4-Pfennig-Münze

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Brüning-Taler/Armer Heinrich

Die 4-Pfennig-Münze ist eine Kupfermünze zu vier Pfennig der Weimarer Republik. Umgangssprachlich wurde sie Armer Heinrich oder Brüning-Taler genannt.[1]

Hintergrund[Bearbeiten]

Reichskanzler Heinrich Brüning (1930–1932) versuchte die infolge der dem Deutschen Reich nach dem Ersten Weltkrieg auferlegten Reparationszahlungen und der Krise nach dem Börsenkrach von 1929 stetig verschlechterte Wirtschaftslage durch eine sparsame Haushaltsführung und durch Senkungen der Löhne, Gehälter und Preise zu verbessern. Damit befand er sich mit den meisten Wirtschaftswissenschaftlern seiner Zeit in Übereinstimmung. Die strengen Ausgabenkürzungen und die mangelnde Konsumnachfrage führten jedoch zu einem drastischen Anstieg der Arbeitslosenzahlen und belasteten die Volkswirtschaft weiter.[2]

Einer der Versuche, die deutsche Bevölkerung zu erhöhter Sparsamkeit zu bewegen, war eine 4-Pfennig-Münze, die nur 1932 geprägt wurde.[1]

Die 4-Pfennig-Münze[Bearbeiten]

Die Münze zeigt auf der Vorderseite die Wertziffer 4, umrandet von der Inschrift „Deutsches Reich“ und der Währungsangabe „Reichspfennig“ in Großbuchstaben, dabei die Jahreszahl „1932“. Auf der Rückseite ist der Reichsadler abgebildet, der Rand ist glatt. Die Münze hat einen Durchmesser von 24 mm bei einem Gewicht von fünf Gramm, sie besteht aus einer Legierung aus Kupfer, Zinn und Zink. Im deutschsprachigen Raum wird die Münze in den Katalogen und Preislisten der Münzsammler mit der Jaegernummer 315 geführt,[3] international ist die in dem von Chester L. Krause und Clifford Mishler begründeten Standardkatalog Standard Catalog of World Coins verwendete Nummer KM #75 gebräuchlich.[4] Ausschließlich im Jahr 1932 wurden in sechs Münzprägeanstalten etwa 50 Millionen Stücke geprägt:[4]

Münzzeichen Prägestätte Anzahl
A Berlin 27,101 Millionen
D München 7,055 Millionen
E Muldenhütten 3,729 Millionen
F Stuttgart 5,022 Millionen
G Karlsruhe 3,050 Millionen
J Hamburg 4,094 Millionen

Das 4-Pfennig-Nominal war im 18. und 19. Jahrhundert in Deutschland relativ häufig und wurde bis 1872 in mehreren deutschen Staaten ausgeprägt, darunter Preußen, Hessen und Sachsen.[5] Zu dieser Zeit hatte es wegen der Einteilung des Groschens in 12 Pfennige eine höhere praktische Bedeutung als 1932 im Dezimalsystem.

Öffentliche Wirkung[Bearbeiten]

Laut gesetzlicher Bestimmung mussten bei jeder Lohnauszahlung 2 Reichsmark in 4-Pfennig-Stücken ausgezahlt werden. Brüning hoffte damit auf ein neues Preisbewusstsein und auf eine Senkung der Verbraucherpreise. Von der politischen Opposition wurde der ungewöhnliche Nennwert schon vor der Ausgabe der Münzen mit Lohnsenkungen und Vermögensverlust in Verbindung gebracht (Vier Pfennig sind ein Vierer. Zwei Vierer sind ein Groschen, zehn Groschen sind eine Mark).[6] Insgesamt wurde das Geldstück in der Bevölkerung abgelehnt und als Armer Heinrich und Brüning-Taler verspottet, so dass die Münze bereits zum 1. Oktober 1933 für ungültig erklärt wurde.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Matthias Kordes: Die Geschichte der Münzen in Westfalen von 1855–2005. In: Sparkasse Vest Recklinghausen (Hrsg.): 150 Jahre Sparkasse Vest Recklinghausen. Gut für die Region. Sparkasse Vest Recklinghausen, Recklinghausen
  2. Dieter Petzina: Hauptprobleme der deutschen Wirtschaftspolitik 1932/33. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 1967, 15. Jahrgang, Heft 1, S. 18–55.
  3. Kurt Jaeger, Helmut Kahnt: Die deutschen Münzen seit 1871: Bewertungen mit aktuellen Markpreisen. 22. Auflage. Battenberg Gietl Verlag, Regenstauf 2011.
  4. a b George S. Cuhaj (Hrsg.): 2013 Standard Catalog of World Coins 1901–2000. 40th Edition. Krause Publications, Iola, WI 2012.
  5. Dieter Faßbender: Großer Deutscher Münzkatalog. Von 1800 bis heute. 28. Auflage. Battenberg Verlag, Regenstauf 2013.
  6. ohne Verfasser: 4-Pfennig-Stücke In: Beilage zur Sozialistischen Arbeiterzeitung 1931, 1. Jahrgang, Nummer 31 (8. Dezember 1931)