Österreichisches Deutsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

(Weitergeleitet von Austriazismus)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Österreichisches Deutsch

Gesprochen in

Österreich
Sprecher ungefähr 8,2 Millionen
Linguistische
Klassifikation
Besonderheiten Seit 1951 durch das Österreichische Wörterbuch staatlich normiert
Sprachcodes
Locale/IETF:

de-AT

Österreichisches Deutsch (ugs.: Österreichisch) bezeichnet die vorwiegend in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten (Varietäten) der deutschen Hochsprache (Schriftsprache) und ihres Wortschatzes (Liste von Austriazismen). Diese hochsprachlichen Besonderheiten haben sich in Österreich geschichtlich entwickelt und stellen zwar keine eigenständige Sprache dar, sind aber seit der II. Republik als Standardvarietät der deutschen Sprache durch das vom Unterrichtsministerium mitinitiierte Österreichische Wörterbuch staatlich normiert (zur Definition und sprachwissenschaftlichen Abgrenzung vgl. insbesondere [1]).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Allgemeines

Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und Regionaldialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich (nach 1804: Kaisertum Österreich; nach 1867: Doppelmonarchie Österreich-Ungarn) zurück, dessen Ursprünge Joseph von Sonnenfels ab dem Jahre 1784 maßgeblich mitgeprägt hat.

Außerdem umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich; einige dieser Ausdrücke sind sogar durch Verträge mit der EU geschützt, damit EU-Recht Österreich nicht zwingt, hier fremde deutschsprachige Begriffe anzuwenden.

Daneben gibt es in Österreich abseits der hochsprachlichen Standardvarietät noch zahlreiche regionale Dialektformen, hier insbesondere bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache sehr stark genutzt, finden aber abgesehen von den oben angesprochenen Einflüssen keinen direkten Niederschlag in der Schriftsprache (ausgenommen Mundartdichter usw.).

Am österreichischen Deutsch zeigt sich die plurizentrische Eigenschaft der deutschen Sprache, ein typisches Merkmal sprecherreicher Sprachen, die über Staatsgrenzen hinaus verbreitet sind.[2]

Allerdings gibt es zur Plurizentrik des Deutschen einen laufenden Entwicklungs- und Diskussionsprozess in der Germanistik, die noch bis in die 1980er-Jahre die Monozentrik des Deutschen vertrat und das Konzept der plurizentrische Sprache erst seither entwickelt und verfeinert hat.[3][4]

Deshalb ist der Begriff des österreichischen Deutsch nicht unumstritten[5], wird aber von der Mehrzahl führender Sprachwissenschafter Österreichs belegt, wobei es in Deutschland dazu auch kritische Expertenmeinungen gibt.

Dieser Diskussionsprozess der Germanistik wird daher im abschließenden Abschnitt Sprachwissenschaftliche Diskussion zum Begriff österreichisches Deutsch dargestellt. Eine aktuelle sprachwissenschaftliche Übersicht des deutschen Linguisten Jan-Hendrik Leerkamp stellt 2003 jedenfalls fest: In der Forschung scheint die Existenz einer eigenständigen nationalen Varietät des österreichischen Deutsch mittlerweile weitestgehend anerkannt. (vgl. [6], S. 9).

[Bearbeiten] Geschichtliche Entwicklung

Siehe auch: Deutsche Sprachgeschichte, Deutsche Rechtschreibung

Der ehemalige deutsche Sprachraum (nieder-, mittel- und oberdeutsche Mundarten) ohne Baltendeutsches, Wolgadeutsches Sprachgebiet und Sprachgebiete in Überseeischen ehem. Kolonialgebieten (Stand: 31. Dezember 1937)
Der ehemalige deutsche Sprachraum (nieder-, mittel- und oberdeutsche Mundarten) ohne Baltendeutsches, Wolgadeutsches Sprachgebiet und Sprachgebiete in Überseeischen ehem. Kolonialgebieten (Stand: 31. Dezember 1937)
Nationalitäten und Umgangssprachen in Österreich-Ungarn 1910/1911
Nationalitäten und Umgangssprachen in Österreich-Ungarn 1910/1911

[Bearbeiten] 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert erforschte der altösterreichische Sprachforscher Johann Siegmund Popowitsch Unterschiede zwischen dem in den Österreichischen Erblanden und anderen Teilen des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation gesprochenen und geschriebenen Deutsch. Popowitsch war slowenischer Herkunft und stammte aus der Untersteiermark; von 1753 bis 1766 war er an der Universität Wien Professor für Deutsche Sprache und ein Gegner Gottscheds, der die deutsche Sprache nach dem Meißnischen Sprachgebrauch normierte.[7]

Bei seinem Tod 1774 hinterließ Popowitsch einen umfangreichen Zettelkasten, aus dem das erste österreichische Wörterbuch hätte hervorgehen sollen.[8]

Während der Zeit Maria Theresias und Josephs II. engagierte sich der österreichische Aufklärer und Schriftsteller Joseph von Sonnenfels, Professor an der Universität Wien, für die Vereinheitlichung der Sprache und die Reduktion der Sprachenvielfalt in der Verwaltung des Vielvölkerstaates (allerdings mit einem pragmatisch-aufklärerischen Zugang klar abgegrenzt vom mechanisch-puristischen Zugang Gottscheds). 1784, als Joseph II. versucht, die deutsche Sprache als allgemeine Amtssprache durchzusetzen, schafft Sonnenfels mit seinem Buch Über den Geschäftsstil: die ersten Grundlinien für angehende österreichische Kanzleybeamten ein Standardwerk, das bis 1848 an österreichischen Universitäten (insb. juridischen Fakultäten) maßgeblich war:

Erklärtes Ziel des Lehrbuches war es, die Sprache der Verwaltung so zu normieren, dass sie überall im großen Vielvölkerstaat einheitlich gehandhabt würde, so dass ein Beamter, der plötzlich an einen neuen Dienstort versetzt würde (eine durchaus wirklichkeitsnahe Überlegung), in der Lage wäre, ohne zusätzliche Einschulung so weiterzuarbeiten wie bisher. In ausdrücklicher Abgrenzung vom Sprachpurismus eines Gottsched legte Sonnenfels das Hauptaugenmerk nicht auf eine einheitliche deutsche Standardsprache, sondern erhob, durch und durch pragmatisch orientiert, die allgemeine Verständlichkeit zum obersten Ziel des Sprachgebrauchs der staatlichen Verwaltung. Floskeln und rhetorischer Schwulst sollten nach Möglichkeit eliminiert werden, Kürze, Prägnanz und übersichtliche Gliederung der Ausführungen galten als oberste Maximen, wobei Sonnenfels ausdrücklich dafür eintrat, sich nicht an einem abstrakten Ideal von Sprachreinheit zu orientieren, sondern sich nach Möglichkeit des Vokabulars der gemeinverständlichen Umgangssprache zu bedienen. Damit wurde sein einflussreiches Lehrbuch schließlich zu einem wesentlichen Ausgangspunkt der allgemeinen Etablierung der österreichischen Standardvarietät der deutschen Sprache.[9]

Der Versuch Josephs II., Deutsch als alleinige Amtssprache (auch in Ungarn!) zu etablieren, scheiterte vorerst, andererseits griffen die von ihm und seiner Mutter Maria Theresia eingeleiteten Reformen im Bildungswesen, insbesondere auch bei den höheren Bildungseinrichtungen, an denen Beamte ausgebildet wurden. Die Vielsprachigkeit war zugleich Chance und Bedrohung des gesamten Staatswesens, sodass die Beamtenschaft der Habsburgermonarchie bewusst im Sinne eines übernational ausgerichteten Gesamtstaatsbewusstseins ausgebildet wurde.

[Bearbeiten] Vom Vormärz bis zum Ersten Weltkrieg

Damit bildeten die Beamten eine eigene Gesellschaftsschicht und waren Teil des intellektuellen Bürgertums Österreichs. Viele Beamte betätigten sich sogar als Schriftsteller und wirkten damit wiederum auch auf den höheren Sprachgebrauch außerhalb des Amtswesens. Prominentes Beispiel dafür ist später der österreichische Hofbeamte und Dramatiker Franz Grillparzer, wobei ihm von kritischen Zeitgenossen wegen seiner Habsburg-Dramen (u. a. Ein Bruderzwist in Habsburg, König Ottokars Glück und Ende) eine zu starke Anbiederung an das Herrscherhaus vorgeworfen wurde.

