Alimentation Par Sol

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Zwischen den Fahrschienen liegt die Stromschiene; (Das Bild entstand während des Baus der Straßenbahn Bordeaux)

Unter Alimentation par le sol (Kurzbezeichnung APS) versteht man ein von einem Tochterunternehmen der Firma Alstom für ihre Citadis-Straßenbahnen entwickeltes System zur Stromversorgung. Dabei erfolgt die Stromzufuhr nicht über die Oberleitung, sondern durch eine in den Fahrweg eingelassene Stromschiene. Diese Stromschienen kamen zuerst beim Bau der neuen Straßenbahn in Bordeaux ab Dezember 2003 zum Einsatz, und wurde erst dort nach vielen Anfangsschwierigkeiten zum Laufen gebracht.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Bei diesem System befindet sich zwischen den beiden Schienen, auf welche die Räder laufen, eine Stromschiene, die 750 Volt Gleichspannung führen kann. Die Stromschiene ist in einzelne Sektionen unterteilt. Jede Sektion besteht aus einer 8 Meter langen stromführenden Schiene und einem 3 Meter langen isolierten Abschnitt.

Der stromführende Teil ist normalerweise abgeschaltet, so dass Passanten nicht gefährdet werden. Wird die Stromschiene von einer Straßenbahn überfahren, so sendet diese per Funk ein codiertes Signal aus, das jenen Abschnitt der Stromschiene aktiviert, der sich zur Gänze unter dem Fahrzeug befindet. Es können maximal zwei der 11 Meter langen Segmente gleichzeitig aktiviert werden. Bevor die Straßenbahn ein Segment verlässt wird es abgeschaltet und aus Sicherheitsgründen geerdet. Die Fahrzeuge verfügen über zwei Stromabnehmer („frotteurs“), sodass immer einer der beiden unter Spannung steht, auch wenn der andere gerade ein isoliertes Stück überfährt.

Kontrollbox

Gesteuert wird das System von in den Boden eingelassenen Kontrollboxen („coffrets“). Derartige Boxen befinden sich alle 22 Meter entlang der Strecke; jede Box steuert zwei Streckenabschnitte. Des Weiteren befindet sich im Bereich jeder Station eine automatische Kontrollstation, die den Betriebszustand überwacht. Steht ein Teilabschnitt unter Spannung, obwohl sich keine Straßenbahn über ihm befindet, so wird binnen 0,2 Sekunden der gesamte Streckenabschnitt abgeschaltet. Danach wird das defekte Teilstück identifiziert, deaktiviert, und die übrigen Teilabschnitte wieder aktiviert. Dieser Vorgang dauert 2 Sekunden. Ist ein Teilabschnitt defekt, so schalten die Fahrzeuge automatisch auf Batteriebetrieb um. Sie können dann eine maximale Strecke von 150 Metern mit einer Geschwindigkeit von 3 km/h bewältigen.

Begrünter Streckenabschnitt mit Oberleitung
Übergang zwischen Oberleitung und dem APS-System

Die Situation in Bordeaux[Bearbeiten]

Stromschiene, links unten ein isolierter Abschnitt

Um das Stadtbild nicht zu stören, fährt die Straßenbahn Bordeaux in der Innenstadt und in manchen Vororten ohne Oberleitung. Insgesamt sind 10.850 Meter mit dem neu entwickelten System „Alimentation Par le Sol“ (APS) ausgestattet.

In den Außenbereichen von Bordeaux fährt die Straßenbahn konventionell mit Oberleitung und Pantograph. Das Umschalten auf die jeweils andere Betriebsart findet während des Aufenthalts in einer Station statt und wird vom Fahrer initiiert. Der Vorgang dauert 20 Sekunden und verlängert die normale Aufenthaltszeit in der Station nicht. Der Hersteller Alstom wäre in der Lage gewesen, das System so zu konstruieren, dass die Umschaltung zwischen Oberleitung und APS automatisch und bei voller Geschwindigkeit erfolgt. Aus Kostengründen hat man darauf verzichtet und dem Fahrer die Aufgabe übertragen. Vergisst der Fahrer das Umschalten, so wird er durch einen Signalton gewarnt, sobald er versucht, in der Station anzufahren.

Das System APS gilt als äußerst innovativ, hatte aber mit massiven Kinderkrankheiten zu kämpfen. Betriebsstörungen waren in der Anfangsphase an der Tagesordnung, und oft musste ein Ersatzverkehr mit Bussen durchgeführt werden, was Zusatzkosten von 500.000 Euro pro Jahr verursachte. Mittlerweile hat das System eine zufriedenstellende Betriebssicherheit erreicht, wenngleich auch immer noch gelegentliche Störungen auftreten. Hauptursache ist meist stehendes Wasser nach starken Regenfällen, was zu elektrischen Defekten führen kann. Daher wurde es anfangs wegen seiner technischen Probleme von den Einwohnern Bordeaux’ und der örtlichen Presse stark kritisiert. Das Unterflursystem APS ist in der Errichtung etwa dreimal so teuer wie eine konventionelle Oberleitung und verursacht signifikant höhere Wartungs- und Betriebskosten. Außerdem verteuert das System jede Straßenbahngarnitur um ca. 100.000 Euro. Allerdings weisen die Projektverantwortlichen in Bordeaux darauf hin, dass die Straßenbahn nur ein Viertel dessen kostet, was eine U-Bahn gekostet hätte.

Einsatz in anderen Städten[Bearbeiten]

Mittlerweile haben sich aber die Vorzüge des Systems herausgestellt, zahlreiche Städte planen dessen Einführung: In Reims wurde im Frühjahr 2011 ein 2 km langes Teilstück der Straßenbahn im System APS in Dienst gestellt. Die Stadt Angers baute ein 1,5 km langes Teilstück ihrer Straßenbahn ohne Oberleitung, es wurde im Juni 2011 in Dienst gestellt.[1] Auch bei der Straßenbahn Orléans wurde im Juni 2012 das APS-System auf einem Teilstück der Strecke B eingeführt. Auch Dubai und Tours, mit einer 2 km langen APS-Strecke, entschieden sich für APS. In anderen Städten wurde ebenfalls die Einführung des APS-Systems überlegt, unter anderem in Marseille, Aachen, Nizza (entschied sich für Akku), Edinburgh und Melbourne.

Auch für den Bau einer Straßenbahn in Rio de Janeiro, die ebenfalls streckenweise mit der APS-Stromschienes ausgestattet werden soll, erhielt Alstom im Jahr 2013 den Zuschlag. Die Inbetriebnahme ist bereits für 2016 vorgesehen. Alstom hat eine 25-jährige Konzession für den Betrieb dieser Straßenbahn.[2]

10 Jahre nach Ausstattung der ersten Bahnlinie mit dem APS-System hat Alstom 151 Straßenbahnzüge mit dieser Technik ausgestattet. Die APS-Strecken haben eine Gesamtlänge von 43 km.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. railwaygazette.com: Angers tram opens, 29. Juni 2011, Zugriff am 2. September 2011
  2. Pressemitteilung des französischen Generalkunsulats in Rio de janeiro vom Mail 2013 (frz.) abgerufen am 22. April 2014
  3. Pressemitteilung (Dez. 2013) von Alstom zum 10-jährigen Bestehen von APS (engl.) abgerufen am 28. Mai 2014