderbaren qurʾān gehört, der auf den rechten Weg führt, und wir glauben nun an ihn".

Im Laufe der Zeit erhielt dann der Begriff die Bedeutung einer in Buchform vorliegenden Sammlung von Offenbarungen. So wird der qurʾān in verschiedenen Passagen, die der frühmedinischen Zeit zugeordnet werden (Sure 12:1f; 41:2f; 43:2f), als die arabische Version von "dem Buch" (al-kitāb) ausgewiesen. In Sure 9:111, einer Passage, die auf das Jahr 630 datiert wird,[10] erscheint der qurʾān schließlich als ein heiliges Buch in einer Reihe mit der Tora und dem Evangelium. Zwar ist der Prozess der Buchwerdung damit noch nicht abgeschlossen, doch lässt sich erkennen, dass der Koran bereits als ein Buch aufgefasst wurde.[11]

Die Sammlung des Korans [Bearbeiten]

Taschkenter Koran (9. Jahrhundert)

Vor dem Tod des Propheten Mohammed waren bereits verschiedene Teile des Korans schriftlich niedergeschrieben worden, und nach Abstimmung mit allen, die den Koran sowohl mündlich (Hafiz) als auch schriftlich bewahrt hatten, entstand nach dem Tode des Propheten Mohammed im Jahre 11 n. H. (632 n. Chr.) zu Zeiten des ersten Kalifen Abu Bakr der erste Koran-Kodex (‏مصحفmushaf), um ihn vor dem Verlorengehen oder Verwechseln mit anderen Aussagen des Propheten Mohammed zu bewahren.

Der dritte Kalif, Uthman ibn Affan (644–656), ließ diese ersten Koran-Kodizes, welche auch z. T. in anderen Dialekten und nicht dem quraischitischen Dialekt – dem Dialekt des Propheten Mohammed, der später zum Hocharabisch werden sollte – abgefasst waren, vernichten und einen bis heute erhaltenen Koran schreiben. Dabei mussten mindestens zwei Männer bei jedem Vers bezeugen, dass sie diesen direkt aus dem Munde des Propheten Mohammed gehört hatten. Sechs Verse im Koran sind aber nur von einem Zeugen, nämlich Zayd, dem ehemaligen Diener des Propheten Mohammed, auf diese Weise bezeugt worden. Dass diese Verse heute doch im Koran stehen, hängt damit zusammen, dass der Prophet Mohammed ausnahmsweise die Zeugschaft von Zayd alleine akzeptierte, obwohl eigentlich mindestens zwei Männer bezeugen müssen.

Damals hatte die arabische Schrift noch keine Vokalzeichen und keine diakritischen Punkte, durch die in der heutigen arabischen Schrift einige ansonsten gleich aussehende Konsonanten unterschieden werden; deshalb war das mündliche Beherrschen des Textes wichtig, und die Schriftform diente vor allem als Gedächtnishilfe. Mindestens fünf Abschriften wurden versandt, und zwar nach Medina, nach Mekka, nach Kufa, nach Basra und nach Damaskus. Gleichzeitig erging die Anordnung, alle privaten Koranaufzeichnungen zur Vorbeugung falscher Überlieferungen zu verbrennen. Man nahm früher an, dass die Abschrift, die nach Medina gesandt wurde, sich heute in Taschkent befindet und ein zweites Exemplar im Topkapi Museum in İstanbul verwahrt wird. Beide Exemplare sind aber in kufischer Schrift, die sich in das 9. Jahrhundert n. Chr. datieren lässt, aufgeschrieben worden und somit wohl frühestens 200 Jahre nach Mohammed entstanden.

In den Orten mit Abschriften des uthmanischen Kodex entwickelten sich verschiedene Lesarten des Korans. Die islamische Tradition hat sieben solcher Lesetraditionen als "kanonisch" anerkannt.[12]

Entwicklung der Koranwissenschaften [Bearbeiten]

Der Koran bildete die Grundlage für zahlreiche Zweige der arabischen Wissenschaft. Aus dem Bedürfnis nach Auslegung (Exegese) des Offenbarungsinhalts entwickelte sich die ilm at-tafsir, die Wissenschaft der (Koran-)Interpretation. Ausführliche, oft Dutzende Bände füllende Kommentarwerke sind vom 2. muslimischen Jahrhundert an (8. Jahrhundert n. Chr.) entstanden; zu den berühmtesten zählen die von 'Abd al-Razzâq al-San'ânî, al-Baghawî, Ibn Abî Hâtim, Tabari, Qurtubi, Risale-i Nur, Ibn Kathir und anderen.

Koranübersetzungen [Bearbeiten]

Arabischer Koran mit persischer Übersetzung
Hauptartikel: Koranübersetzung

Eine wirkliche Übersetzung des Korans gilt in der traditionellen islamischen Theologie als unmöglich, da jede Übersetzung zugleich eine Interpretation beinhaltet. Daher wird das Studium des Korans im arabischen Originaltext empfohlen. Einige Sufis zum Beispiel glauben, es sei segensreicher, sich die arabischen Buchstaben eines Korantextes anzuschauen, auch wenn man kein Arabisch versteht, als eine schlechte Übersetzung zu lesen.

