Arachne (Bilddatenbank)

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Arachne
Arachne Logo1.gif
arachne.uni-koeln.de
Beschreibung Kostenfreie Bilddatenbank für archäologische Objekte
Registrierung optional
Eigentümer Deutsches Archäologisches Institut und Arbeitsstelle für Digitale Archäologie am Archäologischen Institut der Universität zu Köln
Urheber Reinhard Förtsch
Erschienen Januar 1995

Arachne ist die zentrale Objektdatenbank des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und der Arbeitsstelle für Digitale Archäologie (ehemals Forschungsarchiv für Antike Plastik) am Archäologischen Institut der Universität zu Köln, administriert von Reinhard Förtsch. Arachne soll als kostenloses Werkzeug der Internetrecherche für die Archäologie(n) und die Klassische Altertumswissenschaft Objekte und Zustände erschließen helfen und aus Hunderttausenden von Datensätzen schnell auffindbar machen. Dies gilt einerseits für den Bereich der seit langem bestehenden analogen Dokumentationsbestände, die teilweise zerfallsbedroht und weitestgehend unerschlossen sind: hier wird aktive digitale Erschließung betrieben. Es gilt aber andererseits auch für den Bereich der zunehmend überbordenden Neuproduktion digitaler Objekt- und Bilddaten: hier gilt eine niedrigstschwellig vorgehende Strukturierung, die auf der Ebene maschinenlesbarer Metadaten Strategien des Semantic Web verwendet. Alle digitalisierten, bildlichen und textuellen Objektinformationen werden auf einem mehrfach redundanten Tivoli Storage System langzeitgesichert und im Kölner Storage Area Network via AFS weltweit online gehalten.

Organisation und Konzept[Bearbeiten]

Seit 2004 wird Arachne von einem Konsortium betrieben, dem das DAI und die Arbeitsstelle für Digitale Archäologie des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln angehören. Das Ziel ist die inhaltliche und technische Weiterentwicklung, Arachne ist also keine abgeschlossene Webdatenbank, sondern work in progress.

Das Datenbankdesign von Arachne benutzt ein Weltmodell, welches von zwei der einfachsten Grundvoraussetzungen in der Archäologie oder Kunstgeschichte ausgeht: alle Objekte der »realen Welt« sollen auf einer sehr allgemeinen Ebene vergleichbar sein und liegen in einem Kontext vor. So versucht Arachne, einen der grundlegenden Fehler früherer Datenbanken zu vermeiden, welche ihre Objektmodellierung rein projektorientiert vollzogen und so separate Abteilungen mit immer nur einer kleinen Anzahl von Objekten erzeugten, die untereinander nicht vergleichbar waren, sondern eine voneinander abgeschottete Existenz führen. Alle Objekte in Arachne hingegen haben eine gemeinsame Grundlage von Attributen im Objektmodell, die durch klassenspezifische Attribute, zum Beispiel zur Topographie oder Architektur, erweitert werden. So können die allgemeinen Attribute für Abfragen über eine große Anzahl von Objekten genutzt werden, während spezielle Abfragen auch nur Objekte der betreffenden Kategorie finden, die diese Attribute tragen und selbige vollständig kontextualisiert darstellen.

Arachne versucht, Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Systemen zu schaffen und gleichzeitig die Urheberrechte der Erzeuger zu schützen – einer der zentralen Punkte in der Zusammenarbeit mit dem DAI. Auch innerhalb des DAI wird Interoperabilität immer wichtiger, vor allem zwischen Arachne als zentraler Bilddatenbank und den unterschiedlichen, auf Ausgrabungen und Surveys benutzten GIS, um bei der Datenhaltung die nicht sicherheitsrelevante Redundanz möglichst gering zu halten. Ein weiteres Vorhaben seitens des DAI ist das Bereitstellen von URIs (Universal Resource Identifier) für alle digital erfassten Objekte. Auch die Einbindung des CIDOC Conceptual Reference Model und der Open Archives Initiative (OAI) ist von großer Bedeutung, und als Partner im CLAROSnet Projekt wird ein – bisher fehlendes – multilinguales Interface geschaffen. Die Politik der Arbeitsstelle für Digitale Archäologie (CoDArchLab) und des DAIs zielen auf eine internationale Zusammenarbeit ab, um diese komplexen Probleme nicht alleine anzugehen.

