Badonviller-Marsch

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Der Badonviller-Marsch (auch Badenweiler-Marsch; Armeemarschsammlung II, 256) wurde 1914 von dem bayerischen Militärmusiker Georg Fürst für das Königlich-Bayerische Infanterie-Leibregiment komponiert.

Entstehungszusammenhang[Bearbeiten]

Der Titel erinnert an das Gefecht vom 12. August 1914 bei Badonviller in Lothringen. Die Bayrischen Infanterieeinheiten siegten dort in einer der ersten Auseinandersetzungen des Ersten Weltkrieges gegen französische Streitkräfte. Im Gegensatz zur damaligen Sichtweise auf deutscher Seite gelten die Geschehnisse in und um Badonviller in Frankreich als ein Symbol für deutsche Gräuel während des ersten Weltkriegs.[1]

Musik[Bearbeiten]

Zu dem typischen Eingangsmotiv sollen den Komponisten die Hupen der Sanitätsfahrzeuge angeregt haben, mit denen die Verwundeten während der Gefechte abtransportiert wurden. Der Marsch enthält ein wuchtiges Posaunenmotiv im Trio.

Verwendung im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Das Stück wurde von Adolf Hitler sehr geschätzt. Während des Dritten Reiches wurde dieser Marsch bei dessen Auftritten gespielt; der originale Titel wurde deswegen durch das deutsch klingende „Badenweiler-Marsch” ersetzt, wobei es keine Verbindung zu dem gleichnamigen Ort Badenweiler in Baden gibt. Nach der Polizeiverordnung gegen den Mißbrauch des Badenweiler Marsches vom 17. Mai 1939 durfte der Badenweiler-Marsch „...nur bei Veranstaltungen, an denen der Führer teilnimmt, und nur in seiner Anwesenheit öffentlich gespielt werden.“[2]

Nachkriegszeit, heute[Bearbeiten]

Da der Marsch nach der NS-Zeit unwillkürlich mit Adolf Hitler in Verbindung gebracht wurde, wird er heute von Bundeswehr- und Polizeimusikkorps nicht mehr gespielt. Der erste Leiter des Militärmusikdienstes, Friedrich Deisenroth, legte dies bei der Aufstellung der Musikkorps der Bundeswehr im Jahr 1956 per „Fachdienstlicher Anweisung“ für die Bundeswehr fest. Ausgenommen sind so genannte „Historische Konzerte“, in denen die Entwicklung des Marsches im Allgemeinen sowie die Eigenart landestypischer Märsche aufgezeigt werden sollen. Die Aufführungen müssen dann allerdings unter dem originalen Titel „Badonviller-Marsch“ erfolgen.

Im zivilen Bereich wird der Marsch von deutschen Blaskapellen, wenn überhaupt, nur in seltenen Fällen aufgeführt.

In Filmen über die NS-Zeit oder in zeitgenössischen Dokumentationen, etwa der „Deutschen Wochenschau”, ist der Marsch oft als Begleitmusik bei Auftritten Hitlers zu hören.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Camille Maire: Le plus beau jour de toute la guerre. In: la Nouvelle revue Lorraine. Num. 1. 2010.
  2. Polizeiverordnung gegen den Mißbrauch des Badenweiler Marsches vom 17. Mai 1939 Reichsgesetzblatt Teil I S. 921.