Butch und Femme

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Die Butch/Femme Society auf dem Gay Pride in New York City.
„She Thinks She Could Wear Bifurcations“, 6. Juni 1903

Unter Butch (englisch, etwa: „maskuliner Typ“, Aussprache: [bʊʧ]) und Femme (französisch: „Frau“, Aussprache: [fam]) wird eine Rollenverteilung in lesbischen Beziehungen verstanden. Sie ist oft durch Kleidung, Haarschnitt und Verhaltensweisen der Frauen gekennzeichnet.

Besonders im Englischen wird „butch“ auch als Adjektiv verwendet.[1] Es wird besonders dort auch auf (hyper-)maskuline Männer angewandt, als Gegenstück zum effeminierten Mann.

Frauen[Bearbeiten]

Die Ausdrücke Butch und Femme werden vor allem zur Selbstdefinition, seltener von Außenstehenden als Rollenklischees verwendet.

Als Butch oder auch Kesser Vater bzw. KV oder auch viril wird eine moderat „männlich“ wirkende Lesbe bezeichnet, die nicht dem heterosexuell tradierten Frauenideal entspricht. Sie hat oft kurze Haare, ist muskulös und sportlich, trägt – als männlich geltende – Anzüge, tritt burschikos oder selbstbewusst auf und ist in der Beziehung mit einer Femme dominant. Besonders bekannt ist der Typus aus den 1920er und 1930er Jahren, etwa in Fotografien von Man Ray und mit Marlene Dietrich.[2] In der englischen Homosexuellenszene wird butch auch als beschreibendes Adjektiv verwendet.[1]

Ihr Gegenpart ist die Femme, die „weiblich“ wirkende Lesbe, die dem heterosexuell kodierten Frauenbild am nächsten kommt. Während die Unterscheidung bis in die 1950er Jahre ein tatsächliches Rollenmuster beschrieb, wird sie heute des Öfteren für ein Rollenspiel verwendet. So gibt es nicht selten Beziehungen etwa zwischen zwei Butches oder den Tausch der Rollen.

Eine optisch sehr maskuline (z. B. kurz geschorene Haare) und „tough“ auftretende, frauenliebende Frau wird heutzutage auf Deutsch eher als „Kampflesbe“ denn als „Kesser Vater“ bezeichnet. (Daneben wird Kampflesbe auch als sexistisch abwertender Begriff gegenüber nicht dem Rollenbild entsprechenden und/oder für ihre Rechte eintretenden Frauen allgemein verwendet.)[3] „Dyke“ wird auch öfters in diesem Sinne verwendet.

Das Thema Butch wurde vor allem im poststrukturalistischen Kontext theoretisch rezipiert, so etwa bei Judith Butler oder Beatriz Preciado.

Der schwule Macho[Bearbeiten]

Besonders in der englischsprachigen Schwulenszene hat Butch verschiedene Bedeutungen.[1] Das Adjektiv butch beschreibt männliche Erscheinung und männliches Auftreten. Das Substantiv Butch bezeichnet einen Mann, der die männliche Rolle spielt, sei es sozial oder sexuell. (Sexuell wird heute sowohl in der englischen, als auch in der deutschen Szene vermehrt die Bezeichnung Top verwendet.) Ein „butcher“ Homosexueller sieht somit maskulin aus und agiert maskulin – betont maskulin.[4] Er ist das totale Gegenstück zu effeminiertem Verhalten und Aussehen, zur Tunte. Das Adjektiv butch kann somit als „kerlig“ oder „machohaft“ übersetzt werden und das Substantiv als „Kerl“ oder „Macho“. Äußerliche Attribute hierzu sind z. B. Bart und Körperbehaarung.

In den USA war das stärkste Auftreten Ende der 1970er Jahre. Nachdem in den 1950ern effeminierte Männer das Bild der Homosexuellenbars geprägt hatten und selbst unauffällige Homosexuelle ein Repertoire hatten, welches sie untereinander ironisch akzentuiert einsetzten, man häufig zwischen „aktiver“ und „passiver“ Rolle unterschied, sich damit den vorgegebenen Skripten der Mehrheitsgesellschaft anpasste, und die Homophilenbewegung Unauffälligkeit und totale Anpassung für die Öffentlichkeit propagierte, hatte man durch die Ereignisse um Stonewall 1969 und den sich verbreitenden Gay Pride, dem homosexuellen Selbstbewusstsein, mehr Freiheiten. Man konnte es in der Öffentlichkeit zeigen, aber auch ablegen und „alle machten alles“. (Ähnliches passierte in Amsterdam schon nach 1953/1955.[5]) Das Pendel schlug sogar in die Gegenrichtung aus und es wurde ein aus historischer Sicht gesehen notwendiges Gegenklischee entlang der traditionellen Vorgaben über Maskulinität aufgebaut, welches sowohl die alten Vorurteile der Gesellschaft als auch jene in den eigenen Köpfen zerstören sollte. Es entwickelte sich eine Hypermaskulinität gegenüber dem damaligen durchschnittlichen Männlichkeitsideal und dabei handelte es sich oft um dieselben Menschen wie früher.[6][4] Namentlich benannt ist der Castro-Clone[7] und aus der Szene heraus in den Mainstream gelangten als sichtbarstes Zeichen die Village People, auch wenn der Mainstream um den Hintergrund meist nicht wusste. In den 1980ern normalisierte sich die Lage wieder. Im deutschsprachigen Raum setzte dies später ein und entwickelte sich auch anders.

Siehe auch: Tomboy und Amsterdam Gay Pride

Literatur[Bearbeiten]

  • Leslie Feinberg: Träume in den erwachenden Morgen. Krug & Schadenberg, Berlin 1996.
  • Stephanie Kuhnen (Hrsg.): Butch Femme. Eine erotische Kultur. Querverlag, Berlin 1997.
  • Sabine Fuchs (Hrsg.): Femme! radikal – queer – feminin. Querverlag, Berlin 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Bruce Rodgers: Gay Talk, Putnam's, New York 1972
  2. die-spirale.de: Constance Ohm: Gewalt in lesbischen Beziehungen, Stand vom 28. Oktober 2006
  3. Kampflesbe“ im Homowiki
  4. a b Martin P. Levine, Michael S. Kimmel: Gay macho: the life and death of the homosexual clone, New York University Press, 1998, ISBN 0-8147-4695-0, Kapitel: „(I Wanna Be a) Macho Man“ - The Masculinization of Clone Social Life, S. 55 ff.
  5. Gert Hekma: The Amsterdam Bar Culture And Changing Gay/Lesbian Identities, Gay Studies University of Amsterdam
  6. Erwin J. Haeberle: Bisexualitäten - Geschichte und Dimensionen eines modernen wissenschaftlichen Problems, erschienen in:
    E. J. Haeberle und R. Gindorf: Bisexualitäten - Ideologie und Praxis des Sexualkontaktes mit beiden Geschlechtern, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1994, S. 1-39
  7. Castro Clone, homowiki.de