Acetomicrobium

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Acetomicrobium
Systematik
Domäne: Bakterien (Bacteria)
Abteilung: Bacteroidetes
Klasse: Bacteroidia
Ordnung: Bacteroidales
Familie: Bacteroidaceae
Gattung: Acetomicrobium
Wissenschaftlicher Name
Acetomicrobium
Soutschek 1985

Acetomicrobium ist eine Gattung von Bakterien. Sie zählt zu der Abteilung der Bacteroidetes. Es handelt sich um eine thermophile („wärmeliebende“) Gattung. Sie kommt im Klärschlamm von Abwasserbehandlungsanlagen vor.

Merkmale[Bearbeiten]

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Es handelt sich um spitze, gerade Stäbchen. Der Durchmesser der Zellen beträgt 0,6–0,8 µm, die Länge 2–7 µm. Sie treten meist in kurzen Ketten oder Paaren auf. Filamente werden nicht gebildet, dies unterscheidet sie von der ebenfalls in der Familie der Bacteroidaceae geführten Gattung Acetofilamentum.[1] Die Gram-Färbung verläuft negativ. Endosporen werden nicht gebildet. Die Zellen sind hoch beweglich (motil).[2]

Wachstum und Stoffwechsel[Bearbeiten]

Acetomicrobium ist strikt anaerob, zeigt also nur unter Sauerstoffausschluss Wachstum. Der Stoffwechsel beruht auf der Gärung. Weiterhin ist der Stoffwechsel chemoorgano-heterotroph. Acetomicrobium flavidum fermentiert Glucose zu Acetat, Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasserstoff (H2). Diese Produkte werden im Stoffmengenverhältnis 2:2:4 (bezogen auf 1 Mol Glucose) gebildet.[2] Die Produkte der Fermentation von A. faecale sind Acetat, Lactat, Ethanol, CO2 und H2 bei Verwertung von Hexosen, wie Glucose.[1] Dabei wird Glucose über den Embden-Meyerhof-Parnas-Weg abgebaut. Werden hingegen Pentosen als Substrate verwertet, entstehen Acetat, Ethanol, CO2 und nur wenig Lactat.[3]

Optimale Temperaturen für das Wachstum liegen zwischen 58 und 73 °C, die Arten sind thermophil. Weiterhin findet Wachstum bei pH-Werten von 6,2 bis 8,0 statt. Ein Cytochrom ist nicht vorhanden.[1] Für die Kultivierung in Nährmedien muss Hefeextrakt enthalten sein.[3]

Pathogenität[Bearbeiten]

Acetomicrobium flavidum und Acetomicrobium faecale sind nicht pathogen („krankheitserregend“) und werden durch die Biostoffverordnung in Verbindung mit der TRBA (Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe) 466 der Risikogruppe 1 zugeordnet.[4]

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Vertreter der Gattung Acetomicrobium sind typischerweise im Klärschlamm von Abwasserbehandlungsanlagen zu finden. Bei einer mikroskopischen Zählung machte Acetomicrobium flavidum etwa 25 % der im Klärschlamm vorhandenen Bakterien aus.[2]

Systematik[Bearbeiten]

Die Gattung Acetomicrobium wird zu der Familie Bacteroidaceae gestellt. Erstbeschrieben wurde sie von E. Soutschek im Jahre 1985. Es sind zurzeit (Stand 2014) nur zwei Arten vorhanden:[5]

Der Artname A. faecale wurde 1998 korrigiert, da der ursprünglich vergebene Artname „A. faecalis“ nicht den Regeln des International Code of Nomenclature of Bacteria entsprach.[6]

Etymologie[Bearbeiten]

Der Gattungsname Acetomicrobium leitet sich von dem lateinischen Wort acetum für „Essig“ und dem neulateinischen Wort microbium her, das seinen Ursprung in den griechischen Wörtern mikros („klein“) und bios („Leben“) hat. Er bezieht sich auf die Fähigkeit des Mikroorganismus, Acetat (das Anion der Essigsäure) zu produzieren.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Krieg, N.R.; Ludwig, W.; Whitman, W.B.; Hedlund, B.P.; Paster, B.J.; Staley, J.T.; Ward, N.; Brown, D.; Parte, A.: Bergey's Manual of Systematic Bacteriology. Volume 4: The Bacteroidetes, Spirochaetes, Tenericutes (Mollicutes), Acidobacteria, Fibrobacteres, Fusobacteria, Dictyoglomi, Gemmatimonadetes, Lentisphaerae, Verrucomicrobia, Chlamydiae, and Planctomycetes. Springer, 2010, ISBN 978-0-387-68572-4, S. 457–467.
  2. a b c E. Soutschek, J. Winter u. a.: Acetomicrobium flavidum, gen. nov., sp. nov., a thermophilic, anaerobic bacterium from sewage sludge, forming acetate, CO2 and H2 from Glucose. In: Systematic and Applied Microbiology. Band 5, Nr. 3, Oktober 1984, S. 377–390, ISSN 07232020. doi:10.1016/S0723-2020(84)80039-9
  3. a b J. Winter, E. Braun, H.-P. Zabel: Acetomicrobium faecalis spec. nov., a strictly anaerobic bacterium from sewage sludge, producing ethanol from pentoses. In: Systematic and Applied Microbiology. Band 9, Nr. 1–2, Februar 1987, S. 71–76, ISSN 07232020.doi:10.1016/S0723-2020(87)80058-9.
  4. TRBA (Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe) 466: Einstufung von Prokaryonten (Bacteria und Archaea) in Risikogruppen. In: Webseite der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). 25. April 2012, S. 7, abgerufen am 7. April 2014.
  5. a b Jean P. Euzéby, Aidan C. Parte: Genus Acetomicrobium. In: List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature Systematik der Bakterien (LPSN). Abgerufen am 6. April 2014.
  6. J. P. Euzéby: Taxonomic note: necessary correction of specific and subspecific epithets according to Rules 12c and 13b of the International Code of Nomenclature of Bacteria (1990 Revision). In: International Journal of Systematic Bacteriology. Band 48, Nr. 3, Juli 1998, S. 1073–1075, ISSN 0020-7713. doi:10.1099/00207713-48-3-1073.

Literatur[Bearbeiten]

  • George M. Garrity: Bergey's Manual of Systematic Bacteriology. Volume 5. The Bacteroidetes, Spirochaetes, Tenericutes (Mollicutes), Acidobacteria, Fibrobacteres, Fusobacteria, Dictyoglomi, Gemmatimonadetes, Lentisphaerae, Verrucomicrobia, Chlamydiae, and Planctomycetes. 4. Auflage. Springer, New York, ISBN 978-0-387-95042-6

Weblinks[Bearbeiten]