Bengalisches Feuer

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Großfeuerwerk „Rhein in Flammen“ 2011 in Koblenz; die Festung Ehrenbreitstein ist bengalisch erleuchtet
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Bengalisches Feuer (bengalisches Licht, bengalische Flamme oder kurz Bengalo) ist ein Effekt der Pyrotechnik unter Benutzung eines weißen oder farbigen pyrotechnischen Satzes. Bengalische Feuer werden zur effektvollen Beleuchtung eingesetzt, zum Beispiel von Büsten, Statuen, Gebäuden und Gärten. Die Flammenfärbung ist abhängig von dem verwendeten Metall, das dem Brennstoff zugemengt ist. Charakteristisch für Bengalos sind ein greller Lichtschein und eine intensive Rauchentwicklung (wobei es auch möglich ist, Flammen mit wenig Rauchentwicklung zu erzeugen).

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Der Begriff bengalisch entstammt der historischen Region Bengalen im heutigen Bangladesch und Nordost-Indien. Die dortigen Fürstenhöfe wurden durch bunte Lichter beleuchtet, die durch chemische Reaktionen erzeugt wurden. Ursprünglich verstand man unter dem Begriff bengalisches Feuer nur das Licht zur glänzenden Beleuchtung eines Gegenstandes. Zur Erzeugung des Lichts wurden Schwefel, das Nitrat Salpeter und Realgar – ein Mineral – verwendet.

Gefährdungspotenzial[Bearbeiten]

Das Gefährdungspotenzial testete der Entschärfungsdienst des Bundeskriminalamts in diversen Versuchsreihen:

  • extrem hohe Abbrandtemperaturen um die 2000 °C, die zu schweren Verbrennungen führen können,
  • sehr heiße Schlacke – bei Fackeln meist tropfend – die auch nach dem Abbrennen noch lange heiß bleibt,
  • heißes Kartongehäuse,
  • intensive Lichterscheinung, die bei direktem Blickkontakt zu massiven Blendwirkungen führen kann,
  • Möglichkeit der Erzeugung eines sehr dichten und intensiven Rauches, der zu Sichtbehinderungen und innerhalb großer Menschenmengen zu panikartigem Verhalten führen kann.

Handfackeln[Bearbeiten]

Bengalisches Feuer (Starklicht-Handfackeln) als Warnsignale

Gegenwärtig werden bengalische Feuer meist in Form von Fackeln – zum Teil in Kombination mit Rauchsätzen – im Barockfeuerwerk, für Lichterbilder, bei pyrotechnischen Beleuchtungen, bei Freiluftkonzerten, oder auch als Warnsignal und (See-)Notsignal verwendet.

Die Verwendung dieser Fackeln kann gefährlich sein, da in ihnen unter anderem Magnesium verbrannt wird und dabei eine Flamme mit einer Temperatur zwischen 1.600 und 2.500 °C entsteht. Verbrennungen können sogar dann hervorgerufen werden, wenn ein direkter Kontakt mit dem Feuer gar nicht zustande kommt. Ein Löschen dieser pyrotechnischen Feuer ist mit Sand nur bedingt, mit Wasser jedoch gar nicht möglich. Die Reste eines ausgebrannten Behälters sind noch lange Zeit so heiß, dass sie auch bei kurzer Berührung erhebliche Verbrennungen verursachen können.[1] Die Fackeln entwickeln meist viel Rauch – das Einatmen des Rauchs sollte aus Gesundheitsgründen vermieden werden.

Bengalische Feuer beim Fußball[Bearbeiten]

Bengalisches Feuer beim UEFA-Pokal-Spiel FC Parma–VfB Stuttgart 2005

Etwa seit den 1980er-Jahren[2] werden bengalische Feuer von Fußballfans im Stadion entzündet. Aufgrund von Verletzungsgefahren[3] hat es in einigen Ländern Verschärfungen der Rechtslage gegeben. Viele Fußballverbände, darunter auch der Weltfußballverband FIFA und der europäische Fußballverband UEFA, verhängen für das Entzünden von Pyrotechnik hohe Geldstrafen gegen die beteiligten Vereine.