Nach der Auflösung des Deutschen Bundes 1866 und der Neuformierung der Gesamtmonarchie als Österreich-Ungarn 1867 tritt zunehmend das Spannungsfeld zwischen dem österreichischen Deutsch und dem „Deutschen Sprachpurismus“ zutage (vgl. [10]). Die I. Orthographische Konferenz in Berlin erzielt 1876 keine Einigung über eine einheitliche gesamtdeutsche Orthographie. Daraufhin werden 1879 die in Österreich üblichen schriftsprachlichen Gewohnheiten als Regeln und Wörterverzeichnis für die deutsche Rechtschreibung kodifiziert (vgl. Wiesinger: Das österreichische Deutsch, 1988, sowie in Folge u. a. Leerkamp 2003).

Bedingt durch den gemeinsamen Verwaltungskörper und den kulturellen Austausch im Kaisertum Österreich und der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn sind auch zahlreiche Lehnwörter aus dem Tschechischen, Ungarischen, Italienischen, Slowenischen, Kroatischen, Serbischen usw. in das österreichische Deutsch aufgenommen worden.

Die Volkszählung 1910 in Österreich-Ungarn ergab folgendes Bild[11] (Beamte nicht-deutscher Muttersprache in Cisleithanien bzw. nicht-ungarischer Muttersprache in Transleithanien, die durch den Einsatz im Verwaltungsapparat vorwiegend deutsch bzw. ungarisch zu sprechen hatten, gaben zumeist Deutsch bzw. Ungarisch als Umgangssprache an; exakte Zahlen über die nationale Zuordnung existieren nicht).

Sprache Absolutzahl Prozent
Deutsch 12.006.521 23,36
Ungarisch 10.056.315 19,57
Tschechisch 6.442.133 12,54
Polnisch 4.976.804 9,68
Serbisch und Kroatisch 4.380.891 8,52
Ruthenisch (Ukrainisch) 3.997.831 7,78
Rumänisch 3.224.147 6,27
Slowakisch 1.967.970 3,83
Slowenisch 1.255.620 2,44
Italienisch 768.422 1,50
Sonstige 2.313.569 4,51
Insgesamt 51.390.223 100,00

Für die Umgangssprachen in den einzelnen Kronländern der österreichischen Reichshälfte ergab sich in der Volkszählung 1910 folgende Verbreitung:

Land Hauptumgangssprache andere Sprachen (mehr als 2  %)
Böhmen Tschechisch (63,2 %) Deutsch (36,8 %)
Bukowina Ukrainisch (38,4 %) Rumänisch (34,4 %), Deutsch (21,2 %), Polnisch (4,6 %)
Dalmatien Kroatisch (96,2 %) Italienisch (2,8 %)
Galizien Polnisch (58,6 %) Ukrainisch (40,2 %)
Kärnten Deutsch (78,6 %) Slowenisch (21,2 %)
Krain Slowenisch (94,4 %) Deutsch (5,4 %)
Küstenland Slowenisch (37,3 %) Italienisch (34,5 %), Kroatisch (24,4 %), Deutsch (2,5 %)
Mähren Tschechisch (71,8 %) Deutsch (27,6 %)
Niederösterreich Deutsch (95,9 %) Tschechisch (3,8 %)
Oberösterreich Deutsch (99,7 %)
Salzburg Deutsch (99,7 %)
(Österreichisch-)Schlesien Deutsch (43,9 %) Polnisch (31,7 %), Tschechisch (24,3 %)
Steiermark Deutsch (70,5 %) Slowenisch (29,4 %)
Tirol Deutsch (57,3 %) Italienisch (42,1 %)
Vorarlberg Deutsch (95,4 %) Italienisch (4,4 %)

[Bearbeiten] Österreich seit 1918

Im Zuge der Verabschiedung des österreichischen Bundes-Verfassungsgesetzes (B-VG) im Jahre 1920 hat der damalige Verfassungsgesetzgeber die deutsche Sprache (ohne nähere Spezifikation) in Artikel 8 Absatz 1 B-VG als offizielle Staatssprache festgeschrieben. Der später ergänzte Art. 8 Abs. 2 B-VG erkennt auch die bodenständigen Minderheitensprachen in Österreich an:

Artikel 8 B-VG
(1) Die deutsche Sprache ist, unbeschadet der den sprachlichen Minderheiten bundesgesetzlich eingeräumten Rechte, die Staatssprache der Republik.
(2) Die Republik (Bund, Länder und Gemeinden) bekennt sich zu ihrer gewachsenen sprachlichen und kulturellen Vielfalt, die in den autochthonen Volksgruppen zum Ausdruck kommt. Sprache und Kultur, Bestand und Erhaltung dieser Volksgruppen sind zu achten, zu sichern und zu fördern.

Tatsächlich gebräuchlich ist im Alltag wie auch im staatlichen Bereich österreichisches Deutsch als Varietät des Hochdeutschen. Diese österreichische Standardvarietät wurde daher in der II. Republik durch das Österreichische Wörterbuch staatlich normiert (erstmals 1951, als es alle deutschen Regelbücher ablöste).

Heute haben etwa 88 % der österreichischen Bevölkerung Deutsch als Muttersprache.

[Bearbeiten] Charakteristika des heutigen österreichischen Deutsch

Siehe auch: Variantenwörterbuch des Deutschen, Liste von Austriazismen

[Bearbeiten] Unterschiede zum Bundesdeutschen Hochdeutsch

Österreichisches Deutsch unterscheidet sich in Teilen des Wortschatzes, grammatikalischen Besonderheiten, der Schreibweise und auch in der Aussprache von jenem Hochdeutsch, das in Deutschland durch den Duden kodifiziert ist. Gleichwohl werden auch aktuelle germanistische Entwicklungen berücksichtigt, sodass sich Österreich an der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 beteiligt hat, ohne dabei jedoch seine sprachlichen Besonderheiten aufzugeben, was im Österreichischen Wörterbuch in seiner derzeit 40. Auflage entsprechend berücksichtigt ist.

Auch der Duden trägt der Eigenschaft der Deutschen Sprache als plurizentrische Sprache Rechnung, indem typisch österreichische Wörter (ebenso wie Helvetismen und regional-landschaftlich genutzte Wörter) von der Duden-Redaktion aufgenommen und entsprechend gekennzeichnet werden.

„Das österreichische Deutsch wurde besonders von der österreichischen, teilweise aber auch von der deutschen und außerdeutschen germanistischen Sprachwissenschaft beschrieben und charakterisiert. Es zeichnet sich in seiner geschriebenen Form besonders durch Eigenheiten im Wortschatz hauptsächlich als Bezeichnungen und seltener auch durch Bedeutungen (onomasiologische und semasiologische Besonderheiten) sowie in geringerem Umfang durch morphologische Eigenheiten in der Formen- und Wortbildung einschließlich der Genera des Substantivs, syntaktische und phraseologische sowie auch pragmatische Besonderheiten aus. Mündlich kommen dann vor allem noch Besonderheiten der Aussprache mit Lautbildung und Wortakzentuierung hinzu.“ (vgl. Sprachwissenschafter Peter Wiesinger[12])

[Bearbeiten] Einflüsse der Donaumonarchie und des Jiddischen

Das österreichische Deutsch wurde und wird durch die anderen Sprachen Mitteleuropas beeinflusst, zumal jene der ehemaligen Kronländer Tschechisch, Ungarisch, Slowenisch, Italienisch. Der Einfluss des jüdischen Bürgertums, insbesondere in Wien und Prag, sowie des Ostjudentums bis 1938 schlägt sich in der vermehrten Verwendung von jiddischen Ausdrücken nieder (vgl. Friedrich Torberg: Die Tante Jolesch sowie Salcia Landmann[13]).

[Bearbeiten] Gemeinsamkeiten mit Altbayern

Ein Teil des Wortschatzes der österreichischen Standardsprache ist auch in den mittel- und südbairischen Dialekten verankert und wird daher fallweise auch in den übrigen bairischen Sprachgebieten in Altbayern verwendet (Bsp.: Schweinsbraten[14]), andere österreichische Wörter sind aber auch in Bayern unbekannt (Bsp.: Rettung[15], Patschen[16]).

