Alan J. P. Taylor

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Alan John Percivale Taylor, FBA (* 25. März 1906 in Birkdale, Großbritannien; † 7. September 1990 in London) war ein britischer Historiker.

Leben[Bearbeiten]

Taylor studierte in den 1920er Jahren Geschichte am Oriel College in Oxford und arbeitete in Manchester, Oxford und London als Dozent. Seine Themenschwerpunkte waren die britische und internationale Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Zahlreiche Bücher wurden große Erfolge bei einem breiten Publikum und sind vielfach immer noch im Druck. Taylor bezog oftmals kontroverse Positionen und generierte zudem ungewöhnlich hohe Einkünfte durch Veröffentlichungen in landesweiten Tageszeitungen und Fernsehauftritte, womit er zugleich einen außerordentlich hohen Bekanntheitsgrad in der britischen Öffentlichkeit erreichte. Legendär wurde er auch durch seine durchweg ohne Manuskript gehaltenen Vorträge.

Werke[Bearbeiten]

Sein akademischer Lehrer Alfred Francis Přibram führte ihn an die Geschichte Österreichs und Südosteuropas heran, was sich in mehreren Publikationen niederschlug. Sein 1945 erstmals erschienenes Buch „The Course of German History“ stellte den Versuch dar, das Aufkommen des Nationalsozialismus' durch gesellschaftliche und geistige Fehlleistungen innerhalb der deutschen Geschichte zu erklären. Taylor sah das Dritte Reich als genuin deutsche Erscheinung an und positionierte sich damit als einer der ersten Vertreter der These des deutschen Sonderwegs in der europäischen Geschichte. Die deutsche Geschichte sei im Vergleich extrem, radikal und unnormal verlaufen. Den Pangermanismus der Wilhelminer deutete er dabei als aggressiven Beginn, der quasi direkt den Nationalsozialismus nach sich zog. Da das Buch in Großbritannien und den USA ein Verkaufserfolg wurde, konnte es aufgrund der damaligen Brisanz seiner Thesen auch in der internationalen und innerdeutschen Diskussion nicht ignoriert werden und erlangte dadurch internationale Bekanntheit.

Kontrovers diskutiert wurde seine These aus „Origins of the Second World War“, dass keineswegs eine kleine Clique um Hitler den Zweiten Weltkrieg ausgelöst habe. Diese Behauptung („Nuremberg thesis“) sei in die Welt gesetzt worden, um das deutsche Volk zu entschuldigen und die junge Bundesrepublik im Kalten Krieg einsetzen zu können. Tatsächlich sei Hitlers Außenpolitik in der Linie der Weimarer Republik und des Kaiserreiches zu sehen, also „normale deutsche“ Außenpolitik. Stärker noch: Hitler sei auch ein normaler westlicher Politiker wie Chamberlain oder Daladier gewesen, der sein Land stark habe machen wollen.

Aus Taylors Feder stammen auch das vielfach als Nachschlagewerk genutzte The Struggle for Mastery in Europe 1848–1918 (1954) sowie der Band XV der Oxford History of England (1965), der die Zeit von 1914 bis 1945 behandelt.

Schriften[Bearbeiten]

  • The Italian Problem in European Diplomacy, 1847–1849, 1934.
  • Germany's First Bid for Colonies 1884–1885: a Move in Bismarck's European Policy, 1938.
  • The Habsburg Monarchy 1809 - 1918 ; a history of the Austrian Empire and Austria-Hungary, 1941
  • The Course of German history: a Survey of the Development of Germany since 1815, London 1945.
  • The Struggle for Mastery in Europe, 1848-1918, Oxford 1954.
  • Bismarck: the Man and Statesman, London 1955 (dt. Bismarck, Mensch und Staatsmann, München 1962).
  • The Trouble Makers: Dissent over Foreign Policy, 1792–1939, London 1957.
  • The origins of the Second World War, 1961 (dt. Die Ursprünge des Zweiten Weltkriegs, Gütersloh 1962)
  • English History 1914–1945 (The Oxford History of England, Bd. 15), Oxford 1965.
  • Beaverbrook, London 1972
  • A personal history, London 1983 (Autobiographie)
  • Struggles for supremacy: diplomatic essays, London 2000 (hrsg. von Chris Wrigley; enthält 67 Aufsätze und Rezensionen sowie eine Kurzbiographie über Taylors Schaffen)

Literatur[Bearbeiten]

  • Burk, Kathleen: Troublemaker: The Life And History Of A.J.P. Taylor, Yale University Press, New Haven, 2000, ISBN 0-300-08761-6.
  • Cole, Robert: A.J.P Taylor: The Traitor Within The Gates, Macmillan, London 1993, ISBN 0-333-59273-5.

Weblinks[Bearbeiten]