Bunte Republik Neustadt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Bunte Republik Neustadt (BRN) war eine von 1990 bis 1993 bestehende Mikronation im Dresdner Stadtteil Äußere Neustadt. Seither findet sie als Stadtteilfest jedes Jahr im Juni statt.

Geschichte[Bearbeiten]

BRN-Pass 1991

Für die Zeit vom 22. bis 24. Juni 1990 wurde die Bunte Republik Neustadt proklamiert und in einem großen Stadtteilfest gefeiert.

Die Idee zur Bunten Republik entstand eines Nachmittags in der Bronxx, das war eine Kneipe in der Alaunstraße, in einer Schwatzrunde. Da haben wir das Ding innerhalb von zwei, drei Monaten aus dem Boden gestampft.“ (GREGOR KUNZ, Monarch der 1. BRN[1])

Eine „ordentliche provisorische Regierung“ wurde gebildet, geleitet von einem „Monarchen ohne Geschäftsbereich“ und Ministern für "Wehrkraftzerfetzung", "Pfuinanzen und andere Kirchenfragen", "Unkultur und Unterseeboote" etc. Die Regierung forderte den Anschluss an den Vatikan, gab eine Regierungserklärung ab und erließ Dekrete. Die Grenzen der Bunten Republik Neustadt wurden mit einem weißen Strich auf der Straße markiert und umfassten das Karree Bautzner Straße, Königsbrücker Straße, Bischofsweg, Prießnitzstraße. An den Eingängen prangten Schilder mit der Aufschrift:

Hier beginnt das freie Territorium der Bunten Republik Neustadt.

Als Zahlungsmittel kreierten die Aktionisten die „Neustadtmark“. Diese konnte in Wechselstuben mit dem Wechselkurs zur „Ostmark“ von 1:1 und zur „Westmark“ von 1:2 eingetauscht werden.

Auf der eigens kreierten Flagge prangte auf schwarz-rot-gelbem Grund ein Micky-Maus-Kopf in einem Ährenkranz, wie er auch auf dem Staatswappen der DDR zu finden war.

Die erste BRN fand vom 22. bis 24. Juni 1990 statt. 1993 löste sich die „provisorische Regierung“ auf. Die BRN als Stadtteilfest der Äußeren Neustadt ist jedoch geblieben, entfernte sich aber mit den Jahren zunehmend von politischen Inhalten. Es gab mehrere Versuche, die Veranstaltung durch Trägervereine auszurichten. Dies scheiterte mehrfach, insbesondere durch die Auflagen der Stadt Dresden und auftretende Eskalationen zwischen gewaltbereiten Personen aus der linken und rechten Szene. Insbesondere in den Jahren 2001 und 2002 kam es zu bundesweiten Negativschlagzeilen aufgrund von Gewalttätigkeiten. Nachdem die BRN in den Jahren 2003 bis 2006 weitgehend friedlich verlaufen war, wurden 2007 bei nächtlichen Ausschreitungen 12 Polizisten verletzt.

Heutiger Charakter[Bearbeiten]

Auf zahlreichen kleinen Bühnen wird Live-Musik verschiedener Stilrichtungen dargeboten
Umzug auf der BRN 2005

Seit 2002 wird das Stadtteilfest ohne einen Gesamtveranstalter ausgerichtet, die beteiligten Personen und Lokale melden Einzelveranstaltungen mit einem Formular bei der Stadt an.

Aufgrund der vorausgegangenen Gewalttätigkeiten wird die BRN von einer umfangreichen Polizeipräsenz begleitet. Trotz zahlreicher kommerzieller Veranstalter konnten sich etliche Privatinitiativen ohne kommerzielle Interessen erhalten, welche seit jeher ein wesentliches Merkmal der BRN sind. Auch die Zahl der von außen kommenden Veranstalter ist rückläufig, da beantragte Nutzungsflächen nur noch an Anwohner vergeben werden.

Insbesondere die Talstraße ist frei von kommerziellen Angeboten und bietet traditionell Betätigung für kleine und große Kinder.

Das Gebiet der BRN ist während des Festes für fahrenden und ruhenden Verkehr gesperrt. Entlang der Görlitzer/Rothenburger Straße findet jedoch fast regelmäßig ein Umzug aus skurrilen, selbstgebauten Fahrzeugen, begleitet von Musik und Tanz, statt.

2006 besuchten in der Zeit vom 16. bis 18. Juni über 150.000 Besucher das Neustädter Stadtteilfest.

Am 12. Dezember 2010 wurde das BRN-Museum im Stadtteilhaus Neustadt, Prießnitzstraße 18 eröffnet. Es beherbergt Ausstellungsstücke aus 20 Jahren BRN-Geschichte.

Impressionen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bunte Republik Neustadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mirjam Jauslin: Von schwarzen Schafen, Heissen Kühen und bunten Leuten - Formen des urbanen Widerstandes in der Äusseren Neustadt. Diplomarbeit am Geographischen Institut der Universität Basel, 1997.