[Bearbeiten] Wechsel der Sprachschicht

In der sprachlichen Gegenwart des österreichischen Deutsch kann man sehr häufig einen Wechsel der Sprachschichten beobachten. So werden in hochsprachlich gesprochenen Sätzen immer wieder umgangssprachliche Wörter und Dialektbegriffe eingebaut. Umgekehrt werden zur Betonung innerhalb der Umgangssprache, einzelne, betonte Wörter zur Verstärkung in Hochsprache ausgedrückt.

Dies geschieht nicht als Anbiederung an die jeweils andere Sprachschicht, sondern dient einer stilistischen Nuancierung und Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeit. Es ist keine Vermischung, sondern zeigt das Wissen um die jeweilig anderen Sprachschichten und deren Alltagsbedeutung – vor allem deshalb, da oftmals die gleichen Worte in den jeweils anderen Sprachschichten unterschiedliche Bedeutungen haben können – dies auch verstanden, und gerade auch von höheren Gesellschaftsschichten bewusst eingesetzt wird.

Dieser Sprachschichtwechsel ist auch in der österreichischen Literatur sehr häufig zu finden (Karl Kraus, Die letzten Tage der Menschheit, Arthur Schnitzler etc.), in der österreichischen Presse (immer weniger), aber auch als Bestandteil des „Burgtheaterdeutsch“, der typisch österreichischen Hochsprachreferenz schlechthin.

[Bearbeiten] Gebrauchsunterschiede bei einzelnen Sprachformen

Untersuchungen haben gezeigt, dass in Österreich Sprachformen in formellen Kontexten akzeptiert werden, die in Deutschland unüblich sind, weil sie zu informell wirken. Joachim Grzega bezeichnet dieses Merkmal des österreichischen Deutsch als Nonchalance.[17] Selbst in geschriebener Sprache wie Zeitungen werden eher Zitate mit umgangssprachlichen Elementen verwendet, während im Bundesdeutschen eher indirekte Rede mit „geglätteter“ Sprache verwendet wird.

Im Gegensatz zu Deutschland ist in Österreich das Führen von bzw. die Anrede mit Titeln (z. B.: Ö: „Guten Morgen, gnädige Frau“, „Guten Abend, Herr Ingenieur“, „Grüß Gott, Herr Doktor“ vs. D: „Guten Morgen“, „Guten Abend, Herr Müller“) üblich und alltäglich, gleichwohl der Gebrauch der Titel im Abnehmen begriffen ist und sich das Duzen, ähnlich wie in Skandinavien, allmählich verbreitet.

Die Bezeichnung Name wird in Österreich (ähnlich wie bei den benachbarten slawischen Sprachen) meistens nicht für den Nachnamen verwendet, sondern für die Kombination aus Vor- und Nachnamen, oder auch nur für den Vornamen.

[Bearbeiten] Verankerung in der EU

In den Beitrittsverträgen Österreichs mit der Europäischen Gemeinschaft (EU) wurden auch einige österreichspezifische Bezeichnungen für Lebensmittel festgeschrieben, die im übrigen deutschen Sprachraum nicht gebräuchlich sind (ausgenommen einzelne im Raum Bayern) und teilweise auch den Zweck eines Produktschutzes erfüllen (Jagatee).

[Bearbeiten] Wortschatz in Österreich

Straßenschild in der Wiener Hofburg
Straßenschild in der Wiener Hofburg

Viele in anderen deutschen Sprachregionen gebräuchliche Wörter werden in Österreich weder mündlich noch schriftlich allgemein verwendet. Manche der folgenden Wörter waren auch im sonstigen oberdeutschen Sprachraum ursprünglich nicht heimisch.

[Bearbeiten] Österreichisches Amts- und Juristendeutsch

Das so genannte österreichische Amtsdeutsch geht zurück auf die österreichisch-ungarische Monarchie und hat sich seitdem zwar in Details entwickelt, insgesamt aber in den Begrifflichkeiten stark konserviert. (Sein Einsatz war 1938–1945 infolge der Geltung reichsrechtlicher Bestimmungen weitestgehend unterbrochen.) Ebenso maßgeblich für die Erhaltung und Weitergabe dieses österreichischen (Hoch-)Deutsch sind das Bildungswesen (Schulen, Universitäten) sowie die weiteren sprachprägenden Institutionen des heutigen Österreich (Insbesondere Fernsehen, Radio und Printmedien: Medien in Österreich).

Im Folgenden sind österreichische Ausdrücke aus dem Bereich Verwaltung und Politik angeführt, daneben die jeweilige Entsprechung in Deutschland:

Ebenso werden in der Rechtssprache und in der österreichischen Gesetzgebung Ausdrücke verwendet, die z. B. in Deutschland nicht vorkommen, einen anderen Bedeutungsinhalt haben (z. B. Besitz) oder ungebräuchlich sind. Ebenso weichen Rechtsausdrücke – oft aufgrund der vom Gesetzgeber gewählten Terminologie – im Detail von den in Deutschland gebräuchlichen, sinngleichen Ausdrücken ab (z. B. in Österreich: Schadenersatz, Schmerzengeld laut dem ABGB 1811; in Deutschland: Schadensersatz, Schmerzensgeld).

Generell lässt sich in Österreich eine häufigere Verwendung von Latinismen in der Rechtssprache feststellen, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass das kurz vor 1900 entstandene deutsche BGB die zuvor auch in Deutschland weit verbreiteten lateinischen Rechtsausdrücke aus dem römischen Recht (Pandekten) bewusst vermied oder „eindeutschte“. Beispiele sind nur in Österreich oder öfter als in Deutschland verwendete Ausdrücke wie Legat (Vermächtnis), Servitut (Dienstbarkeit), Causa (Fall; bedeutet in Deutschland jedoch „Rechtsgrund“) oder Krida.[18]

Bei den Dienstgraden des österreichischen Bundesheeres sind Unterschiede etwa zu den in der deutschen Bundeswehr gebräuchlichen Bezeichnungen vor allem unterhalb der Offiziersebene stark ausgeprägt. Beispiele sind die Dienstgrade (in Österreich Chargen genannt, wobei in der strengeren Terminologie des Bundesheeres Chargen nur die Dienstgrade zwischen Rekrut und Unteroffizieren sind, d. h. Gefreiter, Korporal und Zugsführer) Korporal (Deutschland: Hauptgefreiter/Stabsgefreiter), Wachtmeister (ersetzte in Österreich 1919 die „Feldwebel“-Bezeichnungen im Bundesheer; in Deutschland bis 1945 bei der Artillerie und Kavallerie verwendet, in der NVA der DDR bis 1970 bei der Artillerie), Vizeleutnant (höchster Unteroffiziersdienstgrad, dem Oberstabsfeldwebel der Bundeswehr entsprechend) oder Brigadier (D: Brigadegeneral). Kommandeure (D: Befehlshaber von Truppeneinheiten) sind in Österreich stets Kommandanten (in D. Befehlshaber fester Plätze (Kasernen, Militär-Hospitäler usw.) und Fahrzeuge (Panzer, Schiffe). Das spiegelt sich auch in anderen Organisationen wider, sodass es etwa bei der Feuerwehr keinen Gruppenführer wie in Deutschland, sondern einen Gruppenkommandanten gibt, sowie auch beim Roten Kreuz mit dem Kolonnenkommandanten.

Auch im Schulbereich bestehen hinsichtlich der Organisation wie auch der Ausdrücke einige Unterschiede zwischen dem österreichischen und dem deutschen System. In Österreich gibt es nur zwei weiterführende Schultypen nach der Volksschule (Deutschland: Grundschule, früher und gelegentlich noch in Bayern auch Volksschule), nämlich die Hauptschule (in Wien manchmal: Kooperative Mittelschule), die etwa der deutschen Haupt- und Realschule entspricht, und das Gymnasium. In der Hauptschule werden die Schüler in drei Leistungsgruppen aufgeteilt. Das Abitur in Deutschland entspricht der Matura in Österreich. Siehe hierzu auch unter Schulsystem in Österreich.

Für Kinder ist in Österreich der Kindergarten (Alltagssprache) bzw. das Kindertagesheim (Amtssprache) vorgesehen. Die in West-Deutschland in den letzten Jahrzehnten gebräuchliche Bezeichnung Kindertagesstätte bzw. Kita ist in Österreich genauso unüblich oder gar unbekannt.

