Akubiz

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Vereinslogo des Akubiz

AKuBiZ e.V. ist ein Verein aus Pirna (AKuBiZ = Alternatives Kultur- und Bildungszentrum). AKuBiZ setzt sich als nichtstaatliche Organisation für eine Demokratisierung der Demokratie, gegen Antisemitismus, gegen Rassismus, gegen Nationalismus, gegen Sexismus und andere Ideologien der Ungleichwertigkeit ein.

Die Arbeitsfelder von AKuBiZ erstrecken sich über Geschichtsarbeit, Aufklärungsarbeit, Kulturarbeit und Jugendarbeit. Der Verein lehnte 2010 den Sächsischen Förderpreis für Demokratie ab.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Verein AKuBiZ e.V. wurde 2001 als Reaktion auf eine aggressive und gewalttätige Neonaziszene in der Sächsischen Schweiz gegründet. Das ursprüngliche Ziel bestand darin, ein selbstverwaltetes und alternatives Jugendzentrum für nicht rechte Jugendliche zu schaffen. Seit 2001 hat es allerdings eine Veränderung in der Ausrichtung und der Schwerpunktsetzung gegeben. Am 15. September 2012 zeichneten die Leser der tageszeitung den Vereinsvorsitzenden Steffen Richter mit dem taz-Panter-Preis aus. Im Jahr 2013 folgten weitere Anerkennungen, unter anderem eine Auszeichnung des Fussballvereins Dynamo Dresden und der Radebeuler Couragepreis.

Geschichtsarbeit[Bearbeiten]

AKuBiZ beschäftigt sich mit der Aufarbeitung der Zeit des Nationalsozialismus in der Stadt Pirna und im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Dabei entstand unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Historiker Joachim Schindler das Buch „Rote Bergsteiger – Unterwegs auf ihren Spuren im Elbsandsteingebirge“, das sich mit dem Widerstand der sogenannten Roten Bergsteiger innerhalb der Vereinigten Kletterabteilung gegen den Nationalsozialismus auseinandersetzt.

Eine weitere Arbeit ist die Aufarbeitung der Entstehung und Geschichte der Außenlager des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Ziel ist es, an jedem historischen Ort ein Gedenkzeichen zu schaffen. Mittlerweile wurden über jedes Außenlager im Landkreis Informationsblätter erarbeitet und veröffentlicht.

Am 5. September 2012 veröffentlichte AKuBiZ in Kooperation mit der Heilpädagogik-Bonnewitz gemeinnützige Stiftung eine Gedenkbroschüre. Diese ist Martin Kretschmer, dem Gründer der Bonnewitzer Einrichtung, gewidmet. Gemeinsam mit Annemarie Spitzner und Margarete Bär - der Schwester von Heinrich Bär - eröffnete er eine heilpädagogische Einrichtung, bis er im Juni 1941 von der Gestapo verhaftet wurde. Am 19. Februar 1942 starb er im Außenlager Klinkerwerk Oranienburg des KZ Sachsenhausen.

Extremismusklausel[Bearbeiten]

Am 9. November 2010 lehnte der Verein AKuBiZ e.V. den Sächsischen Förderpreis für Demokratie ab. Grund war die verlangte Vorlage einer Demokratieerklärung, deren Unterzeichnung die Voraussetzung für die Gewährung von Fördermitteln durch die Bundesregierung ist und die von dem Verein abgelehnt wird.[1][2] Über die Ablehnung gab es eine bundesweite Berichterstattung.[3][4] Am 25. April 2012 siegte das AKuBiZ vor dem Dresdener Verwaltungsgericht erstinstanzlich mit seiner Klage gegen die Extremismusklausel.[5] Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge legte gegen das Urteil Berufung ein, die vor dem Sächsischen Oberverwaltungsgericht in Bautzen verhandelt werden wird.[6] Am 25. Februar 2013 erklärte der Verein den Rechtsstreit vor dem OVG Bautzen für erledigt und klage am darauffolgenden Tag vor dem VG Dresden gegen die "neue" Extremismusklausel.[7]

Weitere Projekte[Bearbeiten]

Der Verein richtet seit 2006 einen „Antirassistischen Fußballcup“ aus, an dem jährlich mindestens 15 gemischte Teams teilnehmen.

AKuBiZ nahm am Internationalen Geschichtskongress in Móra d’Ebre teil, der sich mit der Aufarbeitung und den Auswirkungen des Spanischen Bürgerkrieges vor allem den Schlachten am Fluss Ebro beschäftigte.

AKuBiZ setzt sich für Wiedergutmachungszahlungen Deutschlands an Griechenland ein. Im Jahr 2009 demonstrierten sie gemeinsam mit Manolis Glezos vor der Deutschen Botschaft in Athen, trafen den griechischen Parlamentspräsidenten Filippos Petsalnikos. Zudem wurden zwei Interviews mit griechischen TV-Sendern aufgenommen.

Der Verein nimmt jährlich an der „sentieri partigiani“ in der Provinz Reggio Emilia (Italien) teil. Dies ist ein Geschichtsprojekt bestehend aus Wanderungen in den Apennin und Treffen mit ehemaligen Partisanen.

Im Jahr 2008 gab der Verein den Comic „Jetzt reichts in Sachsnitz“ heraus[8], der sich mit Rassismus und Neonazis auseinandersetzt. Der Comic richtet sich an Kinder und Jugendliche und wurde bundesweit in drei Auflagen verbreitet.

Seit 2007 ist AKuBiZ in der „AG Asylsuchende“ engagiert, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Asylsuchenden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge einsetzt. Erfolge sind der Ausreichung von Bargeld statt teurer Katalogbestellung, die Sanierung der Gemeinschaftsunterkünfte in Langburkersdorf und ein Umdenken der Verwaltung hin zu dezentraler Unterbringung von Asylsuchenden.

Jährlich findet eine Veranstaltung im Gedenken an die Novemberpogrome 1938 statt. In diesem Zusammenhang zeigte das AKuBiZ 2008 Bronzeplastiken des Holocaustüberlebenden Samuel Willenberg in der Pirnaer Hospitalkirche. Am 30. Oktober 2011 wurde in Bonnewitz ein Konzert veranstaltet, mit Stücken von Komponisten, die im KZ Theresienstadt ermordet wurden.

Im November 2012 wurde die in Zusammenarbeit mit der Jugendinitiative Pirna und dem Pirnaer Historiker Hugo Jensch erstellte Ausstellung "Jüdisches Leben in Pirna und der Sächsischen Schweiz"eröffnet, die Einblicke in die Geschichte jüdischen Lebens im Landkreis Sächsische Schweiz geben soll.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. in "Die Zeit."
  2. Erklärung des AKuBiZ zur Extremismusklausel
  3. Urteil in Dresden: Verwaltungsgericht kippt Extremismusklausel Spiegel Online
  4. Gericht schmettert Extremismusklausel ab Zeit Online
  5. Gericht schmettert Extremismusklausel ab, Zeit Online 25. April 2012, abgerufen 5. Juli 2012.
  6. Landkreis geht in Berufung gegen Urteil zur "Extremismusklausel". Lausitzer Rundschau, 27. Juli 2012, abgerufen am 25. August 2012.
  7. Warum wir gegen die Extremismusklausel nicht gewinnen konnten... Akubiz, 2013, abgerufen am 29. März 201.
  8. über „Jetzt reichts in Sachsnitz“