Abfallgrube

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Abfallgruben sind Erdgruben, die eigens für die Entsorgung von Müll angelegt werden. Prähistorische und mittelalterliche Abfallgruben sind zugleich eine archäologische Quellengattung.

[Bearbeiten] Archäologie

Als Abfallgruben werden in archäologischen Fundplätzen Gruben bezeichnet, die nach traditioneller Ansicht der Archäologie einst mit Abfällen befüllt worden seien. Dem scheint zum Teil eine Projektion des modernen Verständnisses der Siedlungsweise in Gehöften, Dörfern und Städten anzuhaften. Aus neolithischen und frühbronzezeitlichen Pfahlbausiedlungen zum Beispiel ist stattdessen häufig belegt, dass sämtlicher Abfall im unmittelbaren Umfeld der Häuser ins Wasser geworfen wurde. Heute gibt es für Abfallgruben auch verschiedene alternative Deutungsmöglichkeiten:

  • Entlang der Langhäuser des Frühneolithikums und Mittelneolithikums (zum Beispiel Bandkeramik und Rössener Kultur) gab es Gruben zur Entnahme von Lehm ("Lehmentnahmegruben") zur Abdichtung der Flechtwände der Häuser. In der Lengyelkultur zum Beispiel gibt es Lehmentnahmegruben, die nicht direkt am Haus liegen.
  • Andere Gruben dienten der Aufbewahrung von Vorräten, in die dann durch bewusste Entsorgung oder auch zufällig während der natürlichen Verfüllung (Einsedimentierung) der Grube Abfall gelangte.
  • In der englischen Archäologie wird zunehmend auch eine bewußte Ablagerung in Gruben diskutiert (structured deposition). Der Beweis solcher Praktiken ist jedoch schwierig. Das Phänomen ritueller Niederlegungen von ausgesuchten Attributen (zum Beispiel Schädel- und Skelettteile, Keramik, Werkzeuge, Idolfiguren etc.) ist in Mitteleuropa aus Gruben der jüngeren Linienbandkeramik und der Michelsberger Kultur bekannt. Im Falle der unterbrochenen Erdwerke (causewayed enclosures), also systematisch und in einer bestimmten Form angelegten Gruben ist eine solche Deposition besser nachzuweisen, es dürfte sich bei den abgelagerten Gegenständen allerdings kaum um Abfall gehandelt haben. Viele dieser Gruben befinden sich in der Nähe von Kultanlagen.

Die Entsorgung zumeist organischem Abfalls in speziell dafür ausgehobenen Gruben dürfte nicht zu den Tätigkeiten gehört haben, die den vorgeschichtlichen Menschen beschäftigten. Dieser Gedanke ist selbst unter rezenten Kulturen außerhalb der westlichen Industrienationen nicht anzutreffen.

[Bearbeiten] Gegenwart

→ Hauptartikel Abfall, Abfalldeponie

Heute ist Abfallentsorgung Pflicht. In den meisten europäischen Ländern werden dazu Abfalldeponien benutzt. Diese können in Senken angelegt werden. In vielen Ländern, auch in Deutschland, ist die Verwendung einer (privat angelegten) Abfallgrube verboten und unter Strafe gestellt.

[Bearbeiten] Literatur

  • J. Chapman: Pit-digging and structured deposition in the Neolithic and Copper Age of central and eastern Europe. Proceedings of the Prehistoric Society, 66, 2000, 61-87.
  • Jan Harding: Pit-digging, occupation and structures deposition on Rudston Wold, Eastern Yorkshire. Oxford Journal of Archaeology, 25(2) 2006, 109–126.
  • J. Pollard: Inscribing space: formal deposition at the later Neolithic monument of Woodhenge, Wiltshire. Proceedings of the Prehistoric Society, 61, 1995, 137-56.
  • Joshua Pollard, The aesthetics of depositional practice’ World Archaeology, 33/2, 2001, 315-33.
  • Colin Richards/Thomas, Julian 1984: Ritual activity and structured deposition in later Neolithic Wessex. In: Bradley, Richard/Gardiner, J. (Hrsg.), Neolithic Studies. A Review of Some Current Research (Oxford, British Archaeological Reports 133), 189–218.
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