Im Verkehrsbereich hat eine Lichtzeichenanlage in Österreich eine ganz andere Bedeutung als in Deutschland. Die in beiden Ländern ugs. als Ampel bezeichnete heißt in Österreich Lichtsignalanlage (VLSA: Verkehrslichtsignalanlage), während die Lichtzeichenanlage einen unbeschrankten Bahnübergang kennzeichnet. Im Transport ist die offizielle Bezeichnung Frächter für einen Frachtführer.

[Bearbeiten] Monatsnamen: Jänner, Feber und Februar

Die in Österreich für den ersten Monat des Kalenderjahres verwendete Bezeichnung ist Jänner. Jänner wird offiziell benutzt und Januar ist in nahezu allen Bereichen unüblich. Jänner entspricht dem mittelhochdeutschen jener, jenner das wiederum aus der spätlateinischen Form iēnuārius[19] entstanden ist.

Jänner war bis in die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet, wurde dann aber bis ungefähr 1800 – mit Ausnahme des süddeutschen Sprachraumes – von der Form Januar verdrängt, die wiederum eine endungslose Variante des lateinischen iānuārius ist. Jänner stellt somit aus neuhochdeutscher Sicht ein Erbwort aus dem Mittelhochdeutschen dar (weil es in die entsprechenden Lautwandelprozesse eingebunden war), wohingegen Januar – auch im Neuhochdeutschen – ein lateinisches Lehnwort ist (da es phonologisch und morphologisch dem neuhochdeutschen System angepasst wurde, aber seit seiner Entlehnung noch keine signifikanten, für die aktuelle Sprachform typischen Lautwandelprozesse durchlaufen hat).

Anders verhält es sich mit der Bezeichnung Feber für den zweiten Monat des Kalenderjahres. Hier war in der deutschen Volkssprache die Bezeichnung Hornung üblich, die aber dann über den Weg der humanistischen Kanzleisprache vom lateinischen Fremdwort februārius verdrängt wurde, das dann als Februar bzw. im Mitteldeutschen und Oberdeutschen als Feber ein Lehnwort wurde.

Eine dem Stamm Hornung entsprechende Form ist heute in Österreich auch auf basilektaler und mesolektaler Ebene (und damit in Ortsdialekten und Regiolekten) eher unwahrscheinlich anzutreffen. Es werden häufig Formen verwendet, die Februar entsprechen. Akrolektal, standardsprachlich ist Februar üblich, wobei kanzleisprachlich (z. B. auf amtlichen Dokumenten) und auch umgangssprachlich immer wieder die Form Feber anzutreffen ist, wie etwa auf den Wiener Parkscheinen[20].

[Bearbeiten] Küchenvokabular

Siehe auch: Bairisch-Österreichischer Küchenwortschatz, Regionale Küchenbegriffe

Anlässlich des unter dem Motto „Erdäpfelsalat bleibt Erdäpfelsalat“ propagierten EU-Beitritts Österreichs wurde das Spannungsfeld „nationale Identität – EU-Identität“ an linguistischen Fragen deutlich. Österreich ließ im „Protokoll Nr. 10 über die Verwendung österreichischer Ausdrücke der deutschen Sprache“ zum österreichischen Beitrittsvertrag 23 Bezeichnungen quasi unter Schutz stellen.[21] Die 23 geschützten Ausdrücke sind allerdings ausschließlich solche der Küchensprache und sind in der folgenden Tabelle „Küchenvokabular“ mit Sternchen* gekennzeichnet (die mit zwei Sternchen** gekennzeichneten Ausdrücke sind in der angegebenen Pluralform im Protokoll verzeichnet):

Küchenvokabular
alle Ausdrücke im Singular, sofern nicht anders angegeben
in Österreich in Deutschland Anmerkungen
Beiried* (n, f) Roastbeef (n) In Deutschland wird auch Rippenstück verwendet
Beuschel (n) Lüngerl, Lungenhaschee Ragout aus der Lunge; auch in Altbayern
Blunzen (f) Blutwurst Blunzen eher umgangssprachlich; auch in Altbayern
Eierschwammerl** (n) Pfifferling (m) umgangssprachlich auch in Altbayern
Eierspeis(e) (f) Rührei (n)
Erdäpfel** (m, Pl) Kartoffeln (f) In Österreich sind beide Bezeichnungen gebräuchlich; auch in Altbayern
Faschiertes* (n) Hackfleisch (n) In Vorarlberg Hackfleisch
Fisolen** (f, Pl) Grüne Bohnen (f, Pl) In Kärnten als Strankerl (n) bzw. Strankalan/-elen (Pl) bezeichnet
Fleischlaibchen, -laiberl, -laberl (n); faschiertes Laibchen bzw. Laberl (n) (Ostösterreich) Frikadelle (nordwestdeutscher Raum); Bulette (nordostdeutscher Raum); Fleischpflanzl, -pflanzerl (Altbayern); Fleischküchl, -küchle, -küchla (süddeutscher Raum) typisch regionaler Begriff, alle Wörter auch schriftlich in der Gastronomie
Frittaten (f, Pl) Pfannkuchenstreifen (Pl) – Suppeneinlage In Vorarlberg und Württemberg Flädle
Germ (f, m) Hefe (f) In Österreich werden beide Begriffe verwendet; auch in Altbayern
Grammeln** (f, Pl) Grieben (n) auch in Altbayern
Gugelhupf (m) Napf-, Rodonkuchen (m) Gugelhupf ist auch in Bayern und Elsaß üblich
Häuptelsalat (m) Kopfsalat (m) In Westösterreich wird auch Kopfsalat, in Bayern ebenfalls Häuptelsalat verwendet
Heiden (m) Buchweizen (m) In Österreich werden beide Begriffe verwendet
Hüferl* (n) Hüfte (Braten) (f)
Karfiol* (m) Blumenkohl (m) auch im südlichen Altbayern. In Vorarlberg Blumenkohl
Karotte (f) Möhre (f) In Bayern und Baden-Württemberg wird der Begriff Karotte (f) oder Gelbe Rübe (f) verwendet; Möhre (v.a. Verkleinerung Möhrlein) und Gelbe Rübe ist auch in weiten Teilen Österreichs geläufig
Kohlsprossen** (f, Pl) Rosenkohl (m)
Kren* (m) Meerrettich (m) Auch in Bayern ist Kren (zumindest umgangssprachlich) das geläufigere Wort
Kukuruz (m) Mais (m) In Österreich werden beide Begriffe verwendet, aber auch Woaz (Stmk.) oder Türken (Kärnten, Tirol)
Leberkäse (m) Fleischkäse (m) In Tirol wird ebenfalls Fleischkäse, in Bayern und Württemberg aber meist Leberkäse verwendet
Lungenbraten* (m) Filet (n)
Marillen* (f, Pl) Aprikosen (f) auch in Altbayern
Mehlspeise (f) Süßspeise (f), Dessert usw. In Bayern wird ebenfalls 'Mehlspeis(e)' verwendet
Melanzani* (f) Aubergine (f)
Nuss* (f) Kugel (f) Nuss auch in Deutschland verbreitet
Obers* (n), Rahm (m) Sahne (f), Rahm (m) Sahne ist in Österreich unüblich, am meisten verbreitet ist Obers (im Osten), auch Kaffeeobers und insbesondere Schlagobers - Im Westen (wie in Bayern): Rahm.
Paradeiser** (m, Pl) Tomaten (f) In Österreich werden beide Begriffe verwendet
Palatschinke (f) (Eier-)Pfannkuchen (m)
Powidl* (m) Pflaumenmus, Zwetschgenmus, Latwerge (n) auch im östlichen Altbayern
Ribisel** (f, Pl) Johannisbeeren (f) In Vorarlberg Johannisbeere; auch in Altbayern
Rinds- (-braten usw.) Rinder- (-braten usw.) Auch in Bayern üblich
Rostbraten* (m) Roastbeef (n), Hochrippe (f), Schorrippe (f) bezieht sich sowohl auf die Fleischsorte als auch auf die fertige Speise; auch in Bayern üblich
Rote Rübe (f) Rote Bete (f) Rote Rübe gilt im ganzen süddeutschen Raum; in Kärnten auch Rote Rohne
Schlögel*, Schlegel (m) Keule (f) Schlegel ist auch in Bayern üblich; gilt für Säugetiere – von Geflügel (Federvieh) werden Beine bzw. Hax(e)n / Hax(er)ln verspeist
Schopfbraten (m) Nackensteak (n) Es wird auch der Begriff Hals verwendet, hauptsächlich auch in Bayern
Schweins- (-braten usw.) Schweine- (-braten usw.) Auch in Bayern üblich
Stelze (f) Eisbein (n), Hachse (f) Es wird auch der Begriff Haxen (m) z. B.: Schweinshaxen, verwendet
Täubling (m) Ritterling (m) Speisepilz; Täublinge zumindest in Deutschland für verschiedene Arten, einige davon ungenießbar bis giftig!
Teebutter (f) Markenbutter (f) (Butter höchster Qualität)
Topfen* (m) Quark (m) Topfen ist auch in Bayern üblich
Vogerlsalat* (m) Feldsalat (m) Vogerlsalat auch in Albayern; in Westösterreich Nisselsalat (Schweiz: Nüsslisalat), in Kärnten und Steiermark Rapunzel
Weichseln** (f, Pl) Sauerkirschen (f, Pl) Weichsel gilt im ganzen süddeutschen Raum
Zibeben (f, Pl) Rosinen (f, Pl) In Österreich wie auch in Bayern werden beide Begriffe verwendet
Zwetschke (f) Pflaume, Zwetschge (f) Pflaume fachsprachlich auch in Österreich üblich
n = neutrum, f = feminin, m = maskulin, Pl = Plural

