Batteriebus

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Ein Akkubus der Wiener Linien wird per Oberleitung geladen

Ein Batteriebus, auch Elektrobus, E-Bus oder Akkubus genannt, ist ein Omnibus der von einem Elektromotor angetrieben wird und seine Antriebsenergie während der Fahrt wie ein Elektroauto ausschließlich aus einer mitgeführten Traktionsbatterie bezieht. Unabhängig davon nutzen auch viele Oberleitungsbusse Batterien als Hilfsantrieb beziehungsweise Notfahrt.

Teilweise sind Batteriebusse für den Ladevorgang mit Stromabnehmern ausgerüstet, die sowohl an Haltestellen als auch im Depot die Nachladung ermöglichen.[1] Werden sogenannte Superkondensatoren als Stromspeicher verwendet, können größere Energiemengen in kürzerer Zeit gespeichert werden.[2]

Vorteile[Bearbeiten]

Durch die Batterietechnik können auch im straßengebundenen Öffentlichen Personennahverkehr die Vorteile der Elektromobilität genutzt werden, ohne die vom Oberleitungsbus bekannte aufwändige zweipolige Fahrleitung errichten zu müssen. Wichtigster Vorteil gegenüber dem Oberleitungsbus sind dabei die geringeren Unterhaltskosten durch den Wegfall der teuren Infrastruktur sowie die höhere Flexibilität. Gegenüber den verbreiteteren Omnibussen mit Verbrennungsmotor punktet der Batteriebus vor allem durch den abgasfreien und geräuscharmen Betrieb, die bessere Beschleunigung sowie die Möglichkeit zur Rückgewinnung von Bremsenergie durch eine Nutzbremse.

Nachteile[Bearbeiten]

Von Nachteil sind beim Batteriebus die begrenzte Reichweite, das höhere Gewicht, die höheren Beschaffungskosten, die notwendige Ladeinfrastruktur sowie teilweise die zusätzlichen Standzeiten zum Laden beziehungsweise Austauschen der Stromspeicher. Batteriebusse sind daher fast ausschließlich im Stadtbusverkehr anzutreffen, wo nach relativ kurzer Fahrzeit wieder ein längerer Aufenthalt an einer Endstation erfolgt.

Geschichte[Bearbeiten]

Frühe Vertreter im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Der weltweit erste Batteriebus wurde im Mai 1898 in Berlin vorgestellt
Der Elektrische Straßenbahn-Omnibus von Siemens & Halske
Der Kühlstein-Batteriebus von 1899
Elektrotaxis und Elektrobus in Zermatt

Nachdem Werner Siemens bereits 1882 mit dem Elektromote in Halensee bei Berlin den ersten Vorläufer eines Oberleitungsbusses vorstellte, nahm die Netphener Omnibusgesellschaft 1895 zwischen Siegen und Deuz die weltweit erste Benzinomnibuslinie in Betrieb. Um die Jahrhundertwende begann man dann damit, den Vorteil des elektrischen Antriebs im öffentlichen Verkehr auch ohne den Bau einer aufwändigen Oberleitungsinfrastruktur zu nutzen.

Vorreiter war hierbei die Allgemeine Berliner Omnibus AG (ABOAG), die bereits am 25. Mai 1898 in Zusammenarbeit mit der Union-Elektricitäts-Gesellschaft (UEG) und der Gülcher-Akkumulatoren-Fabrik ihren ersten Elektro-Omnibus auf einer offiziellen Probefahrt vom Depot an der Kurfürstenstraße zum Bahnhof Halensee und zurück der Öffentlichkeit präsentierte. Hierbei handelte es sich um einen Umbau aus einem großen Pferdeomnibus, der in der Folge weitere Versuche unternahm, jedoch nicht in den Regelbetrieb gelangte.[3][4]

Ebenfalls 1989 stellte wiederum die ABOAG – allerdings in Zusammenarbeit mit dem UEG-Konkurrenten Siemens & Halske – den sogenannten Elektrischen Straßenbahn-Omnibus vor. Hierbei handelte es sich um ein Zweiwegefahrzeug, in Form eines Omnibusses der zusätzlich mit Leiträdern und einem Lyrastromabnehmer ausgestattet war. Dadurch konnte er seine Batterie während der Fahrt auf einem Straßenbahngleis aufladen um anschließend mit angehobenen Leiträdern und gesenktem Abnehmer im Batteriebetrieb von der Schienenstrecke abzuzweigen. Die Akkumulatoren hatten eine Reichweite von sechs Kilometern, das Projekt kam jedoch ebenfalls über Versuchsfahrten nicht hinaus und wurde schon 1900 wieder eingestellt.[5]