Arachne hat derzeit über 8500 angemeldete Benutzer, die Zugriff auf über eine Million Scans und über 300.000 Objekte haben (Stand KW 14, 2013). Die Benutzung ist kostenfrei. Die Qualität ist naturgemäß unterschiedlich, je nach Herkunft des Bildes und Stand der Dokumentation. Vorhersagen über die erreichbaren Digitalisierungsanteile bezogen auf den realen Datenbestand sind naturgemäß schwierig. Ein Annäherungswert lässt sich möglicherweise gewinnen im Bereich der Digitalisierungsprojekte des kulturellen Erbes in Europa, wo man angesichts bei der aktuellen finanziellen Situation von der Digitalisierbarkeit etwa 30 % des realen Bestandes ausgeht. Für Arachne würde das etwa 700.000 Bilder bedeuten; unter Annahme von neu erzeugtem Dokumentationsmaterial wären dann etwa eine Million Bilder in 20 bis 30 Jahren realistisch. All diese Bilder wären dann zumindest in Bezug auf Material und topographischer Situation vollständig abfragbar, auch würde sich der Focus dann nicht mehr allein auf der klassischen Antike befinden, sondern auch andere Gebiete wie Südamerika umfassen.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Arachne wurde 1995 als FileMaker-Lösung entwickelt und profitiert seit 2001 von der Einrichtung eines Lehrstuhls für Historisch-Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung an der Universität zu Köln, dessen Studenten Arachne als Testumgebung für ernsthafte, realitätsnahe Programmierprojekte benutzen.

Dank der signifikanten und kontinuierlichen Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft integriert Arachne seit 2001 auch Negativarchive, die die Kölner Bestände erheblich erweitert haben. So wurden die Archive der Fotografinnen Barbara Malter und Gisela Fittschen-Badura digitalisiert und dokumentiert, und seit 2003 auch die Skulpturennegative des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom. Dadurch wuchs der Datenbestand um 40000 qualitätvolle digitale Aufnahmen antiker Skulptur, die entsprechend wissenschaftlich dokumentiert wurden.

2004 wurde Arachne grundlegend umstrukturiert, sowohl, was die Technik betrifft, als auch semantisch-redaktionell. Die Daten der FileMaker-Lösung wurden exportiert, und die neue Arachne als MAMP-Lösung aufgesetzt. Bedenkt man Arachnes strategische Positionierung als zentrale Objektdatenbank einer Institution, die ca. zwei Millionen Bilder in ihren Archiven beherbergt und ständig neue Sach- und Bilddaten produziert, lässt sich daraus auch der zukünftige Arbeits- und Entwicklungsaufwand ermessen, um diese Informationsbestände wenigstens teil- und schrittweise zu erfassen.

Seit 2006 kam es im Rahmen des Projektes "Emagines" zur Digitalisierung der Glasnegativbestände der Deutschen Archäologischen Institute in Athen, Kairo und Istanbul. Diese Bildbestände (ca. 85.000 Bilddatensätze) wurden in die Arachne-Datenbank integriert und öffentlich zugänglich gemacht. Weitere Bildbestände wurden durch das 2009 begonnene Projekt "Berliner Skulpturennetzwerk - Kontextualisierung und Übersetzung antiker Plastik" erschlossen. Das Projekt verfolgte das Ziel, den Aufstellungskontext der Skulpturen der Berliner Antikensammlung zu rekonstruieren, um daraus räumliche, funktionale und inhaltliche Zusammenhänge abzuleiten. Etwa 22.000 Bilder zu 3560 antiken Objekten der Berliner Antikensammlung sowie zu 2855 Reproduktionen sind über das arachne-Portal Gesamtkatalog der Skulpturen in der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin frei zugänglich.[1]

Laufende Projekte[Bearbeiten]

