Bestattungsurne

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Die Bestattungsurne ist ein seit dem Neolithikum bekannter Behälter zur endgültigen Bestattung oder Aufbewahrung der Asche von Verstorbenen nach einer Feuerbestattung.

Geschichte[Bearbeiten]

In Mitteleuropa kamen die Bestattung in Urnen in der Schönfelder Kultur (2500–2100 v. Chr.) auf. Zuvor gab es die Totenverbrennung und die Bestattung des Brandrestes ohne Urne. In der Bronzezeit wurde dann in weiten Teilen Europas die Bestattung der Leichenreste in Urnen üblich. Sie war und ist Teil des Totenkultes. Die äußere Gestaltung der Urnen war vielfältig, als Gesichts-, Buckel-, Glocken- und doppelkonische Urnen, Urnen mit Deckel, bauchige Töpfe oder Terrine. Urnen wurden Teil des Bestattungskultes von Menschen- und Tierbestattungen und Bestandteil von Feuerbestattungen.

Materialien[Bearbeiten]

Als Urnenmaterial seit Einführung der europäischen Feuerbestattung im Jahr 1878 kamen Gesteine, Metall und Keramiken zur Anwendung. Weil sie in Deutschland über mehrere Jahrzehnte oberirdisch aufgestellt werden durften, bevorzugte man dafür beständige Materialien, vorzugsweise Stein.[1]

In heutigen Krematorien wird die Asche in Aschekapseln fest eingeschlossen, diese sind typischerweise aus Eisenblech oder Keramik. Die Aschekapsel dient der Sicherung der Asche in einem festen Behältnis. Das Material der Kapsel ist so ausgeführt, dass es innerhalb der üblichen Ruhefrist zum Zerfall kommen soll. Während Eisen je nach Bodenbeschaffenheit verrostet, sind bei Keramik Sollbruchstellen eingebracht, die durch die Wirkung von Wasser und Frost zum Zerfall führen. Duroplaste verwendet man nicht mehr, da Urnen aus diesem Material problemlos die Ruhefrist überstehen. Für Seebestattungen nutzt man meist Salzurnen, für Naturbestattung im Wald und auch auf Friedhöfen Aschekapseln aus biologisch abbaubarem Material, beispielsweise Maisstärke oder Flüssigholz. Aus ästhetischen Gründen setzt man Metall-Aschekapseln meist in einer schmückenden Überurne bei. Es gibt auch biologisch abbaubare Eingefäß-Urnen mit dekorativer Gestaltung.

Der in Deutschland geltende Friedhofszwang führt auch zu kommerziellen Entwicklungen, um Wünsche der Hinterbliebenen zu bedienen. Hierzu gehört die Abfüllung einer kleinen Aschemenge in Miniurnen in der Größe eines Salzstreuers. Damit soll es den Trauernden und Hinterbliebenen ermöglicht werden eine Ausführung zur Aufbewahrung im Haus und in unmittelbarer Lebensumgebung zu haben.

Urnenbestattung international[Bearbeiten]

  • In Deutschland besteht trotz einiger Diskussionen weiterhin die Pflicht zur Beisetzung der Urne auf einem Friedhof oder einem vergleichbar pietätsgewidmeten Gelände, in Wald, Wiese oder Bach (Naturbestattung).
  • In Österreich und in Frankreich kann die Urne im eigenen Garten beigesetzt werden.
  • In der Schweiz gibt es nahezu keine Einschränkungen im Umgang mit der Kremationsasche und mit der Urne eines Menschen.

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Joachim Behnke: Untersuchungen zu Bestattungssitten der Urnenfelderzeit und der älteren Eisenzeit am Hochrhein. Die hallstattzeitlichen Grabhügel von Ewattingen und Lembach und die urnenfelderzeitliche Siedlung von Ewattingen im Landkreis Waldshut. Leipziger Universitäts-Verlag, Leipzig 2000, ISBN 3-934565-65-4 (Zugleich: Hamburg, Univ., Diss., 2000).
  • Daniela Kern: Thunau am Kamp – eine befestigte Höhensiedlung. (Grabung 1965 – 1990). Urnenfelderzeitliche Siedlungsfunde der unteren Holzwiese. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2001, ISBN 3-7001-2985-8 (Mitteilungen der Prähistorischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 41).
  • Wolfgang Kimmig: Die Urnenfelderkultur in Baden. Untersucht auf Grund der Gräberfunde. de Gruyter, Berlin 1940 (Römisch-Germanische Forschungen 14, ISSN 0176-5337).
  • Hermann Müller-Karpe: Beiträge zur Chronologie der Urnenfelderzeit nördlich und südlich der Alpen. de Gruyter, Berlin 1959 (Römisch-Germanische Forschungen 22).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bestattungsurnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Norbert Fischer: Aschengrabmäler und Aschenanlagen der modernen Feuerbestattung im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. In: Grabkultur in Deutschland. Berlin 2009, ISBN 978-3-496-02824-6, S. 151-161