Einen weiteren elektrischen Omnibus in Berlin präsentierte der Charlottenburger Wagenbauer Kühlstein 1899. Der Wagen verfügte über zwölf Plätze im Inneren, zwölf Deck- und zwei Stehplätze und konnte mit einer Ladung 100 Kilometern überwinden. Mit Beginn der Internationalen Motorwagen-Ausstellung am 3. September 1899 verkehrte er im Linienverkehr zwischen dem Anhalter Bahnhof und dem Stettiner Bahnhof. Eine Ladung reichte für sechs Fahrten, am Askanischen Platz befand sich die Ladestation. Ab dem 13. März 1900 fuhren schließlich insgesamt zehn solcher Fahrzeuge auf der Strecke, doch musste dieser reguläre Verkehr infolge vielfältiger Störungen schon Ende des Jahres 1900 wieder aufgelassen werden.[6]

  • Die ehemalige Motorfahrzeug- und Motorenfabrik Berlin-Marienfelde lieferte 1899 einen sogenannten "elektrischen Hotel-Omnibus" an das Kaiser-Hotel, das damit seine Gäste transportierte. Seinem Äußeren nach erinnerte dieses Fahrzeug noch stark an eine Pferdekutsche.[7]
  • In Wien verkehrten ab 1907 vorübergehend Batteriebusse.[8]
  • Mercedes-Benz stellte 1969 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt am Main einen Akkubus mit der Typenbezeichnung OE 302 vor, er wurde 1974 zum Duo-Bus umgebaut.[9]
  • MAN, Bosch und VARTA reagierten 1970 in Zusammenarbeit mit der RWE mit der Vorstellung eines eigenen Batteriebusses auf Basis eines Metrobusses vom Typ 750 HO. Dieser führte die Batterien in einem einachsigen Anhänger mit und war einige Jahre lang bei der KEVAG in Koblenz im Einsatz.[10][11] Auf diesem Konzept basierend produzierte MAN ab 1975 mit dem Typ SL-E 200 einen serienmäßig hergestellten Batteriebus, zusammen wurden für Düsseldorf 14 (von 1975 bis 1988 im Linienverkehr eingesetzt, ab 1982 mit Stromabnehmer ausgerüstet, um an der Endstation Bahnhof Benrath elektronische Energie aufnehmen zu können) und für Mönchengladbach weitere acht Exemplare gebaut.[12][13]
  • Im weitgehend autofreien Schweizer Kurort Zermatt verkehren seit Januar 1988 von Vetter hergestellte Akkubusse auf einem 4,5 Kilometer langen Rundkurs, dabei bedienen sie sämtliche Talstationen der Zermatter Bergbahnen. Bei normalen Straßenverhältnissen reicht eine Batterieladung aus, um ein Tagespensum von maximal 22 Umläufen zu bewältigen. Für die Erschließung des Aussenquartiers Winkelmatten sind seit Dezember 1991 zusätzlich batteriebetriebene Kleinbusse mit 27 Plätzen auf der Strecke Bahnhof–Spiss–Winkelmatten in Betrieb. Je nach Witterungsverhältnissen müssen bei einer Streckenlänge von 5,2 Kilometern nach fünf bis sechs Kursen die Batterien gewechselt werden. Der Tausch erfolgt zwischen den fahrplanmässig ausgeführten Kursen und dauert rund eine Minute.[14]

Renaissance im 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Ein Batteriebus BYD ebus in Shanghai an einer Ladestation
Ein Microbus Gruau Électrique auf der Messe "23èmes Rencontres nationales du transport public" (2011)
Ladestation in Genf
Der Batterie-Kleinbus der RLG in Medebach

Die ersten Batteriebusse fielen meist kleiner aus und waren Klein-, Mini- oder Midibusse. Erst die zunehmende Verbesserung der Batterietechnik führte ab etwa 2010 zu einem Aufschwung des Batteriebusses, darunter auch schwerere Einheiten wie serienmäßig hergestellte Zwölf-Meter-Standardbusse und erste Gelenkwagen:

  • In Shanghai werden seit 2009 sukzessive Oberleitungsbuslinien auf Akkubusse umgestellt.[15]
  • Der 2011 vorgestellte Cobus 2500e ist das erste Omnibusmodell des Herstellers Contrac Cobus Industries aus Wiesbaden mit reinem Elektroantrieb.
  • In Mecklenburg-Vorpommern verkehrt seit Herbst 2012 im Rahmen des inmod-Projektes ein Elektrobus des tschechischen Herstellers SOR vom Typ EBN 8. Das acht Meter lange Fahrzeug hat 22 Sitzplätze, 35 Stehplätze sowie eine Reichweite von 160 bis 170 Kilometern täglich, die auf 220 bis 260 Kilometer erweitert werden kann. Zweimal täglich wird der Elektrobus jeweils eine Stunde lang mit einem Schnell-Ladegerät nachgeladen. Zum Einsatz kommen LiFePo-Akkus, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 80 km/h.[16]
  • Bei den Wiener Linien verkehren seit Ende 2012 auf den Innenstadtbuslinien 2A und 3A Elektrobusse. Sie werden an den Endstellen über einen Einholmstromabnehmer aufgeladen, der an kurze Oberleitungsstücke angelegt wird. Diese werden von der Straßenbahnfahrleitung gespeist. Die Wagen haben eine Reichweite von rund 150 Kilometern.[17]
  • In Genf wird seit Anfang 2013 an einem Projekt namens TOSA (Trolleybus Optimisation Système Alimentation, dt.: Trolleybus Optimierungssystem Stromversorgung) gearbeitet. Seit Mai 2013 verkehrt ein Batterie-Gelenkbus zwischen dem Flughafen und Palexpo. Dieser Bus kann an einer Haltestelle innerhalb von 15 Sekunden aufgeladen werden. An der Endhaltestelle dauert der Ladevorgang drei bis vier Minuten. Das Projekt kostete fünf Millionen Franken.[18]
  • Die Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH (RLG) setzt seit Mai 2013 in Medebach und Winterberg einen Elektro-Kleinbus als Quartierbus ein. Die Reichweite des Fahrzeugs beträgt etwa 120 Kilometer, der Nachladevorgang dauert bei vollständiger Entladung etwa drei Stunden. Im Linieneinsatz reicht eine Nachladung über 1,5 Stunden in der Mittagspause aus, um den Tagesumlauf abzudecken.[19]
  • Die derzeit größte Flotte von Batteriebussen wird in der chinesischen Millionenstadt Dalian eingesetzt. Dort finden 600 Busse des Typs BYD ebus Verwendung; der Kauf weiterer 600 Fahrzeuge ist für 2015 vorgesehen. Auch in vielen anderen Städten Chinas werden Busse mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren zunehmend durch Batteriebusse ersetzt. Seit 2013 werden auch in den Niederlanden Busse dieses Typs im Liniendienst verwendet; in Deutschland fanden Testfahrten in Bremen und in Bonn statt.[20] Ein seit Oktober 2014 vorgestellter Gelenkbus wird in der Presse als weltweit größtes Batteriefahrzeug beschrieben[21], was aber nicht belegt ist. Für 2015 bereitet BYD Auto die Markteinführung des ersten Batterie-Doppeldeckerbusses vor.[22]
  • In Braunschweig wird seit Ende 2013 ein Elektrobus im Linienbetrieb eingesetzt. Ab Ende 2014 sollen nach und nach weitere 8 Elektrobusse eingesetzt werden. Als Besonderheit des „EmiL“ (Elektromobilität mittels induktiver Ladung) bezeichneten Gemeinschaftsprojektes verfügt das Fahrzeug über eine induktive, kontaktlose Aufladung.[23][24] Sowohl Fahrzeuge als auch die Ladestationen entstanden unter Beteiligung von Bombardier.[25]
  • In der südkoreanischen Stadt Gumi wurde erstmals ein Straßenabschnitt zur induktiven Lademöglichkeit während der Fahrt realisiert. Die Technologie wird mit zwei Elektrobussen erprobt und soll ausgebaut werden.[26]
  • In Kalifornien werden seit Ende Oktober 2013, wegen deutlich geringerer Betriebskosten, batterieelektrische Schulbusse eingesetzt.[27]
