ANC-Sprengstoffe

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ANC- oder ANO–Sprengstoffe sind handhabungssichere, preiswerte Gesteinssprengstoffe. ANC-Sprengstoffe sind Gemische aus Ammoniumnitrat (als Sauerstoffträger) und Kohlenstoffträgern wie Mineral- oder Dieselöl. Das Akronym ANC bzw. ANO ist von Ammoniumnitrat und C für Kohlenstoff-Verbindung bzw. Organische Substanz abgeleitet. Der englische Oberbegriff für diese Sprengstoffe lautet ANFO englisch ammonium nitrate fuel oil.

ANC-Sprengstoffe werden hauptsächlich im Bergbau eingesetzt. Sie können nur mit einem Detonator zur Explosion gebracht werden.

ANC, benutzt in einem Kalibergwerk
ANFO in 25-kg-Säcken
2 verschiedene Sprengstoffladegeräte der SDAG Wismut
Laden eines übertägigen Großbohrloches

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Typische ANC-Sprengstoffe bestehen aus 94,5 % Ammonsalpeter und 5,5 % Heizöl. Zur Wirkungsverstärkung kann Aluminiumpulver, als Katalysator Mangandioxid (Braunstein) oder Eisen(III)-oxid (Eisenrot) zugesetzt werden. Als Kohlenstoffträger dienen feste Stoffe wie Kohlepulver oder Holzmehl oder flüssige Stoffe auf Mineralölbasis. Aus Gründen der Handhabungssicherheit wird der Sprengstoff meist erst unmittelbar vor der Anwendung gemischt.

Eigenschaften[Bearbeiten]

ANC-Sprengstoffe sind wasserlöslich. Das Granulat schwitzt bei Temperaturen um die 30°C das beigemischte Dieselöl aus und reizt die Haut und Schleimhäute. In reiner Form können ANC-Sprengstoffe ausschließlich in trockenen Bohrlöchern eingesetzt werden. Bei Durchfeuchtung ist eine stabile Detonationsübertragung nicht mehr gewährleistet. Durch Auflösen in Wasser können ANC-Sprengstoffe neutralisiert werden.

Verwendung[Bearbeiten]

Die Detonationsgeschwindigkeit von ANC-Sprengstoffen beträgt je nach Einschlussbedingung 2500 bis 3500 m/s. ANC-Sprengstoffe werden durch einen Zünder, eine Verstärkerladung oder eine größere Menge Initialsprengstoff zur Detonation gebracht.

Laden eines Bohrloches[Bearbeiten]

Kleinkalibrige untertägige Bohrlöcher werden mit speziellen Ladegeräten mit ANO geladen. Diese Geräte basieren auf dem Injektorprinzip. Das gemischte ANO wird ein einen Trichter eingefüllt, an dem ein Druckluftschlauch und ein Ladeschlauch befestigt sind. Der Ladeschlauch wird bis ins Bohrlochtiefste eingeführt, und der Druckluftstrom reißt das ANO aus dem Trichter mit sich. Mit zunehmender Füllung wird der Ladeschlauch aus dem Bohrloch zurückgezogen.

Nach demselben Prinzip, nur in größerem Maßstab, funktionieren Ladefahrzeuge, die hauptsächlich im Tunnelbau und Kalibergbau eingesetzt werden.

Vertikale Übertage-Bohrlöcher werden unter Ausnutzung der Schwerkraft geladen.

Typischer Aufbau einer Strahlpumpe

Verwendung zu kriminellen Zwecken[Bearbeiten]

Terroristen verwendeten ANC-Sprengstoffe für Anschläge, allerdings wird die Effektivität von kommerziell hergestellten ANC-Sprengstoffen nicht erreicht. Bei den Anschlägen in Norwegen 2011 kam eine Autobombe auf ANC-Basis zum Einsatz.[1]

Kommerzielle ANC-Sprengstoffe[Bearbeiten]

Handelsnamen für ANC-Sprengstoffe sind z. B. Andex oder Forcit.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Autorenkollektiv, SDAG Wismut (Hrsg.): Der Sprengberechtigte. im Bergbau und in der Steine- und Erdenindustrie. 3. Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1977, Pulverförmige Ammonsalpetersprengstoffe, S. 32ff. (ANO-Sprengstoffe).
  •  Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum (Hrsg.): Das kleine Bergbaulexikon. 7. Auflage. Glückauf, Essen 1988, ISBN 3-7739-0501-7, S. 16 (Stichwort ANC).
  •  Werner Schröter, Karl-Heinz Lautenschläger, Hildegard Bibrack: Taschenbuch der Chemie. 9. Auflage. Harry Deutsch, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-87144-308-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alt om tragedien Aftenposten, 23. Juli 2011 (abgerufen am 8. August 2011)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: ANC-Sprengstoffe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien