Kulturgut

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Kulturgut-Urkunde für eine Rokokokirche in Bergkirchen

Kulturgut ist im allgemeinen Sprachgebrauch laut Duden:

„etwas, was als kultureller Wert Bestand hat und bewahrt wird.“[1]

Damit wird klar, dass Kulturgut nicht an Materie gebunden sein muss. Jedoch ist eine Beständigkeit erforderlich.

Die Gesamtheit der Kulturgüter wird als Kulturelles Erbe oder Kulturerbe (cultural heritage) bezeichnet. Neben den dinglichen Objekten beispielsweise des internationalen UNESCO-Welterbes und des Weltdokumentenerbes oder auch der als Eingetragenes Kulturgut geschützten Archivalien wie der Musikbibliothek Peters fallen hierunter insbesondere auch die nicht an Objekte gebundenen Güter des Immateriellen Kulturerbes einschließlich der Mündlichen Überlieferungen.

Wortherkunft[Bearbeiten]

Der Begriff des héritage (Französisch für „Erbe“) wurde durch den Bischof von Blois, Henri-Baptiste Grégoire, Ende des 18. Jahrhunderts geprägt.

Was zählt als Kulturgut?[Bearbeiten]

Der Begriff des Kulturguts wird im deutschen Sprachraum vielfältig verwendet. Er umfasst sowohl bewegliche wie auch unbewegliche Güter. Kulturgüter sind in der Regel von archäologischer, geschichtlicher, literarischer, künstlerischer und/oder wissenschaftlicher Bedeutung. „Kulturgüter“ oder „Kulturgut“ können sowohl Bestände von Bibliotheken, Archiven und Museen als auch Gebäude (Baudenkmäler wie Kirchen, Klöster, Schlösser) oder Bodendenkmäler sein. Seit den 1960er-Jahren werden auch Werke der technischen Kultur verstärkt als Kulturgut anerkannt (z. B. historische Produktionsanlagen, Verkehrsmittel usw.). Kulturgüter stammen häufig aus der Hochkultur, sie können aber auch zur Volkskultur, der Alltagskultur oder Industriekultur gehören.

Häufig wird der Begriff verwendet, wenn es um den „Erhalt“ von bewahrens- oder schützenswerten Kulturgütern oder um den erfolgten bzw. drohenden „Verlust“ in Kriegen, bei Katastrophen oder durch Antikenhehlerei geht.

Rechtssprache[Bearbeiten]

In der Rechtssprache erscheint „Kulturgut“ in unterschiedlichem Zusammenhang, etwa in der Bundesrepublik Deutschland im „Kulturgutschutzgesetz“ (Gesetz zum Schutz deutschen Kulturgutes gegen Abwanderung), das nur bewegliches Kulturgut überwiegend in privater Hand betrifft. Kulturgutschutz und Denkmalschutz hängen eng zusammen. In der Schweiz wird der Begriff des Kulturguts vom "Kulturgütertransfergesetz" (Umsetzungsgesetzgebung der UNESCO-Konvention von 1970) verwendet.

Der Schutz von Kulturgut ist vielfältig. Als Aufgabe des Zivilschutzes ist in der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten beschrieben. Gebäude erhalten mit einer Urkunde den Status „Schutzwürdiges Kulturgut“ und werden mit einem blauweißen Rautezeichen gekennzeichnet. In der Bundesrepublik ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) für die Durchführung der Maßnahmen zuständig.

Europäisches Kulturerbe-Siegel[Bearbeiten]

Am 28. April 2006 haben mehrere Mitgliedstaaten der Europäischen Union in Granada, Spanien, eine zwischenstaatliche Initiative zum Europäischen Kulturerbe-Siegel ins Leben gerufen. Der Rat der Europäischen Union hat am 20. November 2008 diese Initiative unterstützt und die EU-Kommission aufgefordert, einen Vorschlag für die Schaffung eines Europäischen Kulturerbe-Siegels durch die EU zu unterbreiten und die praktischen Modalitäten für die Durchführung dieses Projekts festzulegen. Am 16. November 2011 hat das Europäische Parlament und des Rates die Schaffung einer Maßnahme für das Europäische Kulturerbe-Siegel beschlossen. Das Siegel soll einen Mehrwert anstreben und andere Initiativen zu ergänzen suchen, z. B. die UNESCO-Liste des Welterbes, die Repräsentative UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit und die Initiative des Europarats (Europäische Kulturstraße). Eine europäische Jury aus 13 unabhängigen Experten wird hierzu eingerichtet und soll die Auswahl und Kontrolle auf Ebene EU durchführen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulf Häder: Beiträge öffentlicher Einrichtungen der Bundesrepublik Deutschland zum Umgang mit Kulturgütern aus ehemaligem jüdischen Besitz (= Veröffentlichungen der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste. Bd. 1). Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste, Magdeburg 2001, ISBN 3-00-008868-7.
  • Thomas Mathà: Kulturgüterrecht in Südtirol (= Schriftenreihe Italienisches Öffentliches Recht an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Bd. 2). studia Universitätsverlag, Innsbruck 2005, ISBN 3-901502-71-8.
  • Regina Bendix, Kilian Bizer, Stefan Groth (Hrsg.): Die Konstituierung von Cultural Property. Forschungsperspektiven (= Göttinger Studien zu Cultural Property. Bd. 1). Göttinger Universitätsverlag, Göttingen 2010, ISBN 978-3-941875-61-6, online-version (PDF; 12,1 MB).
  • Jörn Radloff: Kulturgüterrecht Unter besonderer Berücksichtigung der Außenhandelsbeschränkungen und Mitnahmeverbote von Kunst- und Kulturgut in Privateigentum (Schriften zum Öffentlichen Recht (SÖR), Band 1258), Duncker & Humblot, Berlin 2013, ISBN 978-3-428-13957-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Kulturgutschutz – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kulturgut, das. In: Duden, abgerufen am 28. Oktober 2012.