  • In Osnabrück werden seit 2011 Elektrobusse auf der neuen Linie 94 vom Neumarkt bis zum Marienhospital bzw. über das Marienhospital zur Rosenburg eingesetzt. Im Betrieb sind die Modelle BredaMenarini-Bus ZEUS M 200 E sowie PVI Oreos X4.
  • In Hamburg werden seit 2014 Elektrobusse auf der Linie 48 eingesetzt[28] Hersteller der Elektrobusse ist das Unternehmen Rampini.[29]
  • Die Dresdner Verkehrsbetriebe testen zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme seit dem 3. November 2014 Elektrobusse.[30]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Trolley:Motion, 27. Mai 2013: Shanghai - Weitere Reduzierung des Trolleybusnetzes - ungewisse Zukunft, aufgerufen 8. Oktober 2013
  2. MIT-Technology Review: Next Stop: Ultracapacitor Buses, aufgerufen 18. November 2013
  3. Probefahrt des ersten Elektrobusses auf www.luise-berlin.de
  4. Der Berliner Omnibus auf www.omnibusarchiv.de
  5. Mattis Schindler, Ludger Kenning (Hrsg.): Obusse in Deutschland. Band 1: Berlin - Brandenburg - Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein - Hamburg - Bremen - Niedersachsen, Sachsen-Anhalt - Thüringen - Sachsen, Frühere deutsche Ostgebiete. Kenning, Nordhorn 2009, ISBN 978-3-933613-34-9.
  6. Elektromobilität im Jahr 1899, Der Tagesspiegel vom 19. August 2014
  7. Alternative Antriebe in Omnibussen der Daimler AG – Teil I, Dokumentation auf omnibusarchiv.de
  8. Helmut Portele: Sammlung „Wiener Tramwaymuseum“. Fahrzeugerhaltung, Dokumentation und Betriebsmuseum. Geschichte der Sammlung „Wiener Tramwaymuseum“ und ihre Exponate, Eigenverlag der Sammlung „Wiener Tramwaymuseum“, 3. Auflage, Wien 2009, ISBN 978-3-200-01562-3, S. 925.
  9. Der DUO-Bus Prototyp (Batterie / Netz) auf www.obus-es.de
  10. Die Geschichte der Elektromobilität auf rwe.com
  11. Der Batteriebus, Artikel in der Wochenzeitung DIE ZEIT, erschienen am 1. Mai 1970
  12. Der Elektrobus SL-E der Rheinbahn auf rheinbahn.de
  13. Der Elektrobus SL-E der Rheinbahn auf linied.net
  14. Elektrobusbetrieb Zermatt auf gemeinde.zermatt.ch
  15. Shanghai: Investitionen im Netz bleiben aus, Meldung auf www.trolleymotion.ch vom 12. November 2012
  16. Der SOR-Elektrobus auf www.inmod.de
  17. Elektrobusse ab 2013 in der City. auf wien.orf.at, abgerufen am 10. September 2012.
  18. DOSSIER DE PRESSE AVRIL 2013, TOSA (PDF; 543 kB)
  19. WinBus und MedeBus auf www.rlg-online.de
  20. newstixs, 30. Juni 2013: Elektromobilität für Bonn: Positive Testergebnisse mit chinesischem Elektrobus, aufgerufen 16. Juli 2013
  21. Come Ride The World's Largest Battery Electric Vehicle In Long Beach Kusi-TV (San Diego) vom 20. November 2014. Abgerufen am 22. November 2014.
  22. BYD Internetauftritt des Herstellers. Abgerufen am 23. November 2014.
  23. Braunschweiger Verkehrs AG: Elektrobusse mit induktiver Ladetechnik – der Schritt in ein neues Zeitalter, aufgerufen 8. Oktober 2013
  24. YouTube: EmiL - Elektromobilität mittels induktiver Ladung, Videoanimation, aufgerufen 8. Oktober 2013
  25. eurailpress.de, 11. September 2013: Bombardier: Primove-Station in Braunschweig in Betrieb, aufgerufen 8. Oktober 2013
  26. Bild.de, 8. August 2013: Südkorea setzt Straßen unter Strom, aufgerufen 21. Oktober 2013
  27. EarthTechling, 4. November 2013: Electric School Bus Idea Set To Debut In California, aufgerufen 16. November 2013
  28. http://www.zeit.de/hamburg/politik-wirtschaft/2014-10/elektrobus-premiere-blankenese
  29. http://www.sat1regional.de/aktuell/article/elektrobus-in-hamburg-faehrt-jetzt-erstmals-die-e-bergziege-158214.html
  30. http://www.energie.fraunhofer.de/de/bildmaterial/pdf_pressemitteilungen/141030_pm_fraunhofer-ivi-praxiseinsatz-fuer-edda-bus-2013-fraunhofer-elektrobus-wird-auf-linie-61-getestet.pdf