[Bearbeiten] Gewichtsbezeichnungen

Bei Lebensmitteln wird statt 10 Gramm die Bezeichnung 1 Deka(gramm), abgekürzt dag, früher dkg, verwendet (analog zu den anderen Nachfolgestaaten der österreichisch-ungarischen Monarchie, vgl. im Italienischen un etto = 100 g = 10 dag). So lautet etwa die Bestellung 10 Deka Extrawurst und nicht 100 Gramm Fleischwurst (siehe auch Vorsätze für Maßeinheiten).

Der Zentner wird in Österreich für eine Gewichtseinheit von 100 kg verwendet, in Deutschland für 100 Pfund (50 kg). Die in Deutschland verwendeten Begriffe Doppelzentner für 100 kg sowie Pfund für das halbe Kilogramm sind in Österreich unüblich.

[Bearbeiten] Österreichische Markennamen

Auch die Wirtschaft spielt im österreichischen Deutsch eine Rolle, wo beispielsweise einzelne Markennamen zu Austriazismen wurden. So wird heute für das Klebeband zumeist der Markenname TIXO verwendet, für dünne Salzstangerln Soletti, für Schokoküsse Schwedenbomben, für Putzlappen Wettex, für Schnellkochtöpfe Kelomat und manchmal auch für Orangensaft Cappy und für Apfelsaft Obi.

[Bearbeiten] Medizinische Fachbegriffe

Im medizinischen Bereich trifft man ebenfalls auf österreichische Fachtermini. So befinden sich Österreicher im Krankenstand, besuchen dann einen Arzt, welcher eine Ordination (Deutsches Hochdeutsch: Praxis bzw. Sprechstunde) hat. Dabei gibt es auch den Primarius bzw. Primararzt, den Dentisten, den Praktischen Arzt (d. h. Allgemeinmediziner), den Turnusarzt (Arzt im Praktikum) etc. Im Wienerischen gibt es dazu noch auch für zahlreiche Verletzungen und Erkrankungen lokale dialektgeprägte Bezeichnungen.

[Bearbeiten] Wichtigste Beispiele

Wichtigste Ausdrücke im Unterschied zu Deutschland
alle Ausdrücke im Singular, sofern nicht anders angegeben
in Österreich in Deutschland Anmerkungen (ÖW = Österreichisches Wörterbuch)
Akt (m) Akte (f) bzw. Verwaltungsvorgang
Angelobung (f) Vereidigung (f) Bestellung von Regierungsmitgliedern, Beamten oder Soldaten (jedoch „Vereidigung“ für Zeugen bei Gericht)
angreifen anfassen (mit der Hand berühren) auch in Altbayern
aufdrehen/abdrehen (das Licht) anmachen/ausmachen (das Licht) auch in Altbayern
sich ausrasten sich ausruhen (eher umgangssprachlich), auch in Altbayern
Bankomat (m) Geldautomat (m)
Beistrich (m) Komma (n) seltener auch in Deutschland
Bub(e) (m) Junge, gehobene und amtliche Sprache: Knabe auch in Süddeutschland und in der Schweiz
Bursche (m) älterer Junge bzw. junger Mann auch im süddeutschen Raum
Eiskasten Kühlschrank auch im süddeutschen Raum
Exekutive (f) Polizei (f) (eher umgangssprachlich). Offizielle Amtsbezeichnung eines Bundespolizisten ist gleichwohl Exekutivbediensteter
Feber (m) (eher selten) Februar (m) auch im ÖW zu finden, früher auch in Süddeutschland gebräuchlicher, dort heute noch teilweise mdal.
Fenstertag (m) Brückentag (m) auch in Bayern, Ugs. auch Zwickeltag
Ferialpraxis (f) Sommer-Praktikum, Ferienjob Freiwillig (Ferialjob) oder gemäß Lehrplan an berufsbildenden höheren Schulen verpflichtend (HTL)
Feuchtblattern, Schafblattern (f/pl) Windpocken Feuchtblattern eher in Ostösterreich
Fleischhauer, Fleischhacker (m) Fleischer, Metzger, Schlachter In Westösterreich (Vorarlberg, Innviertel) ist auch Metzger gebräuchlich.
Frächter (m) Frachtführer
früh, in der Früh morgens, am Morgen ebenfalls im süddeutschen Raum
Gebarung (f) Gebaren (n) Buch- oder Geschäftsführung (Ö), Gebaren in Ö -> Verhalten
Gehsteig (m) Gehweg (m) auch Trottoir
Gelse (f) Stechmücke (f)
Gewand (n) Kleidung (f) auch in Altbayern
(Kaffee-)Häferl (n) (Kaffe-)Tasse auch in Altbayern, ugs. auch für einen leicht cholerischen Menschen
Hausbesorger (m) Hausmeister
Hausübung (f) Hausaufgabe
heuer (adv.) in diesem Jahr In Süddeutschland ist heuer auch verbreitet
ident identisch
Inskription (f) Anmeldung zu einem Studium (Nicht zu verwechseln mit der erstmaligen Anmeldung an einer Hochschule, der Immatrikulation)
Jänner (m) Januar (m) (Januar: in Österreich nicht verbreitet) früher allgemein auch in Süddeutschland, bis Anfang des 20. Jhdt. auch in Bayern offiziell, heute weitgehend durch Januar verdrängt, dennoch manchmal auch schriftsprachlich gebraucht
Journal(dienst) (m) Bereitschaft(sdienst)
Jus (n) Rechtswissenschaft, Jura
Karenzzeit (f) Schwangerschaftsurlaub (m)
Kassa (f) Kasse bzw. Kassenschalter (Bank, Supermarkt, etc.)
Kasten (m) Schrank auch in der Schweiz und in Süddeutschland
(Bier-/Werkzeug-)Kiste (f) (Bier-/Werkzeug-)Kasten auch in Bayern
Kirchtag (mundartnah Kirtag) (m) Kirchweih, regional ugs./mdal.: Kirmes, Kerwe, Kirwa, Kirta auch in Altbayern, ländlich auch allgemein für ein Volksfest
Klappe (f) Nebenstelle, Durchwahl (einer Telefonanlage)
Kluppe (f) Wäscheklammer in Bayern ebenfalls gebräuchlich
(Autobahn-)Knoten (Autobahn-)Kreuz
Kollektivvertrag (m) Tarifvertrag
Kredenz (f) Anrichte (in einer Wohnung) auch in Altbayern
Krida (f) Strafrechtliches Konkursvergehen
Lacke (f) Lache, Pfütze Sowohl für kleine Pfützen (Blutlacke, Hundelackerl) als auch für größere Gewässer wie Salzlacken, z. B. die Lange Lacke im Burgenland, auch in Altbayern
Leibchen (n) T-Shirt, Trikot, Unterhemd Ugs.: Leiberl; auch in Bayern
Leintuch (n) Leintuch, Bettlaken auch in Deutschland und in der Schweiz
Lenker (m) Fahrer [eines Fahrzeuges] auch in der Schweiz
Mascherl (n) Schleife, Fliege auch in Altbayern
Matura (f) Abitur (n) offiziell: „Reifeprüfung“, auch in der Schweiz als Matur oder Matura üblich
Mist (-kübel) (m) Abfall (-eimer), Müll (-behälter) vor allem in Wien auch noch „Coloniakübel“ für Mülltonne
Nachtkästchen (n) Nachttisch Ugs.: Nachtkasterl, auch in Altbayern
Nudelwalker (m) Nudelholz (n) auch in Bayern
Ordination (f) Gesamte Arztpraxis inklusive Wartezimmer
Patschen (m), (m/pl) Hausschuh(e)/ Reifenpanne
Pfusch (m), -er (m) Schwarzarbeit, -er
Pickerl (n) Aufkleber (m) Insbes. KFZ-Prüfplakette, auch die Autobahnvignette oder das Wiener Parkpickerl; auch in Altbayern
Polster (m) Kissen (n) auch in Altbayern
Pönale (f, n) Strafzahlung bei Zeitverzug
Rauchfang (-kehrer) (m) Schornstein (-feger) (m), Kamin (-kehrer) (m)
Rettung (f) Rettungsdienst (m)
Risken (pl) Risiken
Rufzeichen Ausrufezeichen
Sackerl (n), Stanitzel (n) Tüte (f) (In Österreich nicht verbreitet) Stanitzel bei Speiseeis, aber auch Maroni, Mandeln usw.; auch in Altbayern
Salettl (n) Pavillon, Laube, Gartenhäuschen auch in Altbayern
Schank (f) Ausschank, Theke, Tresen
Scheibtruhe (f) Schubkarre (f)
(Tür-)Schnalle (f) (Tür-)Klinke (f) ugs. auch in Altbayern
Schnitte (f) Waffel Z. B.: Manner-Schnitte
Schranken (m) Schranke (f)
Schularbeit (f) Klassenarbeit (f) (In Österreich praktisch nicht verbreitet)
Schulwart (m) Hausmeister (in einer Schule)
Sessel (m) Stuhl
Socken (m) Socke (f) auch in Altbayern
Stängel (m) Stiel, Stange auch in Deutschland und in der Schweiz
Stamperl (n) Schnapsglas ohne Fuß Auch abseits des Schnaps verwendet, z. B. als Mengeneinheit; in Bayern auch gebräuchlich
Stiege (f), -nhaus (n) Treppe (f), -nhaus (n) – (in Norddeutschland: Stiege = schmale Treppe) auch in Altbayern
Stoppel (m) Stöpsel, Korken daher auch: Stöpselzieher, Stoppelzieher
Stutzen (m, Pl) Kniestrümpfe (f, Pl) auch in Altbayern
(Tabak-)Trafik (f) Kiosk, Tabakladen (m)
Tram(way) (f) Straßenbahn (Auch in der Schweiz), ebenfalls in Bayern (besonders: München), Berlin
Tuchent (f) Bettdecke
übersiedeln umziehen „übersiedeln“: in Deutschland nur bei großen Entfernungen, in Österreich auch innerhalb einer Stadt. Achtung: Partizip Perfekt in Ö übersiedelt, in D übergesiedelt!
auf etwas vergessen etwas vergessen
verkühlt erkältet parallel dazu auch in Bayern benutzt
Vorrang (m) Vorfahrt (f)
Vorzimmer (n) Diele, Flur (einer Wohnung) In Deutschland nur für Büro-Vorzimmer gebräuchlich
weiters (adv.) weiterhin, ferner auch in Altbayern
Wissenschafter (m) Wissenschaftler (m) auch in der Schweiz üblich
Wuzzler (m) Tischfussball (m)
zensurieren zensieren
Zündholz (n), Zünder (pl), Schnellfeuer (n) Streichholz Auch in Süddeutschland und Schweiz verbreitet
Zuseher (m) Zuschauer (m) In Österreich beide Begriffe gebräuchlich
n = neutrum, f = feminin, m = maskulin, Pl = Plural, adv. = Adverb

