Basiliken

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Dieser Artikel behandelt die als Basiliken bekannte Sammlung des byzantinischen Rechts. Für die als Basiliken bezeichneten Bauwerke siehe Basilika (Bautyp).

Die Basiliken (griechisch: τὰ βασιλικὰ [νόμιμα bzw. βιβλία] = die kaiserlichen [Gesetze bzw. Bücher]) sind eine Sammlung des byzantinischen Rechts in 60 Büchern. Die Gesetzessammlung (deren Bezeichnung als Basiliken erst im 11. Jahrhundert nachweisbar ist) wurde unter dem byzantinischen Kaiser Basileios I. begonnen und unter dessen Sohn Leon VI. - vermutlich 888 - fertiggestellt. Nach dem von Leon VI. verfassten Vorwort war der Zweck des Werkes eine übersichtlichere Zusammenstellung des im Corpus iuris civilis enthaltenen Gesetzesmaterials unter Ausscheidung alles Überflüssigen. Fast ausschließliche Quellen der Basiliken sind demgemäß die vier Teile der justinianischen Kodifikation, die Institutionen allerdings nur in sehr geringem Ausmaß, weil diese durch ein eigenes Einführungslehrbuch (die Eisagoge tu nomu, später den Procheiros nomos) ersetzt wurden. Für die lateinischen Texte der Digesten und des Codex Iustinianus griffen die Kompilatoren der Basiliken auf griechische Übersetzungen der Antecessores aus der Zeit des Kaisers Justinian I. zurück. Die 60 Bücher sind in Titel unterteilt, die nach Materien geordnet und regelmäßig in der Weise aufgebaut sind, dass den betreffenden Kapiteln (κεφάλαια) aus den Digesten solche aus dem Codex Iustinianus und diesen wiederum solche aus den Novellen Justinians I. folgen. Viele Bücher der Basiliken sind lediglich in einem Manuskript, manche sind handschriftlich überhaupt nicht überliefert und können nur indirekt - etwa durch die Eisagoge aucta, die Synopsis maior, die Peira, den Tipukeitos und den Kommentar des Theodoros Balsamon - teilweise restituiert werden. In der Mitte des 11. Jahrhunderts wurde das Werk unter Leitung des Ioannes Xiphilinos überarbeitet und mit einem Katenen-Kommentar versehen, welcher zum größten Teil aus sog. „alten Scholien“ (Exzerpten aus Schriften der Antecessores) und zu einem kleinen Teil aus jungen bzw. jüngeren (oder auch neuen) Scholien (Einzelkommentierungen hauptsächlich aus dem 11. Jahrhundert) besteht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Charles Annibal Fabrot, Τῶν Βασιλικῶν Βιβλία Ξ΄. Βασιλικῶν libri LX, 7 Bände, Paris 1647 (1. Edition mit lateinischer Übersetzung)
  • Carl Wilhelm Ernst Heimbach, Basilicorum libri LX, 5 Bände, Leipzig 1833-1850 (2. Edition mit lateinischer Übersetzung)
  • Karl Eduard Zachariae von Lingenthal, Supplementum editionis Basilicorum Heimbachianae, Leipzig 1846
  • Carl Wilhelm Ernst Heimbach, Prolegomena et manuale Basilicorum, Leipzig 1870
  • Herman Jan Scheltema, Nicolaas van der Wal, Douwe Holwerda, Basilicorum libri LX, A: Textus, 8 Bände, B: Scholia, 9 Bände, Groningen 1953-1988 (3., jetzt maßgebliche Edition)
  • Andreas Schminck, Studien zu mittelbyzantinischen Rechtsbüchern, Frankfurt am Main 1986, 17-54 u.ö. (149) (Edition und deutsche Übersetzung des Prooimions mit Kommentar zum ganzen Text)
  • Andreas Schminck, "Frömmigkeit ziere das Werk" - Zur Datierung der 60 Bücher Leons VI., in: Subseciva Groningana III (1989) 79-114
  • Nicolaas van der Wal, Probleme bei der Restitution verlorengegangener Basilikenbücher, in: Subseciva Groningana III (1989) 143-154
  • P. E. Pieler, Νομικὴ φιλολογία, in: Herbert Hunger, Βυζαντινὴ λογοτεχνία (Ἡ λόγια κοσμικὴ γραμματεία τῶν Βυζαντινῶν), Athen 1994, 340-342 u.ö. (443)
  • Herman Jan Scheltema, Opera minora ad iuris historiam pertinentia, Groningen 2004 (Nachdruck von Artikeln aus den Jahren 1933-1980, von denen mehrere die Basiliken betreffen)
  • S. N. Troianos, Οι πηγές του βυζαντινού δικαίου, 3. Auflage, Athen / Komotini 2011, 252-263 u.ö. (467)