Zurzeit werden unter dem Projekttitel Rezeption der Antike im semantischen Netz (Stichwerkprojekt) vollständig digitalisierte, altertumswissenschaftliche Druckwerke vom 16. bis zum 19. Jh., die heute urheberrechtsfrei sind, über den iDAI.Bookbrowser bereitgestellt.[2] Die in den Stichwerken dargestellten Objekte werden dabei mit den Objektdatensätzen der Arachne verlinkt, was bereits exemplarisch mit den Katalogen[3] Scipione Maffeis von 1749 und dem[4] Musée de Sculpture antique et moderne Claracs von 1828 an gemacht wurde. Bisher wurden bereits über 1300 Stichwerke mit zusammen mehr als 300.000 Seiten digitalisiert (Stand: KW 12, 2013), diese sind frei zugänglich und können kommentiert werden. Sie werden zudem in das Portal Propylaeum,[5] die virtuelle Fachbibliothek Altertumswissenschaften, integriert. Ein wichtiger Teilbereich des dadurch entstandenen iDAi-Bookbrowsers ist das Projekt «CIL Open Access», das die urheberrechtsfreien Bände des Corpus Inscriptionum Latinarum als Digitalisate zur Verfügung stellt. Bisher sind 53 Bände dieser Reihe kostenfrei zugänglich (Stand: Okt. 2012).[6]

Das DAI nimmt über die online-Datenbank Arachne als Mitantragsteller am multinationalen Europäischen Projekt CARARE teil. Gegenstand dieses Projektes ist die Integration von Inhalten aus den Bereichen archäologischer und architektonischer Kulturgüter in Europeana, einen Online-Service, der das kulturelle Erbe Europas zusammenführen soll. Das DAI wird dabei über Arachne die Metadaten von 120.000 Digitalisaten historischer Aufnahmen auf Glasplattennegativen zur Verfügung stellen, die überwiegend im Rahmen des Projektes "Emagines" erstellt wurden.

Ein weiteres Kooperationsprojekt der Arachne ist das "Hellespontprojekt: die Integration von Arachne und Perseus".[7] Als Partner des Deutschen Archäologischen Instituts kooperiert das CoDArchLab mit der Perseus Digital Library der Tufts University, um die digitalen Bestände zur Altertumswissenschaft beider Institutionen zu kombinieren. Dadurch wird eine der umfangreichsten und zudem für öffentlichen und wissenschaftlichen Gebrauch kostenlos bereitstehenden Online-Ressourcen zur griechisch-römischen Antike geschaffen. Kern des Hellespont-Projekts ist die Verknüpfung von Text- und Objektdaten auf der Basis des Metadatenformats CIDOC CRM. Als Ausgangspunkt für die Integration beider Datenbestände dient die materielle Welt in Thukydides' Pentekontaetie (Thuk. 1,89-1,118), der sich weitere Teile des Textes anschließen sollen.

Weitere Planung[Bearbeiten]

Auf der Roadmap der weiteren technischen Entwicklung für die nächsten Jahre steht neben der weiteren Integration von neuen archäologischen Kategorien eine weitere Strukturierung des Thesaurus, eine verbesserte Verlaufsfunktion und eine flexiblere Darstellung von Suchergebnismengen. Die Problematik der Darstellung großer Ergebnismengen ist für keine Webdatenbank ein unbekanntes, und Arachne will dem mit der Implementierung eines Topic Map Modells begegnen, um dem Benutzer zu ermöglichen, zwischen einer eher textuellen und einer eher grafischen Darstellung der Resultate hin- und herzuschalten.

Literatur[Bearbeiten]

  • R. Förtsch - M. Keuler, Cologne Digital Archaeology Laboratory - Arbeitstelle für Digitale Archäologie, M. Bentz - M. Heinzelmann (Hrsgg.), Kölner und Bonner Archaeologica (KuBA) 1, 2011, 174-175.
  • P. Scheding - R. Krempel - M. Remmy, "Vom Computer reden ist nicht schwer...". Projekte und Perspektiven der Arbeitstelle für digitale Archäologie, M. Bentz - M. Heinzelmann (Hrsgg.), Kölner und Bonner Archaeologica (KuBA) 3, 2013, 265-270.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. M. Remmy - M. Riedel, Das Berliner Skulpturennetzwerk: Was vom Netzwerk übrig bleibt..., M. Bentz - M. Heinzelmann (Hrsgg.), Kölner und Bonner Archaeologica (KuBA) 3, 2013, 271-274.
  2. iDAI.Bookbrowser
  3. Scipione Maffeis
  4. Musée de Sculpture antique et moderne Claracs
  5. Propylaeum – Virtuelle Fachbibliothek Altertumswissenschaften
  6. CIL online
  7. Hellespontprojekt

Weblinks[Bearbeiten]