Böttingerhaus

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Böttingerhaus von Nordosten, Oktober 2013
Portal an der Judenstraße, September 2008

Das Böttingerhaus, früher auch Prellshaus genannt, ist ein an der Judenstraße der Bergstadt von Bamberg gelegenes Stadtpalais. Es zählt zu den bedeutendsten bürgerlichen Bauwerken des Barock in Süddeutschland.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebäude wurde von dem Geheimen Hofrat und Kreisdirektorialgesandten Johann Ignaz Michael Tobias Böttinger in Auftrag gegeben und 1707–13 erbaut. Das nach dem Vorbild italienischer Palazzi gestaltete Gebäude zeigte den Zeitgenossen auf eindrucksvolle Weise den Wohlstand des aus bürgerlichen Verhältnissen stammenden Bauherrn und kann als klassisches Beispiel für den Aufstieg dieser Bevölkerungsschicht im 18. Jahrhundert dienen.

Zu den Besitzungen und Bauten Böttingers zählen neben dem Böttingerhaus die Villa Concordia (Böttingerhaus 2) in Bamberg, sein Besitztum am Milchweg, das Böttingersche Landhaus in Stegaurach und das Schlösschen in Kolmsdorf.

Der Entwurfsverfasser des Stadtpalais ist nicht schriftlich überliefert, weswegen nur stilkritisch auf damals in der Stadt und ihrer Nähe tätige Architekten geschlossen werden kann. Während Teile der Literatur in Maximilian von Welsch den Architekten sehen, tendieren jüngere Forschungen zu dem bisher eher unbekannten Johann Ammon.

Die Fassade musste aufwändig in die beengten Verhältnisse des Stadtgrundrisses eingepasst werden, was für den Architekten eine besondere Herausforderung darstellte. So ist die insgesamt elfachsige Fassade in ein Hauptgebäude von fünf und zwei Nebengebäude von je drei Achsen zerlegt. Letztere springen nach Südosten, so grob der natürlichen Krümmung der Straße Unterer Stephansberg folgend, jeweils deutlich zurück.

Neben der vertikalen Gliederung der Fassade aus topographischen Gründen musste auch die Dekoration an die beengten, Platzverhältnisse mit wenig natürlichem Licht angepasst werden. Während klassischerweise die Dekoration in der Beletage, also meist dem ersten Obergeschoss, am reichsten ausfällt, und dann mit jedem darüber liegenden Stockwerk abnimmt, nimmt sie im Fall des Böttingerhauses mit jedem Stockwerk und sogar noch in den überreichen Aufbauten der Dachgauben graduell zu.

Auch das Innere des Hauses zeichnet sich durch ein imposantes Treppenhaus, aufwändig ausgestattete Räume und einen ausgeschmückten Hof aus. Die reichen Stuckdekorationen schuf der im Bamberg dieser Zeit vielfach tätige Johann Jakob Vogel, dazu gehörige Malereien Johann Georg Bogner und Johann Jakob Gebhard. Eine Besonderheit des Gebäudes ist die Verbindung mit dem Garten, dessen Terrassen von einer jeder Etage des hinteren Flügels aus betreten werden können.

Seit 1992 befindet sich eine Kunstgalerie in dem Gebäude, weswegen es nicht mehr öffentlich zugänglich ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christine Freise-Wonka: Ignaz Tobias Böttinger (1675-1730) und seine Bauten. Ein bürgerlicher Beamter des Absolutismus, sein Leben und seine Bautätigkeiten. Bamberger Studien zur Kunstgeschichte und Denkmalpflege Bd. 4. Bamberg: Lehrstuhl für Kunstgeschichte und Aufbaustudium Denkmalpflege an der Universität Bamberg 1986, ISBN 3-925009-03-5.
  • K. Th. Löffler: Das Böttingerhaus zu Bamberg. Ein barockes Märchen. Mit 3 Abbildungen nach gemälden von Paul Barthel. In: Reclams Universum 42.2 (1926), Heft 43 vom 22. Juli 1926, S. 1125-1128.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Böttingerhaus (Bamberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

49.88916666666710.886111111111Koordinaten: 49° 53′ 21″ N, 10° 53′ 10″ O