Viele der hier genannten Abweichungen treffen allerdings auch auf die Unterschiede zwischen dem Sprachgebrauch Ost- und Westdeutschlands zu. So sind westdeutsche Nachkriegs-Wortschöpfungen wie Azubi (Lehrling) und Kita (Kindergarten) auch in Ostdeutschland nicht üblich (gewesen). Begriffe wie Bezirksgericht, Oberster Gerichtshof, Rat, Bürgermeister, Praktischer Arzt u.v.a. wurden in der ehemaligen DDR identisch wie in Österreich verwendet.

[Bearbeiten] Grammatikalische Besonderheiten

[Bearbeiten] Wortbildung (Komposition und Fugenlaute)

Zwischen die Elemente zusammengesetzter Hauptwörter (Wortkomposition) tritt im österreichischen Deutsch (im Gegensatz zum Bundesdeutschen) oft ein Fugenlaut wie etwa das Fugen-S, z. B. „Zugsverspätung“ oder „Schweinsbraten“ (bundesdeutsch „Zugverspätung“ bzw. „Schweinebraten“). Auch bei zusammengesetzten Partizipien wird oft das Fugen-S verwendet, z. B. „verfassungsgebend“. Dieses Fugen-S wird oft fälschlich als Genitiv interpretiert. Andererseits tritt das Fugen-S in einigen Fällen im Gegensatz zum Sprachgebrauch in Deutschland nicht auf, z. B. „Adventkalender“ statt „Adventskalender“, „Schadenersatz“ statt „Schadensersatz“, „Schmerzengeld“ statt „Schmerzensgeld“ (letzteres nur legistisch).

Ebenso kommt es im österreichischen Deutsch abseits des Fugen-S auch bei anderen Wortkompositionen zu einem Fugenlaut, wo im Bundesdeutschen keiner vorkommt, beispielsweise beim österreichischen Halteverbot (offizielle Bezeichnung in Gesetzen usw.) im Vergleich zum offiziellen deutschen Haltverbot.

[Bearbeiten] Konjugation

Die zweite Person Plural wird, wie auch in Teilen des süddeutschen Sprachraumes, im Präsens und Perfekt gern mit der Endung -ts versehen, um gegenüber der 3. Person Singular klarer abzugrenzen, vor allem wenn das Personalpronomen weggelassen wird (Habts (ihr) das gesehen?). Hinter diesem -s verbirgt sich das Personalpronomen és [eˑs], eine alte Dualform, die hier mit der Personalendung verschmolzen ist. In manchen Teilen des bairischen Dialektgebietes existiert dieses Personalpronomen auch noch als eigenständiges Wort.

[Bearbeiten] Perfekt

In Österreich (wie auch in der Deutschschweiz und im gesamten süddeutschen Sprachraum) wird für die Bildung des Perfekts von Verben, die die Körperhaltung ausdrücken, genauso wie für Verben der Bewegung, (auch hochsprachlich) generell als Hilfsverb „sein“ verwendet. Zu den betroffenen Verben gehören zum Beispiel „sitzen“ (sitzenbin gesessen, aber: einsitzen (im Gefängnis) – habe gesessen), „stehen“ (stehenbin gestanden, aber: gestehenhabe gestanden), „liegen“ (liegenbin gelegen) und in Teilen der Steiermark und Kärntens umgangssprachlich „schlafen“ (schlafenbin geschlafen).

[Bearbeiten] Präteritum/Imperfekt

Ebenso wie im gesamten Dialektgebiet südlich der Mainlinie ist das Präteritum, in Österreich auch „Mitvergangenheit“ genannt, in der österreichischen Umgangssprache eher ungebräuchlich. „Ich ging“ oder „ich sah“ wird als fremdartig empfunden, lediglich die Verben sein und wollen werden im Präteritum gebraucht. Normal ist zu sagen: „ich bin gegangen“ oder „ich habe gesehen“. In der Schriftsprache allerdings wird die Mitvergangenheit verwendet.