  • Deutschland: In allen Sportstadien ist die Verwendung von bengalischen Feuern durch die Stadionordnung und/oder die Versammlungsstättenverordnung (z. B. in Bayern durch § 35 Abs. 2 VStättV) untersagt. Wer Bengalos ins Stadion schmuggelt oder entzündet, dem droht deshalb ein bundesweites Stadionverbot. Die Verwendung von bengalischen Feuern durch Zuschauer in Sportstätten ist in jedem Fall eine Ordnungswidrigkeit und kann unter Umständen auch als Straftat verfolgt werden.[4] Die Polizei hat im Jahr 2012 damit begonnen, Spürhunde zum Aufspüren pyrotechnischer Gegenstände auszubilden, um zukünftig das Schmuggeln von Bengalos in Stadien zu verhindern.[5] Gleichzeitig lehnen die Deutsche Fußball Liga und der Deutsche Fußball-Bund den Dialog mit der von Fans initiierten Kampagne Pyrotechnik legalisieren - Emotionen respektieren strikt ab, die sich für einen kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik einsetzt.
  • Österreich: Am 13. Oktober 2009 beschloss die Bundesregierung mit Blick auf Geschehnisse bei Fußballveranstaltungen eine Novelle des Pyrotechnikgesetzes von 1974. Das Pyrotechnikgesetz 2010 trat am 4. Jänner 2010 in Kraft.[6] Betroffen sind pyrotechnische Gegenstände mit Knalleffekten sowie alle Erzeugnisse, die chemische Stoffe beinhalten, welche Bewegungs-, Licht-, Rauch- Nebel-, Druck- oder Reizwirkungen hervorrufen (also auch bengalisches Feuer). Ausnahmegenehmigungen sind jedoch möglich.
  • Schweiz: Am 1. Januar 2010 trat ein sogenanntes „Hooligan-Konkordat“[7] in Kraft.[8] Es ermöglicht staatliche Maßnahmen gegen Gewalttäter im Umfeld von Sportveranstaltungen und definiert unter anderem das Mitführen und die Verwendung von Pyrotechnik als Gewalt im Sinne des Konkordats.[9]
  • Italien: Offiziell ist es mittlerweile in allen italienischen Stadien (nicht nur beim Fußball) verboten, bengalisches Feuer oder andere Pyrotechnik zu verwenden[10].

Literatur[Bearbeiten]

  • Bengalisches Feuer. In: Robert Blum (Hrsg.): Allgemeines Theater-Lexikon oder Enzyklopädie alles Wissenswerthen für Bühnenkünstler, Dilettanten und Theaterfreunde. DirectMedia Publ., Berlin 2008, ISBN 978-3-89853-622-6 (1 CD-ROM; Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1846).
  • Bengalisches Feuer. In: Friedrich R. Kreißl, Otto Krätz (Hrsg.): Feuer und Flamme, Schall und Rauch. Schauexperimente und Chemiehistorisches; Ernst Otto Fischer zum 80. Geburtstag gewidmet. Wiley VCH, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-32276-3, S. 92f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zeitungsartikel in der (RP) mit Bilderstrecke zu einer Vorführung von Bengalos und Polenböllern.
  2. Eine kleine Geschichte der Pyrotechnik in Deutschland. 11freunde.de, 4. November 2012, abgerufen am 3. Januar 2013.
  3. Verletzte beim Türkei-Derby. rp-online.de, 22. Juli 2010, abgerufen am 12. Februar 2013.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWarum ist die Verwendung von Feuerwerkskörpern und sonstigen pyrotechnischen Gegenständen im Fußballstadion verboten? Polizei Bayern, abgerufen am 16. Mai 2013.
  5. Pyrotechnik – Polizeihunde als Schnüffler im Einsatz. stern.de, 9. Juli 2012, abgerufen am 25. November 2012.
  6. Christian Wachter: Seit 04. Jänner gelten neue Regelungen für das Inverkehrbringen und die Verwendung pyrotechnischer Gegenstände. In: WKO.at. Wirtschaftskammer Österreich, 10. Januar 2012, abgerufen am 1. Juni 2012.
  7. Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren: Neues Hooligan-Konkordat. 14. Oktober 2011, abgerufen am 13. Februar 2013.
  8. Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren: Das Hooligan-Konkordat tritt in Kraft. 29. Dezember 2009, abgerufen am 1. Juni 2012 (PDF; 66 kB).
  9. Das Schweizer Hooligan-Konkordat (hier Fassung Nov 2007) (PDF; 31 kB) definiert in Artikel 2 Abs 2 das Mitführen von pyrotechnischen Gegenständen im Umfeld von Sportveranstaltungen als „Gewalt“.
  10. Falko Blöding: Die Pyro-Diskussion: So läuft es im Ausland - Goal.com. 10. November 2011, abgerufen am 12. Februar 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bengalisches Feuer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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