Die erste Übersetzung ins Deutsche stammt vom Nürnberger Pfarrer Salomon Schweigger 1616. Er übersetzte dabei die erste italienische Fassung aus dem Jahre 1547 von Andrea Arrivabene, die ihrerseits auf einer lateinischen Übersetzung aus dem 12. Jahrhundert basierte. Der Orientalist Friedrich Rückert übertrug in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts weite Teile des Korans in gebundener Sprache ins Deutsche. Rückerts Übersetzung versucht den Klang des koranischen Arabisch im Deutschen wiederzugeben, hat aber Textstellen nach eigenem Ermessen ausgelassen. Rudi Paret, dessen Übersetzung in Fachkreisen als die philologisch zuverlässigste gilt, setzt demgegenüber bei unterschiedlich zu verstehenden Passagen die zusätzlichen Übersetzungsmöglichkeiten bzw. die wörtliche Bedeutung (mit einem w. gekennzeichnet) in Klammern dahinter.

Daneben existieren die Ahmadiyya-Übersetzungen sowie Übersetzungen des arabisch-christlichen Theologieprofessors Adel Theodor Khoury (traditionsgebunden, vom Islamischen Weltkongress unterstützt), von Lazarus Goldschmidt, von Ahmad von Denffer und von Max Henning (Reclam).

Die Übersetzung von Henning ist von Murad Wilfried Hofmann überarbeitet und mit Anmerkungen versehen worden. Die Überarbeitung wird von vielen seiner Glaubensgenossen aus dem deutschen Sprachraum geschätzt, von Seite der Islamwissenschaften teils deutlich kritisiert.[13] Eine zeitgenössische Übersetzung, die auch den arabischen Text und gleichzeitig zu jedem Vers eine Auswahl aus wichtigen, ins Deutsche übersetzten Kommentaren bringt, wurde von einer Gruppe deutschsprachiger Muslima unter Leitung von Fatima Grimm unter dem Titel Die Bedeutung des Koran herausgegeben.

Eine weitere Übersetzung hat Muhammad Rassoul unter dem Titel Die ungefähre Bedeutung des Al-Qur’an Al-Karim in der Islamischen Bibliothek veröffentlicht. Dies ist die Übersetzung, die auf der Website des ZMDs[14] zu finden ist.

Eine Bearbeitung in zeitgenössischer deutscher Sprache, die sich auch an Kinder und Jugendliche wendet, wurde im Jahr 2008 von den Islamwissenschaftlerinnen Lamya Kaddor und Rabeya Müller erstellt. Die Neuübersetzung soll nach Lamya Kaddor „den Respekt vor dem heiligen Buch der Muslime mit einem verständlichen Zugang verbinden“.[15] [16]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Vgl. Stefan Wild (ed.): Self-referentiality in the Qurʾān. Wiesbaden 2006.
  2. Vgl. Zirker 46 und das Kapitel über die "Art seiner Herabsendung" (kaifīyat inzāli-hī) in as-Suyūṭī: al-Itqān fī ʿulūm al-qurʾān. 2 Bde. Kairo 1978. Bd. I. 53.
  3. Siehe Adel Theodor Khoury: Der Koran. Band 12. Gütersloher Verlagshaus, 1987, S. 497, ISBN 3-579-00336-4.
  4. Vgl. Bobzin 118f
  5. Vgl. Josef van Ess: Theologie und Gesellschaft im 2./3. Jh. d.H.. Bd. IV., S. 605-612.
  6. Mission Islam: Revelation Order of the Qur'an
  7. Hans Bauer: Über die Anordnung der Suren und über die geheimnisvollen Buchstaben im Qoran – Über die Anordnung der Suren und über die geheimnisvollen Buchstaben im Qoran; Zeitschriften der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft 75 (1921), S. 1–20; im Online-Archiv der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt
  8. Sie sind hier nach Bobzin 19 zitiert.
  9. Vgl. Welch 400b.
  10. Vgl. Nöldeke I 225.
  11. Vgl. Welch 401a.
  12. Vgl. Bobzin 104.
  13. Hartmut Kistenfeger: „Manche Stellen habe ich ungern übersetzt“; Focus-Interview mit Hartmut Bobzin; Focus 12/2010; S. 64
  14. islam.de
  15. Lamya Kaddor und Rabeya Müller: Der Koran. Für Kinder und Eltern. Rezension bei Socialnet
  16. Lamya Kaddor und Rabeya Müller: Der Koran für Kinder und Erwachsene.Beck, München, 3. Auflage 2010, ISBN 978-3-406-57222-7.

Literatur [Bearbeiten]

Koranübersetzungen [Bearbeiten]

Einführungen [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

Wiktionary Wiktionary: Koran – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikiquote: Koran – Zitate
 Commons: Koran – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Der Koran im Internet [Bearbeiten]

Weblinks zu einzelnen Übersetzungen finden sich unter Koranübersetzung

Weitere Links [Bearbeiten]

Siehe auch [Bearbeiten]

 Portal: Islam – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Islam