Arnold Hugh Martin Jones

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Arnold Hugh Martin Jones (* 9. März 1904 in Birkenhead; † 8. April 1970 auf der Schiffspassage von Brindisi nach Patras) war ein bedeutender englischer Althistoriker.

Arnold Hugh Martin Jones erlangte 1926 seinen Abschluss in Literae Humaniores (ein Studium mit klassischen Inhalten, Alte Geschichte und Philosophie). Er war von 1926 bis 1946 Fellow am All Souls College in Oxford und von 1946 bis 1951 Professor für Alte Geschichte am University College London. Von 1929 bis 1934 war Jones Reader in Alter Geschichte an der Universität Kairo. Von 1939 bis 1946 war Jones Lecturer in Alter Geschichte am Wadham College in Oxford. 1944 schrieb er für das britische Informationsministerium, einer Propagandaeinrichtung während des Zweiten Weltkrieges, eine Abhandlung über britische Kirchenbauten. Von 1946 bis 1951 war er Professor für Alte Geschichte am University College London.

Von 1951 bis 1970 lehrte er als Nachfolger von Frank E. Adcock als Professor für Alte Geschichte an der University Cambridge und war Fellow am Jesus College. Er beschäftigte sich mit der gesamten klassischen Antike und verfasste Darstellungen über die Attische Demokratie, die römische Verwaltung und Gerichtswesen, die antike Stadt Sparta, die römischen Kaiser Augustus und Konstantin, die Wirtschaftsgeschichte oder die Entwicklung der Städte in der Antike, wobei er eine erstaunliche Kenntnis der literarischen Quellen (weniger Beachtung schenkte er der Archäologie) an den Tag legte.

Er machte sich vor allem um die Erforschung der Spätantike verdient. Als sein Hauptwerk wird die dreibändige Darstellung The Later Roman Empire, 284–602. A social, economic and administrative survey angesehen, das das Ende der Antike mit dem Tod des oströmischen Kaisers Maurikios 602 ansetzt. Es wurde fast ausschließlich aus den (nicht-archäologischen) Quellen gearbeitet, ist sehr detailliert gestaltet und gilt bis heute als eines der wichtigsten Handbücher zur spätrömischen Geschichte. Es ist aufgrund der außerordentlichen Faktendichte allerdings nur schwer lesbar. Die Weigerung seines Verfassers, die Forschungen anderer zu berücksichtigen, sorgte früh für Irritationen; zumal man früh erkannte, dass Jones die Arbeiten anderer Gelehrter in Wahrheit in viel stärkerem Maße herangezogen hatte, als er behauptete. Außerdem war er bis zu seinem Tod an der Konzeption der wichtigen Prosopography of the Later Roman Empire über den Zeitraum von 260 bis 641 beteiligt. Der erste Band konnte 1971 veröffentlicht werden. Der Einfluss von Jones auf die anglo-amerikanische Forschung im Bereich der Spätantike kann kaum überschätzt werden.

Schriften[Bearbeiten]

  • The Cities of the Eastern Roman Provinces (1937)
  • The Herods of Judaea (1938)
  • The Greek City from Alexander to Justinian (1940)
  • The British Churches in War Time. HMSO, London, (1944)
  • Ancient Economic History (1948)
  • Constantine and the conversion of Europe (1948)
  • Athenian Democracy (1957)
  • Studies in Roman Government and Law (1960)
  • The Later Roman Empire 284–602. A social, economic and administrative survey, 3 Bde. (1964); Nachdruck in 2 Bde. 1986
  • The decline of the ancient world (1966; stellt eine Kurzfassung von Jones’ Later Roman Empire dar)
  • Sparta (1967)
  • Augustus (1970)
  • The Prosopography of the Later Roman Empire, Bd. 1, zusammen mit John Robert Martindale und John Morris (1971)

Literatur[Bearbeiten]

  • John Anthony Crook: A.H.M. Jones. In: Proceedings of the British Academy, Bd 57 (1971), S, 425–438.
  • David M. Gwynn (Hrsg.): A.H.M. Jones and the Later Roman Empire. Brill, Leiden 2008.
  • A.D. Lee: Art. Jones, Arnold Hugh Martin. In: The Dictionary of British Classicists 2, S. 522–524
  • John H. W. G. Liebeschuetz: A. H. M. Jones and the Later Roman Empire. In: D. Clark (Hrsg.), The Later Roman Empire Today. Papers given in honour of Professor John Mann. London 1993, S. 1–8.
  • Stefan Rebenich: Jones, Arnold Hugh Martin. In: Peter Kuhlmann, Helmuth Schneider (Hrsg.): Geschichte der Altertumswissenschaften. Biographisches Lexikon (= Der neue Pauly. Supplemente. Bd. 6). Metzler, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-476-02033-8, Sp. 627–629.
  • Stefan Rebenich: Mommsen, Harnack und die Prosopographie der Spätantike. In: Studia Patristica 29 (1997), S. 109–118