Bisinus

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Bisinus (gelegentlich auch Basinus, Besinus oder Bisin, abgeleitet von „bisa“ = wild) ist der Name von zwei Thüringerherrschern, die im späten 5. Jahrhundert zur Zeit der Völkerwanderung lebten. Beide werden von Gregor von Tours in dessen Historien erwähnt (Gregor, Historien 2,12 und 3,4).

Der bei Gregor Bysinus genannte erste Herrscher soll ein Herrscher der Thüringer um 460 gewesen sein. Er soll den von den fränkischen Großen vertriebenen König Childerich I. bei sich aufgenommen haben, der ihm seine Gemahlin Basena entführte und mit ihr angeblich Chlodwig I., den Stifter des Frankenreichs, zeugte. Die Darstellung ist historisch allerdings unglaubwürdig, wenngleich Chlodwigs Mutter tatsächlich Basena hieß. Möglicherweise ist dieser Bysinus nicht historisch, sondern erst die zweite Person (siehe unten). Gregor schrieb diesen Teil der Historien um 575 nieder und benutzte dazu oft nur mündliche Überlieferungen, die nicht besonders zuverlässig waren. Der Name Basena taucht häufig im thüringischen Adel auf, das belegen Grabungsfunde. Vielleicht, so die Theorie, könnte Gregor Basena mit einer anderen Person aus dem Verwandtschaftskreis des Bysinus verwechselt haben.

Der zweite Bisinus herrschte um 500 über die Thüringer und ist historisch besser belegt, er gilt damit als erster gesicherter Thüringerkönig. Gregor von Tours nennt nicht seinen Namen, doch den von zwei seiner Söhne, die bei Venantius Fortunatus (um 600) als Söhne eines Bisinus (Bessinus) erwähnt werden. Dieser zweite Bisinus war mit einer Langobardin namens Menia verheiratet. Er hatte drei Söhne: Baderich, Herminafried und Berthachar, die seine Nachfolge in unterschiedlichen Teilen des Reiches antraten, das schließlich von den Franken erobert wurde (531/34). Er hatte außerdem eine Tochter Raicunda,[1] die mit dem Langobardenkönig Wacho verheiratet war.[2]

Das heutige Bösenburg, das im 12. Jahrhundert als Bisingburg genannt wurde, wird bisweilen als Burgstätte von König Bisinus gedeutet. Auf dem dortigen Burghügel fand man geringe Reste einer alten Wehrburg.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl.  Jörg Jarnut: Thüringer und Langobarden im 6. und beginnenden 7. Jahrhundert. In: Helmut Castritius, Dieter Geuenich, Matthias Werner (Hrsg.): Die Frühzeit der Thüringer. Archäologie, Sprache, Geschichte, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Ergänzungsband 63. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-021454-3, S. 279.
  2. Vgl. Matthias SpringerThüringer. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 30, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-018385-4, S. 525 f.

Literatur[Bearbeiten]

Vorgänger Amt Nachfolger
ungesichert König der Thüringer
um 500
Herminafried

Berthachar (Unterkönig ?)

Baderich (Unterkönig ?)