Das Präteritum ist in den oberdeutschen Dialekten in frühneuhochdeutscher Zeit ausgestorben. Eine Erklärung dafür ist, dass im Oberdeutschen generell das auslautende „-e“ u. a. bei den Vergangenheitsformen auf „-te“ ausgefallen war: „sagt-e“ > „sagt“, „kauft-e“ > „kauft“. Dadurch konnten von vielen Verben die Vergangenheits- und Gegenwartsformen lautlich nicht mehr unterschieden werden, was dazu geführt haben soll, dass das Präteritum insgesamt außer Gebrauch gekommen ist. Einer anderen Theorie zufolge wurde das Präteritum zu Gunsten des synthetischen Konjunktivs aufgegeben, bzw. von ihm verdrängt.

Darüber hinaus ist es im Gegensatz zum Rest Europas in allen alpenländischen Sprachen üblich, die Hauptvergangenheitszeit als zusammengesetzte Zeitform zu bilden; das österreichische Deutsch teilt dieses Phänomen nicht nur mit dem gesamten süddeutschen Raum, sondern auch mit Tschechisch, Slowakisch, Slowenisch, Serbokroatisch, Französisch und dem Norden des italienischen Sprachgebiets.[22]

[Bearbeiten] Gebrauch des Konjunktivs

Während in den nördlichen deutschen Sprachregionen in Sätzen der indirekten Rede häufig der Konjunktiv verwendet wird, wird in Österreich in der Umgangssprache eher der Indikativ verwendet. Wenn ein Satz tatsächlich im Konjunktiv gesprochen wird, so drückt das ein Misstrauen aus.

Beispiel: Er hat gesagt, dass er in der Stadt gewesen ist. Im Gegensatz dazu: Er sagte, dass er in der Stadt gewesen sei. – drückt aus, dass man es eigentlich nicht glaubt.

Der Konjunktiv selbst wird eher als Irrealis gebraucht. (Zu seiner Bildung siehe den Grammatikteil des Artikels Bairische Sprache.)

[Bearbeiten] Geschlecht (Genus)

Bei einigen Wörtern wird in der österreichischen Standardsprache ein anderes Genus verwendet. Beispiele sind (österreichisches Deutsch – Bundesdeutsch):

  • der Akt – die Akte
  • das Teller (umgangssprachlich) – der Teller („das“ gilt auch für den bayrischen und schwäbischen Raum)
  • der Butter (umgangssprachlich) – die Butter („der“ gilt auch für den bayrischen und schwäbischen Raum)
  • die Gas (umgangssprachlich, wienerisch) – (das) Gas (siehe Maria Hornung, Peter Wehle, Wolfgang Teuschl, …)
  • das Cola – die Cola (f. ist norddt.; n. auch in Baden-Württemberg, der Pfalz, Bayern und der Schweiz)
  • der Radler – das Radler (Getränk)
  • das Keks (eher umgangssprachlich)– der Keks
  • der Meter (Maßeinheit) – das Meter (norddt.)
  • das Puff – der Puff
  • das/der Service – der Service (Dienstleistung)
  • die Rodel – der Rodel
  • das Monat – der Monat
  • der Gummi – das Gummi
  • das/die Joghurt – der Joghurt (österreichische Aussprache etwa: „jog-hurt“, deutsche: „jogurt“) (der/das: siehe Joghurt! (Wiktionary))

(Weitere Beispiele für gesamtbairische Genusabweichungen finden sich im Artikel Bairische Sprache.)

Gegenüber der Hochsprache, in der die Anzahl der Wörter mit abweichendem Genus relativ gering ist, sind diese Abweichungen in den verschiedenen Dialekten wesentlich öfter zu finden.

Sehr vielen englischen Wörtern, die relativ neu im deutschen Sprachgebrauch sind, wird in Österreich und Süddeutschland fast immer der sächliche Artikel (Neutrum) zugeordnet. In Nord- und Mitteldeutschland hingegen ist es üblich, den „richtigen“ Artikel für ein neues Wort zu „suchen“. Ein Beispiel dafür ist das E-Mail und die E-Mail oder das Service oder der Service (französische Aussprache bedeutet: „Geschirrset“ („das“), englische: „Dienstleistung“ („der“ oder „das“)).

[Bearbeiten] Idiomatik, Kollokationen

Österreich Deutschland
etwas um 5 Euro kaufen
(auch in Bayern, im Schriftdeutsch zurückgedrängt)
etwas für 5 Euro kaufen
am“ als Kurzform für auf dem; am Berg, am Opernball, am Tisch (z. B. in „das Essen steht am Tisch“) (umgangssprachlich; auch in Altbayern); umgangssprachlich auch für auf den (z. B. gemma am Turm; was am Tisch kommt, wird gessen auf dem (ugs. auf’m) Berg, auf dem Tisch)
auf Urlaub fahren in den Urlaub fahren
zu Weihnachten, Ostern etc. an (mehr im Süden) / zu (mehr im Norden) Weihnachten, Ostern etc.
in die Schule gehen (auch in Bayern und im schwäbischen Sprachraum) zur Schule gehen
sich ausgehen“ (umgspr. auch in Bayern) (z. B. diese Sache geht sich nicht aus) gehen/passen (z. B. diese Sache geht/passt schon), aufgehen (z. B. das geht nicht auf)

[Bearbeiten] Schreibweise

In der Schreibweise gibt es auch nach der Rechtschreibreform einzelne Unterschiede, wie beispielsweise im bundesdeutschen Bereich ein Weg nach Hause führt, kann er nach dem Österreichischen Wörterbuch nachhause oder nach Hause führen. Das gilt auch für zuhause. Statt ohne weiteres wird in Österreich ohneweiters bevorzugt.

Einige Wörter werden aussprachebedingt anders geschrieben; so zum Beispiel die österreichische Variante Geschoß im Gegensatz zum bundesdeutschen Geschoss, Küken statt Kücken oder Spaß statt Spass (so im Duden).

[Bearbeiten] Österreichische Aussprache und das Lautsystem

Die österreichische Aussprache und das Lautsystem (Phonetik und Phonologie) enthalten zahlreiche nationale Besonderheiten.

In Anlehnung an die im Mittelbairischen im Anlaut weitgehend fehlende Unterscheidung zwischen den Konsonanten „p“ und „b“, „t“ und „d“ sowie (in geringerem Maße und nur regional) „k“ und „g“, der sogenannten Lenisierung, hören sich diese Konsonanten bei vielen Sprechern gleich an. Die Endungen auf -ig werden als solche ausgesprochen (so heißt es beispielsweise Könik oder fertik und nicht wie in Deutschland größtenteils üblich Könich, fertich).

Auch aus dem Nordosten Deutschlands stammende Namen auf -ow werden häufig nicht wie dort mit langem „o“, sondern vielmehr slawisch als „-off“ ausgesprochen, z. B. in Klausjürgen Wussow.

[Bearbeiten] Betonung

Ortsnamen, die mit der Endung -au enden, werden meist auf der Endsilbe betont, während sie sonst erstsilbig betont werden. Beispiele sind Wachau und Lobau (aber: Murau) entgegen Passau oder Mainau.
Auch im Ortsnamen St. Johann trägt die Endsilbe die Betonung.

Zusammengesetzte Begriffe und Namen (z. B. Straßenbezeichnungen) werden meist in der Betonung auf dem ersten Nomen betont, z. B. bei Bundeskanzleramt.

Das führt dazu, dass viele Deutsche österreichische Bezeichnungen, die auf der zweiten Silbe betont werden, fälschlich auf der ersten betonen: z. B. Fíaker, Rápid Wien.

Werden Vorwörter und persönliche Fürwörter nach einander gesprochen, betont man in Österreich das persönliche Fürwort, nicht aber das Vorwort. Beispiele: wir sind bei euch (Ö) ↔ wir sind bei euch (D); komm zu mir (Ö) ↔ komm zu mir (D); geht mit uns (Ö) ↔ geht mit uns (D).

[Bearbeiten] Lehnwörter

Viele Lehnwörter unterscheiden sich nicht nur in der Betonung, sondern auch in der Aussprache vom Gebrauch in anderen deutschen Sprachgebieten, so etwa Balkon, Beton, Saison (auch mit -ei-), pensioniert (keine Nasalierung), Bronze (Nasalierung), Chemie, China (Aussprache mit /k-/), Kaffee, Mathematik, Parfum, Tabak, Telefon, Anis, Platin.
In Österreich wird das Phonem/s/, das in der deutschen Orthographie als <s> wiedergegeben wird, fast durchgängig stimmlos ausgesprochen. Dies führt manchmal zu Verwirrung bei österreichischen Lesern von Sprachführern, die Beispiele wie „S wie in Sonne“ verwenden, um die stimmhafte Aussprache zu erklären.

