Bernhard von Glisczynski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bernhard Franz von Glisczynski (* 13. April 1912 in Berlin; † 17. April 1992 in Dortmund) war ein deutscher Bauingenieur, Manager und Denkmalschützer.

Werdegang[Bearbeiten]

Bernhard von Glisczynski stammte aus dem pommerellischen Adelsgeschlecht Glisczynski. Er studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Berlin und schloss das Studium 1935 mit der Diplom-Hauptprüfung ab. Nach zwei Jahren in der Wirtschaft als Statiker im Stahlbau zog es ihn in die Wissenschaft zurück. So war von Glisczynski in den Jahren 1937 bis 1940 Hauptassistent am Lehrstuhl und Forschungsinstitut für Baumaschinen und Baubetrieb von Georg Garbotz in Berlin. Hier promovierte er zum Dr.-Ing. über die Thematik der „Beton-Fahrbahndecken“. Bis 1945 war von Glisczynski mit Straßen-, Bau- und Rüstungsprojekten des Generalinspekteurs für das Deutsche Straßenwesen beauftragt. Danach war er ohne Unterbrechung bis 1977 Generaldirektor der Dortmunder Bauunternehmung Hanebeck und wurde bekannt durch die Sanierung, Sicherung und Erhaltung von mehr als 45 denkmalwerten Bauten in Nordrhein-Westfalen, die eigentlich als nicht mehr zu retten angesehen wurden und deshalb gesprengt oder abgerissen werden sollten.

Erhaltene und gesicherte Baudenkmäler[Bearbeiten]

Bernhard von Glisczynski begann im Jahr 1952 mit der Wiederherstellung der Kommende Brackel in Dortmund. Es folgte die Sicherung vom Torhaus im Rombergpark in Brünninghausen in den Jahren 1957 bis 1959. Der Giebel des Torhauses neigte sich durch Kriegsschäden stark nach vorne und drohte, das Gebäude zum Einsturz zu bringen; das Kultusministerium untersagte eine Bergung der bereits abgefallenen Steine und empfahl eine Sprengung. Bernhard von Glisczynski konnte den Giebel durch Pressen wieder richten und erhielt das bekannte Dortmunder Baudenkmal der Nachwelt. Mit viel Sachverstand, Tricks und Phantasie sicherte Bernhard von Glisczynski unter anderem die Stadtkirche St. Georg in Lünen, das alte Schloss Brake in Lemgo, Schloss Herten, Burg Lüdinghausen, Haus Martfeld in Schwelm, Haus Langendreer in Bochum oder das Schloss Cappenberg in Selm. Bundesweite Aufmerksamkeit erlangte von Glisczynski durch die unkonventionelle Sicherung des viereckigen, 55 m hohen Kamins der Zeche Nachtigall in Witten in den Jahren von 1976 bis 1980: Der Kamin wurde mit dem Felsboden „vernagelt“.

Sonstige Tätigkeiten[Bearbeiten]

  • Bezirksvorsitzender des Bauindustrieverbands Nordrhein-Westfalen e.V., Dortmund
  • Mitglied der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund
  • stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft für Technik und Wirtschaft Nordrhein-Westfalen
  • Vorsitzender der Vertreterversammlung der Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) (heute: Vorsitzender des Verwaltungsrats)
  • Vorsitzender des Architekten- und Ingenieurvereins Dortmund

Familie[Bearbeiten]

Bernhard von Glisczynski war verheiratet mit Maria von Glisczynski (*1919), geb. Rettemeier, einer Schwester von Joseph W. Rettemeier. Er hatte drei Kinder:

Schriften[Bearbeiten]

  • Vergleichende Untersuchungen bei der ganz- und halbseitigen Herstellung von Betonfahrbahndecken. Volk und Reich, Berlin 1939.
  • (mit Torben von Rothe): Die Pensacola-Sperre in Oklahoma (U.S.A.). Bauverlag R. Schirmer, Berlin 1940.

Literatur[Bearbeiten]

  • Albert Speer: Der Sklavenstaat. Meine Auseinandersetzungen mit der SS. Ullstein, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-548-33041-X, S. 339 und Anhang.
  • Baudoktor rettete viele Denkmäler. In: Ruhr-Nachrichten vom 18. Januar 1986
  • Fritz Michael: Dortmund. Das Profil einer Stadt. Crüwell / Schropp, Dortmund 1969, S. 120/121.

Weblinks[Bearbeiten]