Des weiteren sprechen viele Österreicher das „st“ und „sp“ in manchen lateinischen, griechischen, französischen oder englischen Wörtern nicht als „scht-“ oder „schp-“, sondern als „st-“ und „sp-“, z. B. Standard, Statistik, spezifisch (aber etwa: speziell immer mit „schp-“ gesprochen). Spurt wird oftmals mit englischer Aussprache verwendet.[23]

Bei Kontrollor (in städtischen Verkehrsmitteln umgangssprachlich auch als Schwarzkappler bezeichnet) zeigt sich auch eine Veränderung gegenüber dem bundesdeutschen Kontrolleur.

Häufig sind die hier angeführten Aussprachebeispiele jedoch nicht beschränkt auf Österreich, sondern sind auch im süddeutschen Raum (v. a. Bayern und Baden-Württemberg) anzutreffen (z. B. die zitierte Aussprache von Bronze, pensioniert, Chemie, China, Telefon usw.).

Markennamen werden in Österreich üblicherweise in der Original-Aussprache übernommen. „Eindeutschungen“ wie in Deutschland bei Michelin oder Colgate finden selten statt.


[Bearbeiten] Zahlen, Uhrzeit

Zahlen werden als Substantive in Österreich generell auf -er gebildet und sind dann männlich. Es heißt also österr. der Einser vs. bundesdeutsch die Eins usw. Die Verwendung des Zahlwortes zwo für zwei zur Verdeutlichung des Unterschieds zu drei in hochsprachlichen Durchsagen (z. B. an Bahnhöfen) ist in Österreich im Gegensatz zu Deutschland kaum gebräuchlich, ausgenommen beim Österreichischen Bundesheer, wo statt „zwei“ immer „zwo“ verwendet wird, um beim Hören die Verwechslung mit zwei zu vermeiden, - was für Außenstehende jedoch zumeist als gewöhnungsbedürftig und „typisch militärisch“ empfunden wird. Jahreszahlen werden in Österreich meist ohne das Element -hundert- gesprochen (z. B. 1998 = neunzehnachtundneunzig [vgl. engl. nineteen ninety-eight]).

Dezimalbruchzahlen: Gelegentlich wird (Beispiel π: 3,14) statt „drei Komma vierzehn“ auch „drei Ganze vierzehn“ gesprochen.

Speziell in Ost- und Südösterreich (wie auch in großen Teilen Süd- und Ostdeutschlands wie der Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Berlin, oder analog im Tschechischen) und im Ungarischen wird 14 Uhr 15 nicht als Viertel nach zwei, sondern als viertel drei oder Viertel über zwei (zu finden in Salzburg, Oberösterreich, Wien, Obersteiermark und Burgenland – hält sich aber keinesfalls an politische Grenzen) bezeichnet. Auch 14 Uhr 45 wird nur selten als Viertel vor drei, sondern als dreiviertel drei bezeichnet.

[Bearbeiten] Buchstaben des Alphabets

Die Buchstaben „J“ und „Q“ des Alphabets werden in Österreich – sofern sie allein stehen – üblicherweise anders ausgesprochen: J = „jee“ (D: „jot“); Q = „kwee“ (D: „ku“). Allerdings bürgert sich zunehmend die Aussprache des Q als „ku“ auch in Österreich ein, wohl wegen der besseren Verständlichkeit.

[Bearbeiten] Umgangssprache und regionale Dialektformen

Verbreitungsgebiet der heutigen oberdeutschen Mundarten
Verbreitungsgebiet der heutigen oberdeutschen Mundarten

Siehe auch: Wienerisch, Tirolerisch, Kärntnerisch, Vorarlbergerisch, Böhmakeln, Hianzisch, Innviertlerisch

Minderheitensprachen in Österreich: Windische Sprache, Burgenlandkroatische Sprache

[Bearbeiten] Entwicklung der Regionaldialekte

In Österreich werden zusätzlich zur Hochsprache die heimischen Dialekte recht häufig gebraucht, dies sind oberdeutsche Dialekte (mittel- und südbairisch sowie alemannische Dialekte in Westösterreich). Da die österreichische Staatsgrenze historisch gesehen keine Sprachgrenze war und es seit der schleichenden Auflösung des Heiligen Römischen Reichs (HRR) bis zur Gründung der (ersten) Republik Österreich zu zahlreichen Gebietsverschiebungen kam (Salzburg ist das wohl prominenteste Beispiel), teilen die in Österreich gesprochenen süddeutschen Dialekte einige sprachliche Besonderheiten mit dem übrigen bairischen Sprachraum in Bayern und dem alemannisch-schwäbischen Sprachraum auf allen Seiten des Bodensees (siehe hierzu auch deutsches Dialektkontinuum).

Zusätzlich zu den vielen verschiedenen Ortsdialekten (Dialektkontinuum), die in reiner Form meist nur noch von den älteren Dorfbewohnern gesprochen werden, haben sich in den einzelnen Bundesländern regionale „Landesdialekte“ gebildet, die sich an der in der jeweiligen Landeshauptstadt gesprochenen Mundart orientieren. Die Umgangssprache in den Landeshauptstädten wiederum wird in jeweils unterschiedlichem Ausmaß von der Wiener Mundart beeinflusst. Auf diese Weise entstand und entsteht auch weiterhin eine Vermischung von mittelbairischen und südbairischen Dialektformen mit speziellen wienerischen sowie hochsprachlichen Merkmalen.

[Bearbeiten] Besonderheiten der Regionaldialekte

Der dialektale Wortschatz wird erfasst und beschrieben im Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich. (Zur ausführlichen Darstellung der bairischen Mundarten in Österreich siehe den Hauptartikel Bairische Sprache.)

Die unterschiedlichen Dialekte sind für einen Großteil der Bevölkerung die tägliche Umgangssprache, wobei im Sprachgebrauch älterer Menschen (wie fast überall im deutschen Sprachraum) sich meist mehr Dialektausdrücke finden, als von den nachfolgenden Generationen, vor allem in städtischem Umfeld, wahrgenommen werden. In manchen größeren Städten bildet sich deshalb meist eine Eigenart des in der Umgebung gesprochenen Dialekts aus. Dieser kommt mit durchwegs weniger Spezialausdrücken des Dialekts aus (z. B. wird „immer“ statt „ollawei“ gesagt, oder schlicht „Topf“ statt „Tügi“/„Tiegel“) und verwendet stattdessen mehr Dialektformen der gehobeneren Sprache (z. B. „hintn“ statt „dreant“ für „hinten“, oder „dawischen“/„erwischen“ statt „daglaunga“/„erlangen“ für „einen Gegenstand erreichen“).

Besonders fällt die Verdrängung des urtümlichen Dialekts in und in der Umgebung von Wien auf, wo sich ein eigener „gehobener Wiener Dialekt“ entwickelt hat, der sich u. a. dadurch auszeichnet, dass der Vokal „a“ gezogen ausgesprochen wird, wie man ihn schreibt, anstatt ihn wie „å“ bzw. „o“ auszusprechen, wie ansonsten in den bairischen Dialekten üblich. Überhaupt werden Wörter viel öfter nach der Schrift ausgesprochen. Wörter wie „ich, dich, mich“, werden auch als solche gesprochen und nicht als „i, di, mi“; ein weiteres Beispiel ist, dass das „net“ durch das „nicht“ ersetzt wurde.

Im Gegensatz zum übrigen Österreich werden in Vorarlberg und in Teilen des Tiroler Außerfern alemannische Dialekte gesprochen. Der Wortschatz der Vorarlberger Mundarten wird beschrieben im Vorarlbergischen Wörterbuch. Die Sprachgeographie der Mundarten in Vorarlberg und Tirol wird beschrieben im Vorarlberger Sprachatlas.

[Bearbeiten] Beispiele für Dialekt und Umgangssprache

Wichtigste Beispiele für Dialekt und Umgangssprache
alle Ausdrücke im Singular, sofern nicht anders angegeben
in Österreich Hochdeutsch Regionale Zuordnung, Anmerkungen
angsti (n) schwül Innviertlerisch
Barras (m) Bundesheer, Präsenzdienst